FC-Bayern-Aufsichtsrat im Fall Hoeneß Lavieren bis zum Schluss

Erst Zauderer, jetzt neuer Chef im Aufsichtstrat: Herbert Hainer

(Foto: dpa)

Verschanzt hinter einem Rechtsgutachten: Der Bayern-Aufsichtsrat um den neuen Chef Herbert Hainer weicht einer Entscheidung über die Rolle von Uli Hoeneß beim FC Bayern bis zum Schluss aus. Es ist Hoeneß selbst, der diesem unwürdigen Schauspiel ein Ende setzt.

Von Thomas Fromm und Klaus Ott

Die Vorstandschefs von Adidas und Audi, von Telekom und Volkswagen sind eigentlich konflikterprobte Manager, die sich vor unbequemen Entscheidungen nicht drücken. Anders lassen sich solche Unternehmen nicht führen. Im Fall Hoeneß aber haben die mächtigen Wirtschaftsbosse bis zum Schluss laviert.

Die vier Konzerne sind Sponsoren von Bayern München; ihre Chefs Herbert Hainer (Adidas) und Rupert Stadler (Audi), Martin Winterkorn (VW) und Timotheus Höttges (Telekom) sitzen im Aufsichtsrat der Fußball-AG des Klubs. Bis zuletzt, bis zu seinem Gefängnisurteil, hat Uli Hoeneß das Kontrollgremium geleitet, mit Billigung der Konzernbosse. Obwohl längst feststand, dass der Bayern-Patriarch Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hatte.

Größe im Fallen

Es ist ehrenwert und respektabel, dass sich Uli Hoeneß seiner Haftstrafe umgehend stellt. Allerdings birgt der Verzicht auf Revision - sollte auch die Staatsanwaltschaft davon absehen - für ihn auch einen großen Vorteil. Ein Kommentar von Heribert Prantl mehr ...

Am Donnerstag, am Tag des Urteils, saßen Winterkorn und Stadler im alten Berliner Flughafen Tempelhof in einem umgebauten Hangar gerade mit Journalisten und Börsen-Analysten zusammen. Mehrmals wurden die beiden Auto-Manager gefragt, ob das Steuervergehen von Hoeneß mit den strengen Richtlinien von Volkswagen vereinbar sei, die saubere Geschäfte garantieren sollen (Audi gehört zum VW-Konzern). Immer wieder dieselbe Antwort: Man wolle erst das Urteil abwarten.

Kein Kommentar, finstere Mienen

Als das dann kurz nach 14 Uhr kam und auf den Handys der Medienleute als Eilmeldung eintraf, beendeten Winterkorn und Stadler ihre Konferenz und verschwanden durch den Hinterausgang. Kein Kommentar, finstere Mienen, große Eile. Als ob sie sich vor weiteren Fragen drücken wollten.

"Er ist mein Freund und wird es bleiben"

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Audi-Mann Stadler hatte wenige Tage zuvor sogar noch gesagt, der Fall Hoeneß bedürfe einer "letztinstanzlichen Entscheidung". Nach dieser Lesart hätte der Klub-Patriarch auch nach dem Gefängnisurteil noch etliche Monate Präsident des Vereins und Aufsichtsratschef der Fußball-AG bleiben können, bis zu einer Entscheidung in zweiter Instanz beim Bundesgerichtshof (BGH). Und das trotz Steuerhinterziehung in zweistelliger Millionenhöhe. Ein schwer vorstellbares Szenario. Am Ende war es Hoeneß selbst, der diesem unwürdigen Schauspiel ein Ende machte und entschied, seine Klubämter niederzulegen, auf den Gang zum BGH zu verzichten und die Gefängnisstrafe anzutreten. Auf diese Weise bewahrte der Bayern-Präsident die Konzernbosse davor, ihn zum Rücktritt drängen zu müssen.

Winterkorn & Co. haben sich monatelang hinter einem eigens eingeholten Rechtsgutachten verschanzt. Das besagt, im Aufsichtsrat der Fußball-AG des FC Bayern komme es auf die Interessen des Vereins an. Die Ethik-Richtlinien der beteiligten Konzerne spielten keine Rolle. So kann man das juristisch sehen.

Doch dann sind da zum Beispiel die sogenannten Integritäts-Checks, denen VW neue Geschäftspartner unterwirft. So will man sich vor falschen Partnern schützen, die dem Ruf des Autokonzerns schaden könnten. Und bei Audi ist "jeder Einzelne gefordert, sich verantwortungsvoll zu verhalten und rechtmäßig zu handeln". Das hatte die Konzernbosse indes über Monate nicht daran gehindert, jemanden an der Spitze des Bayern-Aufsichtsrats zu dulden, der den Fiskus in großen Stil hintergangen hatte. Ein Vorbild für die vielen Mitarbeiter von Volkswagen oder Telekom odern den anderen Konzernen konnte der Umgang mit der Causa Hoeneß da kaum noch sein.