Fußball: 1860 München vor der Pleite Ein Scheich als letzte Rettung

Falls die Bankenlösung für 1860 München scheitert, sollen Investoren vom Persischen Golf den Zweitligisten vor dem Bankrott bewahren. Die Scheichs wollen dann im Verein aber wohl massiv Einfluss nehmen.

Von Andreas Burkert und Klaus Ott

Es sei wie "Geburtstag, Weihnachten und ein Lottogewinn zusammen" gewesen, schwärmte vor wenigen Jahren der damalige Trainer von Manchester City, Mark Hughes, als arabische Investoren den englischen Fußballklub übernommen hatten. Der neue Inhaber, eine Investment-Firma aus Abu Dhabi am Persischen Golf, die vom dortigen Herrscherhaus kontrolliert wird, versprach dem Verein goldene Zeiten. Man wolle Weltklasse-Spieler kaufen, für etliche hundert Millionen Euro. Inzwischen spielt Manchester City vorne mit in der englischen Liga, ebenso wie der FC Arsenal London. Auch dort haben arabische Unternehmen mehrere hundert Millionen Euro springen lassen. Der Öl-Reichtum am Persischen Golf macht das möglich.

In die Bundesliga ist von dort noch kein Öl-Geld geflossen, aber das könnte sich bald ändern. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verhandelt der TSV 1860 München, der gegen die Pleite kämpft, inzwischen konkret mit arabischen Investoren. Der Kontakt, der seit einer Woche besteht, kam über eine Münchner Bank zustande, die sich in den Emiraten bestens auskennt. Die Araber, die dem Vernehmen nach beste Beziehung zur dortigen Herrscherfamilie unterhalten, wollen angeblich "sofort etwas mehr als zwölf Millionen Euro" zahlen und dafür 49 Prozent Anteile an der Fußball GmbH & Co. KGaA des Zweitligisten bekommen. Der mögliche Geldgeber sitzt in Abu Dhabi. Er strebte das Investment an, "um seine Geschäftsbeziehungen nach Europa zu verbessern".

Seit Wochen sind die Löwen auf der Suche nach frischem Kapital. Mindestens zehn Millionen Euro sind bis Anfang nächster Woche nötig, sonst muss sich der Klub für zahlungsunfähig erklären und ins Amateurlager absteigen. Die Münchner Stadtsparkasse, Bayerns Landesbank und ein privates Kreditinstitut sollen eigentlich neue Kredite gewähren, doch bislang ist nichts absehbar. Zumal die Banken untereinander weiter debattieren, wer welche Sicherheit für Kredite erhält. Scheitert diese Lösung, dann wären die arabischen Investoren der letzte Ausweg.

In Klub-Kreisen wird allerdings befürchtet, dass es zum Ausverkauf des TSV 1860 käme. Die Geldgeber vom Persischen Golf, so die Bedenken, hätten dann das Sagen. Doch aus den bisherigen Kontakten lasse sich nun schließen, dass der gut beleumundete Partner keineswegs die komplette Übernahme anstrebe. In England, Spanien und Italien sind selbst große Profi-Klubs wie Manchester United, Real Madrid und AC Mailand längst zum Spielball von Finanz-Magnaten, Baulöwen und Konzernchefs geworden. In Deutschland soll das eine Regel verhindern, die besagt, dass ein Bundesligist maximal 49 Prozent seiner Anteile veräußern darf. Der Verein muss Herr im Hause bleiben.

So wollen und müssen es auch die Sechziger handhaben. Sie haben vor, den Investoren lediglich Minderheitsanteile an der Fußball GmbH & Co. KGaA des TSV zu verkaufen. Die KGaA besitzt die Lizenz für die zweite Liga und betreibt den Profi-Kader. Bei 1860 hat erst vor zwei Jahren schon einmal ein umstrittener Investor aus Berlin versucht, sehr viel Einfluss zu nehmen, sehr zum Ärger der DFL. Von Personal-Entscheidungen im Sinne des Geldgebers wurde gemunkelt, bis hin zum Spielerkader.

Auch deshalb reagierten die Löwen um den neuen TSV-Präsidenten Dieter Schneider bisher eher zurückhaltend auf Offerten von Investoren. Jedoch wollen sich Schneider und Geschäftsführer Robert Schäfer nicht nachsagen lassen, sie hätten nicht alles versucht, um den Niedergang des Traditionsvereins zu verhindern. Zumal auch nach einer weiteren Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend keine Bankenlösung in Sicht war. Inzwischen fehle nur noch eine Bürgschaft über 1,5 Millionen Euro, hieß es. Doch auch diese Sicherheit muss erst einmal aufgetrieben werden.

Am Donnerstag sollen deshalb auch die Verhandlungen zur spektakulären Investoren-Lösung mit den Arabern fortgesetzt werden. Deren Engagement hätte den Vorteil aus Sicht der Sechziger, es künftig nur noch mit einem Geldgeber zu tun zu haben. Der Öl-Reichtum am Persischen Golf würde es möglich machen.

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