FC Bayern Kovac zwinkert die Sorgen weg

In München angekommen: Bayern-Trainer Niko Kovac.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Niko Kovac tritt seinen Job beim FC Bayern mit der Botschaft an, dass ein früher WM-Knockout für die Klubarbeit kein Nachteil sein muss.
  • Spieler wie Robert Lewandowski und Jérôme Boateng seien empfänglich für neue Ziele.
Von Benedikt Warmbrunn

Niko Kovac verabschiedet sich mit einem Augenzwinkern. Er federt die Stufen vom Podium hinunter, läuft beschwingt zum Ausgang, das Sakko flattert ihm hinterher, dann kneift Kovac das rechte Auge zusammen, er schaut dabei nicht ganz so zufällig in die Richtung der Fotografen. Kaum hat er beide Augen wieder geöffnet, hat er den Raum verlassen.

Der FC Bayern hat am Montagvormittag einen neuen Trainer präsentiert, in den vergangenen Jahren war das stets ein weltweites Spektakel, zumindest hat es der FC Bayern zur Sicherheit als ein solches inszeniert. Als 2013 der weltmännische Katalane Pep Guardiola kam, servierte der Verein bayerische Tapas. Als 2016 der italienische Genussmensch Carlo Ancelotti kam, servierte der Klub ein Video, mit Grüßen von Zlatan Ibrahimovic, David Beckham, Cristiano Ronaldo. Als im Herbst 2017 Jupp Heynckes zurückkam, servierte die Vereinsführung sogar ein Rührstück, die öffentliche Versöhnung von Präsident Uli Hoeneß und Klubboss Karl-Heinz Rummenigge.

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Am Montagvormittag gibt es Weißwürste und Brezn, um die ein Sprüchlein hängt, auf dem steht: "Back mas". Außerdem serviert der Klub einen Gruß auf der Leinwand, allerdings kein Video, sondern ein Standbild, "Herzlich Willkommen Niko Kovač". Der FC Bayern hat Kovac, der von 2001 bis 2003 für den Verein spielte, wieder in den eigenen Reihen aufgenommen. Zurückgekehrt ist der Klub aber auch zu einem gesunden Pragmatismus.

Wenn da jetzt eben nicht am Ende dieses Augenzwinkern gewesen wäre.

Kovac, 46, hat sich als ein smarter, geschmeidiger, freundlicher Redner präsentiert, den versammelten Journalisten ruft er zunächst zu: "Allen ein herzliches Willkommen und einen schönen Vormittag!" Er streift dann viele Themen, er spricht über den Kader, ein bisschen über seine taktischen Vorstellungen, er spricht sehr viel über seine Vorstellungen von Arbeitsmoral. Aber wie er wirklich denkt und was er wirklich vorhat, das hat Kovac noch nicht verraten. Zwinker, zwinker.

WM-Fahrer bekommen frei

Mit einer unverbindlichen verbalen Eleganz streift Kovac zum Beispiel das Thema, das er ganz kurzfristig in sein Aufgabenprofil hineingeschrieben bekommen hat: den Umgang mit all den Nationalspielern, die schon im Urlaub sind, obwohl auch beim FC Bayern alle davon ausgegangen sind, dass sie zum Zeitpunkt von Kovac' Antritt noch bei der WM in Russland mitspielen. Er habe, teilt er mit, allen bereits Ausgeschiedenen - also den sieben Deutschen, dem Spanier Thiago sowie dem Polen Robert Lewandowski - bis zum 25. Juli frei gegeben; sie werden also nicht an der Werbetour durch die USA teilnehmen, auch das übrigens ein Zeichen des zurückgekehrten Pragmatismus. In den vergangenen Jahren musste sich die sportliche Vorbereitung häufiger den Interessen der Weltmarke unterordnen. Aber dass es ein Problem werden könnte, dass beinahe der halbe Kader nun vorzeitig in Russland ausgeschieden ist (im Turnier vertreten sind noch James und Corentin Tolisso), das sieht Kovac nicht so.

Kovac' Stationen

Niko Kovac wurde als Sohn kroatischer Eltern im Oktober 1971 in West-Berlin geboren. Als Bundesliga-Profi war er unter anderem bei Hertha BSC (1991-1996 sowie 2003-2006), in Leverkusen (96-99), beim Hamburger SV (99-01) und beim FC Bayern München (01-03) aktiv. Er lief 83 Mal für das kroatische Nationalteam auf. Nach drei Jahren in Salzburg beendete er 2009 seine Laufbahn als Spieler. Zwischen Oktober 2013 und September 2015 war er Trainer der kroatischen Nationalmannschaft. Ab März 2016 war er Coach des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, mit dem er im Mai 2018 den DFB-Pokal gewann - mit 3:1 gegen den FC Bayern München, dessen Cheftrainer er seit dem 1. Juli ist.

Es sei zwar "ärgerlich", dass die deutschen Nationalspieler so früh ausgeschieden seien, sagt der frühere kroatische Nationaltrainer. Als Bayern-Trainer sei er aber auch "ein bisschen glücklich". Kovac glaubt, dass das frühe Aus den Ehrgeiz der Spieler erhöhen werde; nach einem erneuten deutschen Titelgewinn wäre es schwieriger gewesen, all die Weltmeister für neu zu motivieren. "Im Urlaub werden sie das vergessen", sagt Kovac, "und ich bin überzeugt, dass sie am ersten Trainingstag genauso motiviert sind, wie ich das erwarte." In diesem Moment zwinkert er nicht.