Franck Ribéry vor dem Deutschland-Spiel Vom Problemspieler zum Hoffnungsträger

Vor Kurzem noch galt Franck Ribéry als untragbar für die französische Nationalmannschaft, das Verhältnis des Bayern-Profis zu seiner Heimat war schwer belastet. Inzwischen sind die Sympathien der Franzosen wieder auf seiner Seite.

Von Thomas Hummel, Paris

Die französische Sportzeitung L'Équipe zeigte Dienstag auf seiner Titelseite Franck Ribéry. Er trug eine schwarze Jacke mit Kragen sowie eine schwarze Mütze, die er knapp über die Augen gezogen hatte. Zwischen all dem Schwarz lugte ein freundliches Gesicht heraus, Franck Ribéry sieht sympathisch aus auf dem Bild. Und das ist ja schon mal eine Nachricht für die Franzosen: Franck Ribéry, der Sympathische.

Vor dem Länderspiel am Mittwochabend in Paris gegen Deutschland empfangen die Franzosen den 29 Jahre alten Emigranten freundlich. Und Ribéry erwidert die Freundlichkeit, manchmal klingt es fast nach Überschwang. Er spricht von seinem Traum, 100 Länderspiele für Frankreich machen zu dürfen (gegen Deutschland wird er sein 69. bestreiten). Er sagt: "Ich fühle mich wie zu Beginn meiner Karriere. Der Kontakt mit den Menschen ist positiv, ich erlebe Freude am Spiel mit dieser Mannschaft."

Franck Ribéry fühlt sich wohl in der Nationalelf, er will hier was bewegen. Und die Franzosen nennen ihn Hoffnungsträger. Wer hätte das vor Kurzem noch gedacht?

Die Worte sympathisch, Hoffnungsträger und Franck Ribéry passten in Frankreich lange zusammen wie Angela Merkel und gönnerhaft. Oder (die junge) Brigitte Bardot und hässlich. Beim FC Bayern München gefeiert und verehrt, galt er in Frankreich vielen als das Sinnbild des Unsympathischen, des Egoistischen, des Abgehobenen. Damit stand er stellvertretend für das Problem der Fußball-Nationalmannschaft, die sich in Südafrika blamierte. Und Ribéry verband Frankreich vor allem mit Schwierigkeiten.

Als er zuletzt mit dem FC Bayern in seiner nordfranzösischen Heimat Lille zum Champions-League-Spiel aufkreuzte, erinnerte er in einer Pressekonferenz daran, dass er als Jugendlicher viel Ärger hatte im örtlichen Fußballinternat. Sie hätten ihn rauswerfen wollen wegen einer Keilerei mit einem Mitschüler oder weil er zu klein gewesen sei. Die Direktorin habe eine Menge Lügen über ihn erzählt.

Nachdem er noch bei der WM 2006 zum Nachfolger von Zinédine Zidane verklärt worden war, folgte 2010 das Desaster von Knysna. Im Trainingslager der Équipe tricolore in Südafrika galt Ribéry als einer der Anstifter der Revolte gegen den damaligen Nationaltrainer Raymond Domenech, die Franzosen waren die Chaotentruppe der WM und Ribéry war einer der Verantwortlichen. So sah es die Öffentlichkeit. "Danach war es sehr, sehr schwierig. Ich weiß, dass ich die Menschen enttäuscht und Fehler begangen habe", sagte Ribéry nun in der L'Équipe. Er könne aber nicht akzeptieren, dass er sich deshalb in den Staub werfen solle. "Alle schlugen auf mich ein, es war schrecklich. Ich spürte Hass."