FC Liverpool Klopp ist bereit für den Image-Schub

  • Nach dem Pflichtsieg gegen Augsburg wartet auf Jürgen Klopp und den FC Liverpool ein echtes Finale.
  • Im League Cup steht das Spiel in Wembley gegen ManCity an.
  • Für den deutschen Trainer ist es die Chance, sein Image zu verbessern.
Von Jonas Beckenkamp, Liverpool

Wie es sich für einen Mann von Welt gehört, kennt Jürgen Klopp das englische Wort für Taschentuch. Ein "tissue" hatte der Trainer des FC Liverpool dringend nötig, denn in grimmig kalten Nächten läuft eben selbst Männern von Welt dezent die Nase. Nachdem er sich den Papierfetzen von einem Stadionbediensteten der Anfield Road besorgt hatte, machte Klopp es sich auf dem Podium der Pressekonferenz bequem. Ihm war anzusehen: Die Organisation eines Taschentuchs war für ihn im Grunde die einzige wirkliche Schwierigkeit an diesem Abend.

Dass seine Mannschaft beim 1:0 gegen den FC Augsburg erneut ziemlichen Rumpelfußball gezeigt hatte, schien ihm schnuppe zu sein. Hauptsache eine Runde weiter, Hauptsache "keine weiteren Verletzungen, das freut mich sehr", sagte Klopp in weltmännischem Englisch. Auch der FC Liverpool ist ja von einer mysteriösen Serie von Muskelverletzungen geplagt - Wehwehchen, die auch beim FC Bayern die Nerven strapazieren. Mitten in der Saison kämpft Klopp noch damit, seiner Mannschaft eine Identität zu verpassen. Gegen Augsburg offenbarte sich, dass zumindest das von ihm ersehnte Dauerpressing mittlerweile besser funktioniert als zu Beginn seiner Amtszeit.

Quirliges Liverpooler Offensivtrio

"Es war ein gutes Spiel heute, wir haben verdient gewonnen", erklärte der Coach, "wir haben uns viele Chancen erarbeitet. Das einzige was fehlte, waren mehr Tore." Verantwortlich für den großzügigen Umgang mit den Möglichkeiten war das Offensivtrio Daniel Sturridge, Coutinho und Roberto Firmino. Die drei beschäftigten zwar mit zahlreichen Dribbelversuchen immer wieder die Augsburger Defensive, doch sie verschluderten eben auch vieles. "Sie sind Jungs, die vom Selbstvertrauen leben. So ist eben ihr Spiel. Sie haben es ordentlich gemacht", fand Klopp, der zugleich daran erinnerte, was bei diesen delikaten Geschöpfen das Wichtigste ist: körperliche Unversehrtheit. "Sie brauchen Vertrauen in ihren Körper. Und wir brauchen sie in bester Verfassung."

Sturridge scheint nach seiner Verletzungspause endlich wieder wertvoll zu werden, seine brasilianischen Angriffskollegen sind es mit ihrer Finesse ohnehin - und selbst Elfmeter können die Engländer ja inzwischen, wie James Milner bei seinem Treffer in der fünften Minute bewies. Trotzdem ist Klopp aber nicht entgangen, was gegen Ende der Partie passierte: Es war die Phase, als Augsburg sich daran erinnerte, dass schon ein Tor an der Anfield Road alles auf den Kopf hätte stellen können. Es war der Moment, über den der Trainer der "Reds" hinterher erleichtert sagte: "Unser einziges Problem heute war, dass wir in den letzten 20 Minuten die Kontrolle verloren haben."

"Es hätte heute auch anders ausgehen können"

Dass Liverpool bei weitem noch kein Spitzenteam ist, zeigt schon die Tatsache, dass eine Augsburger Notelf am Ende arge Unruhe stiftete im Abwehrverbund der Briten. "Sie hatten auch ihre Chancen und haben viel riskiert zum Schluss", erkannte Klopp angesichts der Chancen von Alexander Esswein, Jan Moravek oder Konstantinos Stafylidis, "es hätte heute auch anders ausgehen können." Trotzdem wollte er sich den Einzug ins Achtelfinale der Europa League nicht madig machen lassen. Sein Wirken in Liverpool betrachtet er inzwischen in kleinen Etappen, denn für das große Ding fehlen ihm schlicht Spieler, die seine Idee eines technisch ausgereiften Überfallfußballs umsetzen können.

Immerhin, ein mittelgroßes Ding könnte sich seine Mannschaft schon am Sonntag erkämpfen: Da steht in Wembley das Finale des League Cups gegen ManCity an. National ist dieser Wettbewerb nach Meisterschaft und FA Cup zwar nur die drittwichtigste Trophäe, aber für Klopp würde sein erster Titel in England natürlich einen gewaltigen Image-Schub bedeuten. Wahr ist nämlich auch: Ein Mann von Welt ohne richtigen Pokalgewinn - das ist am Mersey River eigentlich kaum vorstellbar.

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