Fußball-WM 2022 in Katar Blatter bestätigt politischen Einfluss bei WM-Vergabe

"Eindeutig ja!": Fifa-Präsident Sepp Blatter räumt ein, dass europäische Regierungschefs bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 Empfehlungen zugunsten von Katar ausgesprochen haben. Grund seien große wirtschaftliche Interessen. Blatter dürfte damit vor allem auf Uefa-Präsident Michel Platini zielen.

Fifa-Boss Joseph Blatter hat bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nach Katar politische Einflüsse eingeräumt. Auf die Frage, ob der Zuschlag für den Wüstenstaat durch die Fifa-Exekutive durch Zuwendungen beflügelt worden sei, antwortete Blatter in einem Interview der Wochenzeitung Die Zeit: "Eindeutig ja! Es gab direkte politische Einflüsse. Europäische Regierungschefs haben ihren stimmberechtigten Mitgliedern empfohlen, für Katar zu stimmen, weil sie große wirtschaftliche Interessen mit diesem Land verbinden."

Die Äußerung Blatters dürfte als Spitze gegen Uefa-Präsident Michel Platini verstanden werden. Der Franzose, der womöglich 2015 gegen Blatter um das Amt des Fifa-Präsidenten kandidiert, hatte seine Wahl für Katar öffentlich bestätigt. Wenige Tage vor der Abstimmung war Platini zu einem Abendessen mit dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Élysée-Palast geladen. Mit am Tisch saß auch Scheich Hamad Al Thani, der Emir von Katar.

Platini hatte das Abendessen im Gespräch mit France Football nicht bestritten, wohl aber, dass es ein Abkommen gegeben habe. Derzeit untersucht die Fifa-Ethikkommission unter Vorsitz von Chefermittler Michael Garcia die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergabe an Katar 2022, aber auch an Russland 2018.

Deutliche Kritik an Brasilien

Karl-Heinz Rummenigge hat indes in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA einen April-Austragungstermin für die WM 2022 in Katar ins Gespräch gebracht. "Es ist schon ein Unterschied, ob im November, im Januar oder sogar im April gespielt wird, was auch nicht auszuschließen ist. Im April sind die Temperaturen in Katar durchaus angenehm", sagte der Vorstandsvorsitzende von Bayern München der Sport Bild und machte sich für eine Ausrichtung des WM-Turniers im Frühjahr 2022 stark.

Unterdessen hat Blatter in der Diskussion um eine Verlegung der WM 2022 in die Wintermonate bekräftigt, dass die Austragung der Endrunde im Sommer nicht explizit festgelegt sei. "In unserer Ausschreibung steht: im Prinzip Juni, Juli. Wir müssen zeitlich flexibel sein, denn sonst kämen die Länder südlich des Äquators niemals als Austragungsort für eine WM infrage."

Deutliche Kritik übte Blatter auch am WM-Konzept von Gastgeber Brasilien. Angesichts der sozialen Probleme sei es unverständlich, mit zwölf Stadien im Land des Rekord-Weltmeisters für die WM zu planen. "Die Brasilianer hatten sogar 17 Stadien in 17 Städten vorgeschlagen. Die Fifa hat das auf zwölf Stadien reduziert. Auch acht hätten ausgereicht", betonte Blatter.

Er gibt zu, dass "das Stadion in Manaus wirklich nicht mehr so intensiv genutzt" werde - nach der WM 2014. Blatter weiter: "Aber die Leute wollten es ja unbedingt. Es sind nie so viele Briefe an die Fifa geschrieben worden wie von den Menschen aus der Region Manaus. Tenor: Wir wollen ein Stadion! Wir wollen ein Stadion!"