Bei den Einschaltquoten und Zuschauerzahlen überragen die deutschen Fußballerinnen zum WM-Auftakt im Vergleich beinahe die Männer-Elf. Die vorherrschende Euphorie ist erfreulich und berechtigt - daraus direkt positive Langzeiteffekte für den Frauenfußball zu errechnen, wäre jedoch zu weit gegriffen.
Theo Zwanziger, 66, war früher Verwaltungsrichter in Koblenz. Kurz bevor die WM der Fußballfrauen angepfiffen wurde, sah er sich genötigt, eine Warnung auszusprechen. Er tat dies in der Sprache, die er gelernt hat, in der Sprache der Juristen. Er sagte also nicht, seine Landsleute mögen jetzt doch bitte auf dem Teppich bleiben, warnte nicht vor schwarz-rot-goldenem Ausflippen, nein, Zwanziger sagte einen Satz wie aus dem Seminar: "Wir dürfen hier nicht in eine sachwidrige Euphorie ausbrechen, sondern müssen die Dinge nüchtern betrachten!" Zwanziger stieg auf die, genau: Euphoriebremse (Originalton Männerfußball). Sie wird immer wieder gerne getreten, diese Bremse.
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Interessiert keinen? Von wegen! Die deutschen Fußballfrauen hatten bei ihrem Auftaktspiel gegen Kanada zeitweise mehr als 18 Millionen TV-Zuschauer. (© Getty Images)
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Alles Taktik, die gute alte Schule. Denn natürlich hatte Zwanziger, der in seiner Amtszeit als DFB-Präsident onkelhaft über seine Fußballfrauen wacht, Druck ventilieren, Erwartungen dämpfen wollen. Er hat die Frauen-Nationalelf vor dem Duell mit der Männer-Nationalelf schützen wollen, vor dem direkten Vergleich in öffentlicher Wahrnehmung.
Und dann diese Zahlen: 18 Millionen Zuschauer in der Spitze, trotz Sommersonnenwetters bundesweit, 15,37 im Schnitt, 60,1 Prozent Marktanteil für die ARD beim Auftaktsieg gegen Kanada. Rekorde, Rekorde, damit sind die Frauen sogar den 2010er WM-Quoten der Löw-Jungs nicht mehr fern. Und der letzte Wetten-dass-Gottschalk aus Mallorca (12,43 im Schnitt, 43 Prozent Marktanteil) wurde locker überholt.
Momentaufnahme? Reiz des Neuen? Gewiss. In jedem Fall verbirgt sich ein interessanter Neugier-Faktor in diesen Zahlen, ein Fall für Soziologen. Denn beim Testlauf zur aktuellen Frauen-WM, der Männer-WM 2006 in Deutschland, war der Anteil der Frauen bei Fußball-Übertragungen erstmals höher gewesen als derjenige der Männer.
Als entscheidende Größe galt damals das Public Viewing, galten die millionenfach besuchten Party-Fanmeilen, auf denen jeder - sachwidrig flirtend- in Euphorie ausbrechen konnte. Am Sonntagabend war es statistisch umgekehrt: Weit mehr Männer (8,20 Millionen) als Frauen (6,39) sahen dem Frauenfußball zu.
Sachwidrig wäre es auch, aus dem Zahlenwerk auf irgendwelche Langzeiteffekte zu schließen. Man kann nun nur nicht mehr behaupten, dass sich niemand für Frauenfußball interessiert, oder dass das Turnier am Publikum vorbei organisiert wurde. Darüber staunt nicht allein Linda Bresonik, die Abwehrspielerin: "Ich dachte, wenn schon 75.000 im Stadion sind, wie können dann noch 18 Millionen vor dem Fernseher hocken!?" Ist Fußball, Linda. Wie sagte einst in einer knallhart diskutierten Sachfrage des Männerfußballs der berühmte Rummenigge: Hat alles nichts mit Mathematik zu tun.
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(SZ vom 28.06.2011/jbe)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Das in dem Bericht beschriebene Phänomen ist sicher kein Fall für den Soziologen, sondern eher für einen Medienwissenschaftler. Die ganze Euphorie wurde durch gezielte Werbung und ständige Berichterstattungen in allen möglichen Medien ausgelöst. Der Mensch ist halt sehr leicht beeinflussbar.
Der "naive" Herr Höltzenbein tut ganz so, als wisse er davon nichts. Dabei ist er selbst Teil der Medienmaschinerie, die den Hype ausgelöst hat.
Da sieht man mal wieder, welche Macht die Medien besitzen. Sie steuern das Interesse, die Meinung und die Stimmung der Leute - und das nicht nur, wenn es um die Fussball-WM der Frauen geht...
Klar gucken mehrere Millionen Blödköppe Frauen WM: a) die Kerle, weil sie hoffen, dass sie - im Gegensatz zu dem Gerät neben ihnen auf dem Sofa - mal ein ansehliches Stück Fleisch zu sehen bekommen (wobei es ihnen, jaja, um Taktik geht), b) die Frauen, weil sie ja endlich aus dem Schatten der Männer wollen (wenn's schon im Beruf nix wird, wenigstens aufm Platz), c) die ganze Familie, weil das Wetter schlecht war und Anti-AKW-Demos grad nicht der Renner sind, d) alle anderen, weil es "irgendwie schick ist und man diese bescheuerte Fahne aufs Auto stecken kann."
Der halbwegs gebildete Mensch macht was anständiges und geht dem ganzen National-Chauvinismus aus dem Weg. "Deutschland stoppen 2011"
das ist übrigens bei manchen Zuschauerinnen der "richtigen" WM nicht viel anders...
Vorab: ich habe weder Frauenfußball noch Gottschalk geschaut, das wird auch so bleiben, weil Gottschalk zum Glück endlich aufgehört hat und weil Frauen, ehrlich gesagt ähnlich interessant Fußball spielen wie sie eben auch im Tennis ihre Frau stehen.
Also zurück zur Überschrift:
der erwachsene Sohn einer Bekannten hat Sonntag auch beide Frauen WM Spiele geschaut, nicht etwa aus Sportbegeisterung, er spielt lieber "World of Warcraft", sondern weil man da Frauen sehen konnte. Er hat die Spielerinnen unter einem einzigen Gesichtspunkt betrachtet: mit welcher wüprde gern in die Kiste steigen, gibt es unter denen einen Typ der von meinem Einheitsbeuteschema abweicht, mich aber trotzdem reizen könnte.
Ich denke das ist kein Einzelfall, macht Euch nichts vor Leute, Frauenfußball interessiert die Massen immer noch nicht.