Fußball Italienischer Fußball: Homophobe Sprüche? Völlig in Ordnung!

Der Trainer des SSC Neapel Maurizio Sarri meint, dass der italienische Fußball zu einem "Schwuchtelsport verkommen" sei.

(Foto: imago/ZUMA Press)
  • Der Trainer des SSC Neapel beleidigt Inter Mailands Trainer als "Tunte" und "Schwuchtel".
  • In Italien, finden manche Trainer, gehören die Worte sogar zum guten Ton im Fußball dazu.
  • Dabei wollen viele Italiener, dass ihr Land endlich in der Moderne ankommt.
  • Ergebnisse und Tabelle der italienischen Liga finden Sie hier.
Von Birgit Schönau, Rom

Inter Mailands Trainer Roberto Mancini ist bekannt für sein aufbrausendes Temperament. Aber derart furios wie nach dem Abpfiff des Pokal-Viertelfinales gegen den SSC Neapel hat man den 51-Jährigen selten erlebt. Dabei hatte Inter in Neapel sensationell 2:0 gewonnen, mit Toren von Stevan Jovetic (74.) und Adem Ljajic (91.). "Das Resultat interessiert mich überhaupt nicht", schnaubte Mancini anschließend in die Fernsehkameras. "Dieser Vorfall stellt ja alles andere in den Schatten."

Der "Vorfall" war der Zusammenprall mit dem Kollegen Maurizio Sarri. Beide hatten sich eigentlich beim vierten Offiziellen darüber beschweren wollen, dass dieser aus Versehen neun Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte. Doch kaum lief man sich über den Weg, ging Sarri erst einmal erbost auf Mancini los. "Er hat mich als Tunte und als Schwuchtel beschimpft", berichtete Mancini später. "Und um das klar zu sagen: Wäre ich homosexuell, ich wäre stolz darauf." Aber Sarris Wortwahl sei beleidigend, ja "rassistisch" gewesen. "Einfach unglaublich, eine Schande. Solche Typen gehören aus dem Fußball ausgeschlossen, in England dürfte so einer kein Training mehr leiten."

Sarri: "Das waren die ersten Wörter, die mir einfielen"

Mancini weiß, wovon er spricht, er hat selbst für Leicester City gespielt und war von 2009 bis 2014 Chefcoach bei Manchester City. Da lernt man, was in anderen Ligen Europas geduldet wird und was nicht. In Italien, so Mancini, sehe es jedenfalls so aus: "Der vierte Offizielle hat zwar jedes Wort von Sarri vernommen, aber so getan, als höre er nichts."

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Auch der Napoli-Trainer wollte die Aufregung nicht verstehen. Er wisse ja gar nicht mehr, was er Mancini zugerufen habe, rechtfertigte sich Sarri. "Ich war verärgert über den Platzverweis von Dries Mertens. Mancini hat mich provoziert, und ich habe ihm das erste Wort an den Kopf geworfen, das mir einfiel. Das kann auch, Christdemokrat' gewesen sein." War's aber nicht. Und es war übrigens auch nicht das erste Mal, dass die erste Beleidigung, die Maurizio Sarri einfiel, das herabsetzende Wort "Schwuchtel" war.

Im März 2014 hatte er als Trainer des damaligen Zweitligavereins Empoli nach einem Match geklagt, der italienische Fußball sei zu einem "Schwuchtelsport verkommen - hier werden viel mehr Fouls gepfiffen als in England, als sei das hier eine Homosexuellen-Liga". Damals wurde Sarri zu einem Bußgeld von 5000 Euro verdonnert. Jetzt riskiert er eine Sperre von vier Monaten. Der Verband könnte ein Exempel an ihm statuieren, nachdem Verbandspräsident Carlo Tevecchio kürzlich selbst wegen rassistischer Äußerungen von der Uefa Monate lang gesperrt worden war.