1899 Hoffenheim Herr Hopp und die ungezogenen Kinder

Immer wieder verunglimpft: Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp (Archivbild)

(Foto: imago/Jan Huebner)

Die permanenten Schmähungen kränken den Geldgeber von 1899 Hoffenheim. Dabei würde ihm Gelassenheit helfen - oder er versucht es mit einer Gegentherapie.

Kommentar von Philipp Selldorf

Dietmar Hopp, der als Mäzen seinen Heimatklub TSG Hoffenheim bis hinauf in die Bundesliga hievte, hat schon oft die wohlmeinende Empfehlung erhalten, er solle sich die permanenten Schmähungen aus den gegnerischen Fankurven nicht zu Herzen nehmen. Aber weghören und überhören, das kann er nicht, und das will er auch nicht. Also leidet Hopp daran, dass er beschimpft und persönlich beleidigt wird. Es verletzt ihn, so ist es eben.

Die konzertierten Kränkungen sind unbedingt und vorbehaltlos zu verurteilen, keine Frage. Am vergangenen Sonntag, beim 3:0 der Hoffenheimer im Stadion des 1. FC Köln, waren sie mal wieder von besonders niveauloser Art. Nun hat nach den neuerlichen Vorfällen Hopps Rechtsanwalt Christoph Schickhardt die Forderung erhoben, dass ein Spiel nicht angepfiffen werden sollte, wenn in den Kurven beleidigende Banner zu sehen sind. Schickhardt weiß wohl, dass das in der Praxis kaum zu verwirklichen ist.

Hopp würde Gelassenheit helfen

Und es dürfte auch eher eine Geste der Verbundenheit mit dem Betroffenen sein, als ein wirksames Mittel gegen die Hetzer, wenn die TSG Hoffenheim jetzt erklärt, sie werde die Entschuldigungen der Kölner Klubführung für das armselige Treiben der FC-Anhänger nicht annehmen: "Wir akzeptieren keine Kölner Entschuldigungen mehr. In Köln gibt es bei den Vereinsoberen seit Jahren nur Achselzucken und Entschuldigungen." Man möchte halt etwas tun, damit der hässliche Krach endlich aufhört. Doch was könnte helfen? Die Geldstrafen, die der DFB regelmäßig verhängt, haben jedenfalls keinen Effekt.

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Die Geschichte dieses Konfliktes zeigt, dass man zwar immer wieder aufs Neue feststellen kann, wie stumpfsinnig und bösartig und erbärmlich es ist, was einige Fans einiger Klubs veranstalten, um dem Mäzen und Geldgeber der TSG Hoffenheim wehzutun. Dass dies aber leider nichts ändert. Das Gegenteil ist der Fall, wie am Sonntag in Köln wieder zu erleben war: Sobald der Stadionsprecher freundlich darum bittet oder streng dazu auffordert, die Rufe gegen Hopp zu unterlassen, geht es erst recht los in der Kurve. Die betreffenden Fans zeigen das typisch subversive Verhalten ungezogener, trotziger Kinder. Die Erfahrung lehrt: Je mehr sich alle aufregen, umso drastischer die Provokationen.

Auf Dauer würde Ignorieren wahrscheinlich mehr bringen als immer wieder Empörung und Strafen. Oder man versucht es gleich mit der Gegentherapie: Man legt Zettel aus, am besten mit dem amtlichen Logo des in den Kurven ja gleichfalls blindwütig verachteten DFB, auf denen Liedertexte gegen Hopp stehen, und dann werden die bösen Gesänge nach dem Spiel von allen gelobt statt verurteilt, während sich die TSG-Vertreter für die kostenlose Extra- Motivation ihrer Mannschaft bedanken. Vielleicht würden die ungezogenen Kinder dann den Spaß an ihrem miesen Spiel verlieren.

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