HSV-Profi Hakan Çalhanoğlu "Ich will auch ein Weltstar werden"

Hat die Hoffnung an den HSV verloren: Hakan Çalhanoğlu.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Hakan Çalhanoğlu findet, dass der Hamburger SV zu klein geworden ist für einen wie ihn. Er will den Klub jetzt unbedingt verlassen. Dabei hat er erst im Februar seinen Vertrag bis 2018 verlängert. Der 20-Jährige zelebriert die Schnelllebigkeit des Geschäfts.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Hakan Çalhanoğlu hat in erstaunte Gesichter geblickt, sagt er. Schon vor den Relegationsspielen gegen Greuther Fürth sei der Mittelfeldspieler zu seinen Bossen beim Hamburger SV spaziert, zu Vorstandschef Carl-Edgar Jarchow und Sportchef Oliver Kreuzer, und habe sie von seinen Absichten unterrichtet.

"Ich habe ihnen gesagt, dass ich gehen will - egal, ob wir in der ersten oder zweiten Liga spielen", erzählt Çalhanoğlu: "Das hatten sie nicht erwartet, denn für sie war ich immer der kleine, ruhige Hakan."

So redet einer, der sich seiner Sache sehr sicher ist. Und der 20-jährige Mittelfeldspieler ist sich sehr sicher, dass er den Hamburger SV verlassen wird. Seit Wochen schon streut sein sehr forscher Berater Bektaş Demirtaş gezielt Wechselgerüchte, und hat damit auch schon die HSV-Spitze gegen sich aufgebracht. Nun hat sich Çalhanoğlu via Sportbild zu Wort gemeldet. Es ist der Versuch einer Machtdemonstration.

HSV-Trainer Mirko Slomka Das Glück ist aufgebraucht

Beim Hamburger SV hat sich unter Mirko Slomka wenig bis nichts verbessert. Trotzdem darf sich der Trainer nun als Retter feiern lassen. Lediglich als Moderator aufzutreten, wird in der kommenden Saison jedoch kaum reichen.

"Ich will einfach auch so weit kommen wie Cristiano Ronaldo oder Messi. Ich will auch ein Weltstar werden, über den alles spricht", sagt Çalhanoğlu dort. Sein Ziel soll zunächst nicht Real Madrid oder Barcelona sein, sondern Bayer Leverkusen, das laut Demirtaş bereit sein soll, eine Ablöse jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke für Çalhanoğlu zu bezahlen.

Beim HSV wolle, nein könne er nicht mehr bleiben. "Ich bin mit großer Hoffnung hierhergekommen", sagt Çalhanoğlu, "aber ich habe sie verloren." Sei ja auch alles nicht so schlimm, er bringe dem Klub ja eine hohe Ablösesumme ein. Der Mittelfeldspieler zelebriert mit bewundernswerter Leichtigkeit die Schnelllebigkeit des Geschäfts.

Kurze Rückblende: Im Februar hatte Çalhanoğlu seinen bis 2016 datierten Vertrag noch bis 2018 verlängert. In Hamburg, wo sie ihn "Prinz Hakan" nennen, wurde die Nachricht mit Erleichterung aufgenommen. "Ich möchte noch lange für den Verein in der Bundesliga spielen und in den kommenden Jahren zu einem festen Bestandteil der Mannschaft werden", sagte Çalhanoğlu damals: "In unserer schweren Situation möchte ich auch ein Zeichen setzen."

Kreuzer glaubt an Verbleib beim HSV

Noch lange für den Verein spielen? Fester Bestandteil der Mannschaft werden? All dies ist drei Monate später nicht mehr relevant. "Ich will nicht, dass sie eine Mauer um meine Karriere bauen", sagt Çalhanoğlu nun. Tatsächlich hat der HSV in den vergangenen Wochen wenig Werbung dafür gemacht, dass er schnell wieder zu einer guten Adresse für aufstrebende Spieler werden kann.

Der Klub steht vor einer großen Zäsur, nicht nur wegen der anstehenden Abstimmung zum Reformprojekt "HSV Plus". Der HSV muss seine Gehaltskosten um fünf Millionen Euro senken. Rafael van der Vaart wird den Klub wohl verlassen (Ajax Amstersam oder Beşiktaş Istanbul sollen interessiert sein), auch Spieler wie Robert Tesche und Rincón dürften keinen neuen Vertrag mehr erhalten.

Bundesliga-Verbleib des HSV Schnecke ohne Fußballverstand

Mag sein, dass der Hamburger SV ein stolzer Hansestadt-Verein ist. In der Wirklichkeit des Fußballs ist der Klub aber längst nicht mehr in einer Liga mit München, Dortmund oder Berlin. Stattdessen steht der HSV gerade nur sehr knapp über Zweitliga-Niveau.

An guten Tagen ist Çalhanoğlu wohl wirklich zu gut für den derzeitigen HSV. Wenn er mit Leichtigkeit durchs Mittelfeld spaziert, seine gefürchteten Distanzschüsse ablässt, die in der Bundesliga niemand so gut kann wie er. Allerdings zeigte sich auch Çalhanoğlu zuletzt weit entfernt von Ronaldo- oder Messi-Niveau, insbesondere in den Relegationsspielen, als der 20-Jährige hypernervös eher durchgeschleppt werden musste, als dass er der Mannschaft helfen konnte.

Von der HSV-Spitze ist zuletzt nur überliefert, dass das Geld woanders eingespart werden soll als bei Çalhanoğlu. "Hakan bleibt definitiv", sagte Kreuzer noch am Montag. Das war vor dessen Machtdemonstration. Der Kampf hat gerade erst begonnen.



Quelle: Opta Sportdaten

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