Fußball Der Spender von Manchester United

Juan Mata im Trikot von Manchester United.

(Foto: Getty Images)
  • Juan Mata spielt für Manchester United und hinterfragt den modernen Fuballbetrieb.
  • Er will zukünftig ein Prozent seines Gehalts für eine Nichtregierungsorganisation spenden.
  • Er fordert andere Fußballer auf, es ihm gleichzutun.
Von Javier Cáceres, Manchester/München

Am Anfang stand ein Interview. "Es ist, als lebten wir in einer Blase", sagte der spanische Nationalspieler Juan Mata, Fußball-Profi bei Manchester United, im vergangenen Jahr im spanischen Fernsehen La Sexta. "Das reale Leben ist das meiner Freunde, die studieren mussten oder arbeitslos sind. Das Leben eines Fußballers ist nicht real", fügte Mata hinzu - und nannte die Summen, die Fußballer verdienen, im Vergleich zu "99,9 Prozent der Gehälter in Spanien und der Welt" das, was sie sind: "ein Irrwitz".

Die Äußerungen weckten nicht nur, aber auch das Interesse von Jürgen Griesbeck, dem Chef einer überaus bemerkenswerten, international operierenden Nichtregierungsorganisation namens "Street Football World" mit Sitz in Berlin. Griesbeck und Mata trafen sich, waren sich sympathisch - und haben seit Freitag ein gemeinsames Baby. "Common Goal" nennt es sich, zu Deutsch: gemeinsames Ziel oder gemeinsames Tor, je nachdem.

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Mata, 29, tritt ein Prozent seines Gehalts ab, Medienberichten zufolge beläuft es sich auf umgerechnet 8,6 Millionen Euro jährlich. Ein Prozent - das erinnert an das Entwicklungshilfe-Ziel, das die Vereinten Nationen zu Beginn der 70er Jahre formulierte. Es besagte, dass die großen und reichen Nationen 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens in Entwicklungshilfe investieren sollen. Deutschland schaffte diese Marke erst im Jahr 2016, das heißt: mit 44-jähriger Verspätung, und auch nur unter Einrechnung der Ausgaben für die Integration von Flüchtlingen.

Das Geld, das Mata spendet, fließt jedenfalls auch in eine Art von Entwicklungshilfe, in Programme in aller Welt, die den Fußball als Vehikel vor allem für gesellschaftliche Integrationsprozesse oder Konfliktbewältigung nutzen, in Gegenden, die zum Beispiel von Gewalt, Rassismus, Sexismus, Drogen zerfressen sind. "Street Football World", das mittlerweile ein Netzwerk von 120 "Fußball"-Wohltätigkeitsorganisationen umfasst, hat sich auf diesem Feld seit nun schon mehr als 20 Jahren einen Namen gemacht.

Die Idee eines "Sozialfonds" der Fußballindustrie verfolgt Griesbeck schon länger; nun hat er mit Mata einen Alliierten gefunden, der aus dem System heraus für das gleiche Ziel kämpft. Mata rief seine Berufskollegen und andere Akteure der Fußballindustrie dazu auf, der Initiative beizutreten. Andere Akteure meint: beispielsweise Sportartikelfirmen, Medienunternehmen, Funktionäre oder Verbände, die den Löwenanteil der Profite einstreichen, die der Fußball generiert. In Matas Heimat Spanien etwa, wo Vereine wie Real Madrid oder der FC Barcelona und damit auch die Größtverdiener wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi - angesiedelt sind, landeten gemäß einer Aufstellung der obersten Sportbehörde CSD im Jahr 2014 nur 16 Prozent bei den Profis der ersten und zweiten Liga. Nach Angaben von "Street Football World" setzt die Fußballindustrie jährlich etwa 25 Milliarden Euro um - konservativ geschätzt. Es sind Summen, die beileibe nicht nur die Taschen der Fußballer füllen.

Andererseits sind die Fußballer natürlich der sichtbarste Teil der Industrie. Deshalb ist Matas erstes Ziel, eine "Startelf" aus Fußballern zu bauen, die ebenfalls ein Prozent ihrer Einnahmen in den Sozialfond einzahlen, der bei der "King Baudouin Foundation" in Brüssel angesiedelt ist. Bei den Beträgen werde man den Spendern vertrauen, sprich: keine Einkommensnachweise fordern, sagen die Verantwortlichen des Projekts, das bewusst kollektiv angelegt sei.

"Common Goal geht über individuelle Marken und Ego hinaus, um eine größere Wirkung zu erzielen", sagt Mata laut Pressemitteilung. Er selbst habe mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Stiftung zu gründen. Nun hat er davon abgesehen, ganz im Sinne "einer der ersten Lektionen", die man im Fußball lerne und die besage, dass ein Sieg nur über Teamarbeit führe. "Auf dem Rasen leben wir nach diesem Mantra. Aber im gesellschaftlichen Bereich wird das selten ausgespielt", sagt Mata.

Und so wird nun tatsächlich spannend sein, zu beobachten, wie sehr sich die Profifußballer und die mit ihnen assoziierten Firmen auf das Projekt einlassen. Und ob ihnen mehr Erfolg beschieden ist als Barcelonas Lionel Messi. Bei seiner Hochzeit in seiner Geburtsstadt Rosario, sie ist nur wenige Wochen her, lud er die 260 Gäste dazu ein, für Nichtregierungsorganisationen zu spenden. Nach argentinischen Presseberichten kamen dabei weniger als 20 000 Euro zusammen. Das ist einerseits für ein Land wie Argentinien viel Geld, gemessen an den Gehältern und dem Gebaren der Hochzeitsgäste - zahlreiche Spieler des FC Barcelona - aber wiederum nicht so viel.

Nach Angaben der argentinischen Zeitung Clarín soll allein Gerard Piqué in einem Casino, das eigens für die Hochzeitsgäste eingerichtet wurde, umgerechnet 12.000 Euro ausgegeben haben. Und die brasilianischen Nationalspieler Dani Alves und Neymar Jr., die nun bei Paris St. Germain spielen, sollen im Morgengrauen nach der Hochzeitsparty von Rosario, Argentinien nach Brasilien gejettet sein, zu einer Afterhour-Party. Im eigens angemieteten Privatjet.

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