José Mourinho bei Real Madrid Perez' Versuche

Nun ist es tatsächlich so, dass Casillas schon sicherer wirkte in seiner Karriere. Doch seine Unsicherheit ist nur eine von vielen Spiegelungen der desolaten Verfassung Reals. Man merkt dem Ensemble der berühmten Namen an, dass es ohne strategische Linie spielt, fast ohne Konzept. Da blitzt immer mal wieder die Klasse Ronaldos oder Özils oder Di Marías auf. Da rollt das Spiel mal eine Halbzeit lang recht hübsch, fallen Tore nach schnellen Kombinationen. Doch vieles davon scheint zufällig zu passieren. In den bisher 17 Spielen der Meisterschaft verlor Real 18 Punkte: Das sind bereits vier Punkte mehr als in der gesamten letzten Saison.

Mourinho, so heißt es, erreicht seine Spieler nicht mehr. Allzu oft stellt er sie in der Öffentlichkeit bloß, wirft ihnen vor, nicht engagiert genug aufzutreten, schiebt alle Verantwortung von sich weg. Außerdem soll er die Garderobe in Lager aufgeteilt, seine Spieler auseinander dividiert haben. Er mag diese psychologischen Spielchen, dieses ständige Zündeln und Sticheln. Aus Harmonie macht er sich nichts. Da mag der Chef, Vereinspräsident Florentino Pérez, auch noch so sehr darum bemüht sein: "Spannungen sind nie positiv", sagte der in seinen Weihnachtswünschen und bestätigte sein Vertrauen in den "besten Trainer der Welt". Die Lobhudelei hörte sich schon sehr rituell an.

Vielleicht versucht Pérez ja, das Tempo aus dem Scheidungsprozess zu nehmen: 20 Millionen Euro - das ist auch für ihn viel Geld. Der Titel in der spanischen Liga ist wohl ohnehin schon verloren. Bleibt die Champions League, und auch die entwickelt sich nach der Zulosung von Manchester United fürs Achtelfinale zu einem potenziell traumatischen Wettbewerb.

Es fragt sich nur, wie lange die Madridistas, die Fans, Mourinhos barocken Protagonismus noch ertragen mögen. Marca schreibt, "Mou" sei sich Reals "Grandeza" nicht genügend bewusst, er achte Legenden und Geschichte zu wenig. Und das geht natürlich gar nicht.