Im Testspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden zeigt sich Leverkusens Rückkehrer Michael Ballack erstmals seit drei Monaten wieder auf dem Fußballplatz. Die Kapitänsbinde trägt er dabei vielleicht zum letzten Mal in seiner Karriere.
Angeblich sollte es ein "Geheimspiel" werden, ein streng vertraulicher Tauglichkeitstest des neuen Leverkusener Top-Models, aber am Samstag haben sämtliche lokalen Zeitungen über die Verabredung berichtet, die Bayer Leverkusen mit dem SV Wehen-Wiesbaden getroffen hatte. Nur die Uhrzeit des Sonder-Testspiels zwischen Erst- und Drittligaklub wurde halbwegs als Geheimnis behandelt, weshalb sich am Sonntagvormittag nur etwa 100 Zuschauer bei Michael Ballacks Rückkehr auf den Fußballplatz in der Bay Arena einfanden. Dabei stand die Tür offen für jedermann, auch auf Eintrittsgeld verzichtete der Klub, obwohl Trainer Jupp Heynckes die konzertierte Übung hinterher mehrmals als "Pflichtspiel" bezeichnete. Er hat das wohl im übertragenen Sinn gemeint.
Bild vergrößern
Michael Ballack spielte erstmals seit drei Monaten wieder richtig Fußball. Ob er wieder Kapitän des Nationalteams wird, ist weiter unklar. (© dpa)
Anzeige
Sein letztes amtliches Pflichtspiel hatte Ballack am 15. Mai bestritten, im englischen Pokalfinale mit dem FC Chelsea. Durch ein Foul seines Landsmanns und Gegenspielers Kevin-Prince Boateng erlitt er einen Riss des Syndesmosebandes, die Folgen für den Betroffenen und fürs ganze Land sind bekannt. Seit jenem Tag hat Ballack dem Wiederaufbau seines Hochleistungskörpers viele, viele Stunden gewidmet, Heynckes lobte, er habe noch nie in seiner Jahrzehnte währenden Karriere einen Fußballer erlebt, der seine Reha-Kur so professionell absolviert habe wie Michael Ballack.
Am Sonntag um 11 Uhr im Bayer-Stadion sah Ballack nicht mehr aus wie ein Patient, er spielte bis zum Schluss mit und ließ sich vom Dauerregen erfrischen, oben auf der Tribüne sah es die quasi vollzählig angetretene Bayer-04-Obrigkeit mit Freuden. Sportchef Rudi Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser waren vergnügt, als würden sie einem herrlichen Spaß beiwohnen. Ganz so brillant war es dann allerdings doch nicht, Heynckes erlebte seinen neuen Mittelfeldchef "im Bereich seiner Möglichkeiten - ist ja klar, dass er noch nicht in Bestform oder in guter Form ist".
Löw glaubt an EM-Auftritt
Doch auch der Trainer war zufrieden über die Fortschritte Ballacks, der auf seinem angestammten Platz im Zentrum mit großer Ruhe und Routine die Bälle sortierte und verteilte. In Abwesenheit der üblichen Amtsinhaber - Simon Rolfes und Manuel Friedrich - durfte er auch wieder seine alte Rolle als "Capitano" ausüben, am rechten Oberarm trug er die Kapitänsschleife.
Zum 4:0-Sieg gegen den sich höflich zurückhaltenden Sparringspartner trug Ballack zwar keinen Treffer bei, aber eine schöne Vorlage auf den Torschützen Marcel Risse. Als die Partie vorüber war, verlor er dann keine Zeit und nahm Platz auf dem Ergometer-Rad, um die Form zu forcieren, denn seine Reha-Kur ist nicht zuletzt ein Kampf gegen die Zeit. Am Donnerstag spielt Bayer 04 im Europacup gegen Simferopol, am Sonntag zum Bundesligastart in Dortmund - es sind die einzigen Vorführtermine, die Ballack zur Verfügung stehen, wenn er sich für die nächste Länderspielrunde empfehlen will. Denn seinen Kader für die EM-Qualifikationspartien in Belgien und gegen Aserbaidschan (3. und 7. September) wird der Bundestrainer wohl schon Ende nächster Woche benennen. Es wird eng für Ballack, zu eng, glaubt Heynckes.
Dass also Joachim Löw auf Ballacks Nominierung verzichtet und sich daraufhin noch einige Wochen Zeit lässt mit der Klärung der schicksalhaften Kapitänsfrage im DFB-Team, ist möglich. Muss aber nicht sein, dem Express hat Löw erläutert, dass er die Vergabe des Postens nicht für ein entscheidendes Kriterium hält. "Egal, wie meine Entscheidung ausgeht - die EM wird er sich nicht nehmen lassen", glaubt Löw. Ballack teilte am Sonntag eher unfroh mit, er habe die "Aussagen zur Kenntnis genommen". Womöglich war er gegen Wehen-Wiesbaden das letzte Mal in seiner Karriere der Capitano.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Michael Ballack RSS
- DFB-Pokal: 1. Runde Der Basler-Plan misslingt 14.08.2010
- DFB-Pokal: Der Samstag Kugelblitz und Donnerschlag 14.08.2010
- DFB-Pokal: Die Sonntagsspiele Ruud, Ruud, Ruud 15.08.2010
- Fußball-Bundesliga Rückkehr geglückt 23.08.2010
- Fußball-Bundesliga, Live-Ticker Eine Nummer zu groß 22.08.2010
- Sport kompakt Ein Österreicher rettet Berlin 20.08.2010
- Europa League: Play-off-Runde Ballack kommt, trifft und siegt 19.08.2010
(SZ vom 16.08.2010/jbe)
Migros zeichnet Produkte aus Israel speziell aus
Champions-League-Finale
ein kapitän sollte beim nächsten grossen turnier eine stammplatzgarantie haben - mit hoher wahrscheinlichkeit trifft dies bei lahm zu. bei ballack sehe ich das zur zeit nicht so: schweinsteiger wird gesetzt sein und in zwei jahren könnte an khedira kein vorbeikommen mehr sein - z.b. wenn er stammspieler bei madrid ist und auch noch regelmässig gute leistungen in der CL zeigt.
stellt sich auch die frage, warum einerseits junge spieler von top-clubs gejagt werden und ballack trotz gehaltsverzicht von chelsea nicht weiterverpflichtet wird bzw. keine "grossen" clubs interesse an ihm haben (oder nur für maximal noch ein jahr...).
er sollte sich einfach nicht so überschätzen und sich in den dienst der mannschaft stellen - ist immerhin ein kollektivsport.
