Hertha BSC Herthas Darida: Zu fit für Real Madrid

"Ich will, dass die Leute denken: Der kann Fußball spielen": Vladimir Darida (vorn, im Duell mit Wolfsburgs Luiz Gustavo) prägt das Spiel der Hertha.

(Foto: Michael Sohn/AP)
Von Javier Cáceres, Berlin

Im Oktober vergangenen Jahres wurde bei Real Madrid eine Krisensitzung einberufen. Die knapp zehn Scouts, die Spaniens Rekordmeister über den Globus verteilt hat, sollten sich darüber Gedanken machen, woran es der milliardenschweren Truppe mangelt und welche Abhilfe wohl ratsam wäre.Das Ergebnis: Real Madrid brauche einen Mittelfeldspieler, der 90 Minuten marschieren kann, taktisch klug agiert, auch unter Druck den Ball fordert und diesen gut halten kann, offensive und defensive Stärken hat und selbst nach 90 Minuten noch passsicher ist. Doch nicht dieses Profil war frappierend, sondern das, was die Datenbanken ausspuckten.

Denn die Scouts legten sich überwiegend auf zwei Profis fest, die bei Real Madrid vermutlich nie ernsthaft als Zugänge in Erwägung gezogen werden dürften. So gut sie auch sein mögen - es fehlt ihnen der Glamourfaktor, den Reals Vereinsboss Florentino Pérez aus kommerziell-strategischen Gründen für unabdingbar hält. Ihre Namen: N'Golo Kanté von der Überraschungsmannschaft der Premier League, Leicester City. Sowie Vladimir Darida von Hertha BSC, der viel damit zu tun hat, dass die Berliner zum Überraschungsteam der laufenden Bundesligasaison wurden.

Auch vor dem Besuch des FC Schalke 04 an diesem Freitagabend stehen die Berliner auf dem dritten Tabellenplatz, trotz der jüngsten 0:2-Niederlage beim Hamburger SV. Und das ist ein Zwischenstand, an dem Darida, 25, wesentlich beteiligt ist.

"Er ist aus dem Stand Herz und Lunge unseres Spiels geworden"

Als Laufwunder wurde der Tscheche angekündigt, als er im Sommer nach zwei Jahren beim SC Freiburg zur Hertha gestoßen war, und diese Erwartung hat der Mittelfeldspieler vom ersten Tag an erfüllt. Bei 24 Einsätzen hat er insgesamt 299,29 Kilometer zurückgelegt, das ergibt bei 2069 Minuten Spielzeit einen Schnitt von 13,05 Kilometern pro Spiel.

Wie in der Vorsaison ist Darida, der die Nachwuchsabteilung von Viktoria Pilsen durchlief, der einzige Bundesligaprofi, der pro Spiel mehr als 13 Kilometer gefressen hat; nur der junge Gladbacher Mo Dahoud kommt ihm nahe. "Er ist aus dem Stand Herz und Lunge unseres Spiels geworden", sagte Manager Michael Preetz, der mit Darida ein Schnäppchen landete.

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Freiburg erhielt für den Mittelfeldspieler eine Ablöse von angeblich 3,8 Millionen Euro - eine Zahl, die im Lichte der Summen, die im Profi-Business fließen, für ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis steht. Wenn es stimmt, was in Gelsenkirchen so geraunt wird, dann hat Hertha mit dem Schnäppchen den Schalkern ein Schnippchen geschlagen. Dort heißt es, Trainer André Breitenreiter und Manager Horst Heldt seien sich nicht einig geworden. Umso einfacher war es für Herthas Trainer Pal Dardai, Darida von seinem Projekt zu überzeugen.