Fußball in Spanien Warum sich der FC Valencia an Euro-Eddy erinnert

Der deutsche Weltmeister ging als Erster: Valencias Shkodran Mustafi sah nach einem angeblichen Foul an Lionel Messi noch vor der Pause Rot.

(Foto: imago/Alterphotos)
  • Früher war der FC Valencia eine Macht im spanischen Fußball - heute verliert er 0:7 in Barcelona. So eine hohe Pleite gab es zuletzt 1993 gegen den KSC.
  • Auch der deutsche Nationalspieler Mustafi kann die Krise nicht verhindern. Was läuft falsch?
Von Javier Cáceres

Der deutsche Nationalspieler Shkodran Mustafi zählt schon länger zu den beliebteren Angestellten des spanischen Erstligisten FC Valencia. Dessen Anhänger rühmen nicht nur den Wagemut des Weltmeisters von 2014, sondern auch seine rasche Integration. Mustafi, 23, vermag es, sich sehr gewählt auf Spanisch auszudrücken, was den Anhängern des Champions-League-Finalisten von 2001 unter anderem auch deshalb geläufig ist, weil Mustafi sich auch dann nicht wegduckt, wenn fußballerische Enttäuschungen verbal aufzuarbeiten sind.

Am Mittwochabend, in den Katakomben des Camp Nou des FC Barcelona, war Mustafi auch unter den wenigen Spielern des FC Valencia, die nach einer monumentalen Pleite im Hinspiel des spanischen Pokal-Halbfinales noch Gesicht zeigen wollten. 0:7 hatten sie bei Barça verloren, und Mustafi war es, der die Empfindungen der Belegschaft seines Klubs in die drastischsten Worte kleidete. "In der Kabine fühlen sich alle scheiße", sagte die Defensivkraft - und bat die Anhänger des sechsmaligen spanischen Meisters und siebenmaligen Pokalsiegers leise um Vergebung.

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Die Entschuldigung war durchaus angebracht. Man muss in den Jahrbüchern Valencias schon bis zum November 1993 zurückblättern, um ein ähnlich desaströses Ergebnis zu entdecken. Seinerzeit hatte der FC Valencia im Sechzehntelfinale des Uefa-Cups das Karlsruher Wildparkstadion besucht und - als Spitzenreiter der spanischen Liga - ebenfalls eine 0:7-Pleite kassiert; der wenig später als "Euro-Eddy" glorifizierte Edgar Schmitt erzielte vier Tore. Der damalige Valencia-Trainer und heutige Coach des englischen Erstligisten FC Chelsea, der Niederländer Guus Hiddink, musste wenig später gehen.

Valencias aktueller Trainer, der frühere englische Nationalspieler und Manchester-United-Profi Gary Neville, dürfte bald das gleiche Schicksal erleiden. Denn seit sich Neville Ende 2015 von Valencias Klubeigner Peter Lim, einem Milliardär aus Singapur, überreden ließ, in der ihm unbekannten spanischen Liga als Trainernovize und Nachfolger des Portugiesen Nuno Espírito Santo anzuheuern, hat sich Neville als perfekte Fehlbesetzung erwiesen.

In acht Ligaspielen hat Neville noch keinen Sieg sichern können; im Pokal überlebte er gegen eklatant schlechtere Teams wie Barakaldo, Granada und Las Palmas. Es sei "jetzt nicht der Moment, Entscheidungen zu treffen", stammelte Valencias Sportdirektor Jesús García Pitarch nach dem 0:7. Doch diese Zurückhaltung hat vor allem damit zu tun, dass Neville und Lim nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Freunde sind. Andererseits: Valencia ist nur noch fünf Punkte von den Abstiegsrängen entfernt - und in einem abenteuerlich desolaten Zustand.