FC Bayern gegen Real Madrid Eigene Fehler sind Marcelo wurscht

Eigene Fehler sind ihm wurscht: Marcelo von Real Madrid.

(Foto: REUTERS)
  • Joshua Kimmich und Marcelo - zwei Verteidiger prägen das Champions-League-Duell zwischen Bayern und Madrid, das 1:2 endet.
  • Kimmich legt mit seinem Führungstreffer dreist und geschickt vor - doch Marcelo kontert sehenswert.
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Aus dem Stadion von Christof Kneer

Die Logik eines Fußballspiels bringt es mit sich, dass Verteidiger meistens Respekt vor Stürmern haben, selten vor anderen Verteidigern. Vor anderen Verteidigern haben Verteidiger zwar auch Respekt, aber mehr so grundsätzlich, vor Stürmern dagegen sehr direkt. Stürmer können Verteidigern ein Spiel zur Hölle machen, und klar, wenn man als Verteidiger zum Beispiel gegen Real Madrid anzutreten, dann denkt man vor dem Spiel bestimmt ein bisschen an diesen unzerstörbaren Ronaldo mit seinem Eisenkörper. Wer gegen Real allerdings als Rechtsverteidiger spielen muss, der hat ausnahmsweise eher Angst vor einem Abwehrkollegen: Gegen Real begegnet man als Rechtsverteidiger ja immer diesem rasenden Marcelo, der die Flanke rauf und runter stürmt und sich überhaupt nicht darum kümmert, dass er offiziell als Verteidiger geführt wird.

Marcelo ist alles, und seine traditionellen defensiven Schwächen sind ihm ebenfalls aufs Sympathischste wurscht. Er stürmt einfach dauernd. Sollen sie seine Schwächen doch suchen, die Gegner, aber erst mal müssen sie ihn stoppen.

Kimmich ist das Gegenteil von Marcelo

Wenn Marcelo, 29, irgendwo mitspielt, dann kann es passieren, dass die Seiten eines Spiels ins Zentrum rücken. Auf diese spezielle, verrückte Art kann sich der wilde Brasilianer auch ein Champions-League-Halbfinale untertan machen, und dank Marcelo hat es am Mittwochabend dann eben auch der bayerische Rechtsverteidiger Joshua Kimmich in den Mittelpunkt des Spiels geschafft. Kimmich ist das Gegenteil von Marcelo, und doch ist er ihm ähnlich. Er ist anders als sein Gegenüber sehr kontrolliert und kein bisschen wild, aber wie Marcelo ist er bauartbedingt eigentlich kein Verteidiger, sondern ein Spieler, den es dauernd nach vorne ziehen würde, wenn ihn Trainer Jupp Heynckes nicht ständig zur Vorsicht mahnen würde.

"5:2? Ich würde sagen 7:2"

Der FC Bayern stellt sich nach dem 1:2 gegen Real Madrid zwei Fragen: Wie geht es Arjen Robben und Jérôme Boateng? Und warum, warum nur haben wir das Tor nicht häufiger getroffen? Aus dem Stadion von Christopher Gerards mehr ...

Als es in der Halbzeit dieses Halbfinales 1:1 stand, stand es auch 1:1 zwischen diesen beiden sogenannten Verteidigern. Nach 28 Minuten hatte Marcelo den ersten echten Fehler dieses intensiven Spiels begangen, nach einem Sturmlauf selbstverständlich, den er nach abgeschlossener Aktion halt so austrudeln ließ. Mit zurück laufen? Ach, geh. Die Münchner schalteten nach Sven Ulreichs flottem Abwurf zügig um und stachen genau in die marcelo-freie offene linke Flanke der spanische Gäste, und es war dann kein anderer als der Rechtsverteidiger Kimmich, der den freien Raum zum Tor bringenden Sprint nutzte, an dem ihn Trainer Heynckes übrigens nicht hinderte.

Aber auch das zählt ja zu Marcelos Qualitäten: dass er überhaupt nicht einsieht, warum ihn so ein Fehler kränken sollte. Eine gute Viertelstunde stand der angebliche Linksverteidiger Marcelo da, wo man laut Linksverteidiger-Lehrbuch nicht zwingend zu stehen hat: vor dem Strafraum des FC Bayern, von wo er den Ball trocken zum Ausgleich ins Netz schoss. Joshua Kimmich?

Stand ein paar Meter daneben und konnte nicht mehr eingreifen.

In der zweiten Halbzeit war Kimmich gut ausgelastet

Nach Reals 2:1-Führung wurde das Duell der beiden Außenverteidiger klassischer, beide begegneten sich nun seltener, weil Marcelo gegen die anrennenden Bayern nun tatsächlich mit verteidigte - und Kimmich war gut ausgelastet mit der doppelten Aufgabe, einerseits die bayerischen Angriffe mit anzuschieben und andererseits noch den eingewechselten Flügelmann Asensio im Auge zu behalten.

In gut einer Woche, beim Rückspiel, werden sich die beiden wiedersehen. Und wer weiß, vielleicht auch in ein paar Wochen Mitte Juli in Russland, beim Weltmeisterschafts-Halbfinale Deutschland gegen Brasilien.


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