""Warum soll jemand, der im eigenen Verein nicht mal Kapitän ist, in der Nationalmannschaft Kapitän sein?"
Warum dann bitte Lahm?"
Die Erklärung steht doch in meinem nächsten Satz...
Lahm ist bei Bayern Vize hinter van Bommel. Und wird diesen wohl auch nach dessen Karriereende in 1 oder 2 Jahren beerben. Abgesehen davon ist van Bommel selber Nationalspieler - in Holland. Wäre er deutscher Nationalspieler, wäre es in der Tat unverständlich Lahm und nich van Bommel zum Kapitän zu machen.
Ballack ist bei Bayer dritter Kapitän - hinter Simon Rolfes und Manuel Friedrich. Stellen wir uns doch bitte folgendes Szenario vor: Ballack und Rolfes spielen beide in der NM - Ballack ist Kapitän. Bei ihrem Bundesligateam ist es genau umgekehrt.
@otlet1218: Ach, es kann nicht jeder U21-Jahrgang so gut sein, wie der letzte... Außerdem ist das ja immer nur ein Jahrgang. (Dem übrigens schon einige fehlen, weil sie bereits im A-Team spielen: Müller, Badstuber, Marin, etc pp). Was würde denn passieren, wenn jede U21 mit 23 Spielern alles gewinnen würde? Dann stünden dem Bundestrainer in 3 oder 4 Jahren 60, 80 Nationalspieler zur Verfügung - Sie erkennen das Problem und warum ihr Vergleich extrem hinkt, oder?
Und ob Deutschland mal wieder einen Titel gewinnt - mal abwarten. Wenigstens spielen sie jetzt schönen Fußball.
@gediritter: Tja, ihr Vergleich hinkt hinten und vorne. Sport mit Politik zu vergleichen - dagegen sehen sich Äpfel und Birnen ja zum Verwechseln ähnlich... ;-)
Es stellt sich doch so dar: Ballack wurde nicht für Südafrika nominiert. Dadurch war der Kapitänsposten vakant. Der wurde mit Philipp Lahm besetzt. Der hat seine Arbeit gut gemacht. Und hat lediglich gesagt, dass es ihm gefallen hat und er das gerne weiter machen würde. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.
Hätte Lahm sagen sollen, dass Kapitän sein total ätzend ist, und er froh ist, wenn Ballack ihm diese blöde Binde wieder abnimmt?
(Bei Ballacks Führungsstil stünde ihm übrigens wohl eine rote mit weißem Kreis zu...)
Man stelle sich folgende Situation vor: Angela Merkel erkrankt und kann vier Wochen die Regierungsgeschäfte nicht übernehmen. In dieser Zeit vertritt Sie der Vizekanzler Guido Westerwelle. Der sagt nach 2 Wochen: Also freiwillig gebe ich die Kanzlerschaft nicht mehr ab und der Bundespräsident sagt, ok, schauen wir mal, aber ich denke Angela Merkel wird sich die nächste Bundestagswahl nicht entgehen lassen, egal ob als Kanzlerin oder nicht. Das ist jetzt sehr überspitz und grotesk beschrieben, aber Situation wäre ähnlich, nur in anderen Rollen und mit Sicherheit ein absolutes no-go. Es zeigt aber letztlich, dass hier scheinbar eine Demontage von Michael Ballack betrieben wird, die an die Situation von Oliver Kahn vor der WM 2006 erinnert... Ich bin sicherlich kein Freund von Michael Ballack, aber wenn er im künftigen System von Löw keine Rolle mehr spielt, dann sollte man ihm das doch bitte in ehrlicher Form mitteilen und nicht in Form einer schrittweisen Demontage.
Nur Häme gegen einen Kranken. Kein Mitgefühl. Keine Menschlichkeit.
Nur billig.
Ein Bänderriss ist etwas anders als eine Sehnenscheidenentzündung, an der ein Journalist als einzige Berufskrankheit leiden kann. Alkoholismus lasse ich mal vor, da dieser auch bei Journalisten nicht als Berufskrankheit anerkannt wird.
Jetzt lassen Sie ihn doch erst einmal 10 Bundesliga Spieltage absolvieren und dann wird man ja sehen was er wirklich noch drauf hat.
Auf die Länderspiele gegen Belgien und Azerbeidschan kann er wirklich getrost verzichten denn Jogi Löw mit seiner " Super Elf " mit der er zwar noch nicht's Richtiges gewonnen hat wird auch ohne ihn über die Runden kommen.
Und noch etwas, was Jogi Löw sich da mit der U 21 und seinem tollen Spezi und Trainer Adrion geleistet hat kann man ja wohl auch als wirklich groteske Pleite bezeichnen. Es hieß doch immer die U 21 ist das Nachfolge Team der A NM.
Na denn gute Nacht und mit Löw und seinem Klüngel wird die deutsche NM niemals einen EM - und oder auch WM Titel gewinnen.
Paging