FC Bayern Bei Mats Hummels rebelliert der Körper

Immer wieder aufstehen: Mats Hummels hat sich für den FC Bayern zerrissen. Es brachte nichts in der Champions League.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Bayern-Verteidiger Mats Hummels berichtet, wie er die letzten Wochen mit seinen Verletzungen überstanden hat.
  • Es wird klar, dass er seinem Körper viel zugemutet hat.
  • Die Saison könnte für ihn vorbei sein.
Von Jonas Beckenkamp

Vor über zwei Wochen durfte die Welt erfahren, was Mats Hummels für ein Eisentyp ist. Er spielte in Madrid das Rückspiel im Champions-League-Halbfinale über 120 Minuten - aber im Grunde spielte er beim 2:4 nach Verlängerung nur mit einem Fuß. Der Bayern-Verteidiger hatte nach einer Sprunggelenks-Verletzung das erlebt, was im Fußballjargon gerne als "Blitzheilung" durchgeht. Darunter fällt auch, wenn ein Fußballer halt gerade so, irgendwie, wennesdennseinmuss, laufen kann.

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Hummels ackerte sich sichtlich geschwächt durch die Partie, am Ende war er völlig k.o. und seine Bayern draußen aus dem Wettbewerb. Und weil ein Menschenkörper eben kein Maschinenkonstrukt ist, melden sich jetzt Hummels' Gelenke mit den Spätfolgen. Es knarzt beim Nationalspieler, schließlich hatte er sich auch nach seinen Heldentaten im Bernabéu-Stadion keine Pause gegönnt. Hummels spielte beim 2:2 gegen Mainz, er spielte (und traf sogar) beim 2:3 im Pokal gegen den BVB und er spielte beim 6:0 in Wolfsburg.

Jetzt aber scheint es so, als könnte die Saison für den 28-Jährigen beendet sein - bei drei noch ausstehenden Partien in der Liga überlegt Hummels, ob er nicht doch lieber seine Wunden heilen lassen sollte. "Der Körper ist tatsächlich ein bisschen geschunden, das muss ich schon sagen", sagte er im FCB-Vereinsfernsehen. "Dem Fuß geht es ganz gut, der verhält sich super. Aber ich habe ein paar Schläge auf die Hüfte bekommen und dort ein Problem, ich bin muskulär etwas angeschlagen."

So ist das manchmal in der Knochenmühle Fußball: Wenn ein Schlag kommt, hält man ihn aus, solange die Aufgabe groß genug ist. Aber wenn dann das eintrifft, was branchenweit als "Spannungsabfall" beschrieben wird, dann rebelliert der Körper: Ich hätte hier auch noch ein paar Reparaturen nötig! Er wolle erst mal die "Wehwehchen auskurieren, ich muss jetzt nicht mehr angeschlagen in Spiele gehen und etwas riskieren", sagte Hummels weiter. Er wiederholte damit, dass er mit seinen Durchbeißer-Auftritten ganz schön weit gegangen war, dass er sich vieles zugemutet hatte, um dem Team zu helfen.

Ehrenhaft ist das allemal - die Frage ist, ob der Körper nicht langfristig unter den Verschleißerscheinungen leidet. Zum Glück ist die Saison für die Münchner quasi gelaufen, Hummels müsste allenfalls noch auf der Meisterfeier am 20.5. ein paar Weißbiere weggrätschen, aber das geht zur Not auch humpelnd. Er wisse noch nicht, "wann ich wieder ins normale Training einsteigen kann und werde", hätte aber "schon Lust", bei den Spielen in Leipzig (13.5.) und gegen Freiburg (20.5.) "noch mitzumachen". Lust ja, Kraft? Vielleicht.

Immerhin konnte der Innenverteidiger schon einmal ein positives Fazit für seine erste Bayern-Saison nach seinem Wechsel aus Dortmund ziehen. Es sei ein "sehr gutes Jahr" gewesen: "Ich bin hoch zufrieden mit dem, wie es für mich gelaufen ist. Ich habe unheimlich viel gespielt und auch wirklich konstant gute Leistungen gebracht", fand der Weltmeister. Und auch das gehört ja zu ihm: Eine gesunde Selbsteinschätzung, denn in der Tat war Hummels diese Saison neben Philipp Lahm der beste Abwehrspieler beim Meister. Wenn er spielte, dann meistens sehr gut - daran ändern auch die drei Ronaldo-Tore gegen den einbeinigen Hummels in Madrid nichts.

Dass der FC Bayern in der Champions League und im DFB-Pokal frühzeitig scheiterte, sei "etwas schade", umso größer aber nun der Antrieb, es "nächstes Jahr etwas weiter zu schaffen. Es war ein gutes Jahr, mit noch etwas Luft nach oben", erklärte Hummels. Gegen Darmstadt pausiert er an diesem Samstag. Auch eiserne Kerle müssen eben mal ruhen.

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