Seit Monaten streiten Fans und Verbände über den Einsatz von Pyrotechnik in Fußballstadien. Lange Zeit brannten Ultra-Gruppierungen kaum Bengalos ab, um so deren Legalisierung nach einer Testphase zu ermöglichen. Doch jetzt kam es in Dortmund und Frankfurt zu schweren Zwischenfällen - das unkontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik nimmt wieder zu.
Die Bilder gleichen sich. In Kaiserslautern gerieten am Samstag Fans des SC Freiburg mit Ordnern und Polizei aneinander, weil sie massenhaft bengalische Feuer abbrannten. Am Dienstag zündelten Kölner Fans beim DFB-Pokalspiel in Hoffenheim, zeitgleich fackelten Dresdner Fans in Dortmund vor einem Millionenpublikum ihre "Bengalos" ab - drei Beispiele von dutzenden in jüngster Zeit. Die besonders in der Ultraszene beliebten Fackeln werden derzeit mit einer Verve abgebrannt, die geradezu blindwütig wirkt. Diese Häufung ist allerdings kein Zufall, denn weite Teile der Fanszene fühlen sich vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und von der Deutschen Fußball Liga (DFL) hintergangen.
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Feuer in Dortmund: Dresdner Fans hätten fast einen Spielabbruch provoziert. (© dpa)
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Beide Verbände hatten im Frühjahr mit 150 Ultra-Gruppierungen über ein kontrolliertes Abbrennen der Fackeln debattiert und dabei - so die Lesart der Fanvertreter und ihrer Rechtsbeistände - einen Kompromissvorschlag gefunden, auf den sich die Fans einließen. In einer Testphase verpflichteten sich die beteiligten Ultras, auf jedwedes Abbrennen zu verzichten.
Im Gegenzug würden die Verbände wohlwollend prüfen, ob nach einem Gelingen des Experiments ein kontrolliertes Abbrennen in eigens ausgewiesen Bereichen der Kurve gestattet werde.
Die Fans finden, dass sie ihren Teil der Abmachung eingehalten haben - tatsächlich gab es an den ersten Spieltagen der Saison fast keine Vorfälle. Dass die Verbände das Experiment dennoch aufkündigten, empört sie. "DFL und DFB haben uns nach Strich und Faden verarscht", sagt ein Ultra, dessen Gruppierung Teil der Initiative "Pyrotechnik legalisieren" ist, der aber - die Szene liebt es geheimnisvoll - ungenannt bleiben will.
Der DFB wehrte sich schon im September in einer Erklärung: "DFB und DFL weisen den Vorwurf entschieden zurück, die Faninitiative getäuscht und falsche Hoffnungen geweckt zu haben", heißt es. "Zu keinem Zeitpunkt" seien Zusagen gemacht worden, "die eine restriktionslose Legalisierung von Pyrotechnik in Stadien in Aussicht stellen". Die Verbandsvertreter räumen allerdings ein, dass es "um eine erste Prüfung, ob und unter welchen Umständen eine teilweise Freigabe in ausgewiesenen Zonen überhaupt denkbar wäre" dann doch gegangen sei.
Hinter vorgehaltener Hand sind sich Fan- und Verbandsvertreter in der Beurteilung der Lage dabei übrigens erstaunlich einig. Der langjährige DFB-Sicherheitschef Helmut Spahn, der an den Gesprächen teilnahm, sah im Dialog offenbar eine Chance.
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@Schindluder
"Fussball war nie ein Familienevent und ist auch nicht als solcher angelegt"
Aha, und das entscheiden Sie? Abgesehen davon ist das gequirlter Blödsinn. Ich war als Knirps mit meinen Geschwistern und Vater/Opa vor Jahrzehnten im Stadion und gehe auch heute mit meinen Kindern zu Jugendspielen, dem Stadtteilverein um die Ecke bis hin zur BuLi - und wir fühlen uns dort als Familie nicht einsam.
@kruzituerken
Das mit Pauli stimmt - Stimmung ohne Ende, ganz ohne verklärtes Ultra-Getue.
Weder der DFB noch die Fußballvereine können das Abbrennen von Pyrotechnik genehmigen. Das können nur die zuständigen Ämter oder Feuerwehr. Und die werden das Abbrennen auf Zuschauertribünen bestimmt nicht gestatten.
Daher ist die Diskussion seitens Fans/Vereine/DFB völlig überflüssig.
mein Beitrag vorher war etwas hektisch verfasst. Erstmal meine Zustimmung zu Ihrem Beitrag. Ich will Familie und selbstverständlich auch mein eigenes Geschlecht nicht vom Stadion ausschließen, möchte nur, dass man dann Fußballtypische Pöbeleien einfach akzeptiert. Von Bösartigkeiten oder gar Angriffen spreche ich da in keinster Weise. Ich selbst hab nicht das Bedürfnis mit in einem Ultra Fanblock zu organisieren oder Pyro zu nutzen, finde aber, dass dies bis zu einem gewissen Grad durchaus dazugehört und gerade in Sachen Pyro Regelungen getroffen werden sollten mit denen möglichst alle leben können. Auch wenn man damit die paar Prozent die tatsächlich nur auf Krawall ausgelegt sind, eh nicht erreicht.
Oh, Fußball ist doch Familienevent. Dies scheinen Sie nur vergessen, oder nie erlebt zu haben. Oder es war früher mal so, wobei früher keine zehn Jahr her ist. Bei uns an der Basis, im Stadt- und Dorfverein, sind Sonntags noch ganze Familien auf Achse. Die Eltern schauen ihrem Kind bei den Bambinis zu und feuern sie an. Die Freundinnen der Spieler tummeln und tratschen von der Jugendmannschaft bis zur ersten, während die Großeltern am Spielfeldrand bei Weck, Worscht und Woi die Spielstände der gefühlt letzten hundert Jahre herunterbeten. In modernen Stadion gibt es Familienblöcke und nicht selten zieht eine halbe Großfamilie gemeinsam im Van oder im Sonderzug am Wochenende ins Stadion, um ihre Mannschaft anzufeuern. Fußball als Abenteuerspielwiese für, auch trunkene und Wettkampf mit den "gegnerischen" Fans suchenden Halbstarken kommt wohl nur in deren Köpfen vor. Und ja, es gibt auch die Freundeskreise und gröhlende und trinkende Männerrunden, die mit Schmähgesängen zum Gegner hinüberrufen oder die eigene Mannschaft anfeuert (ich zum Beispiel), aber ich mag auch beim Auswärtsspiel in die Stadt und dort lokales Bier trinken, andere Leute sehen und ähnliches. Ich würde schon sagen, Fußball ist eine Familiensache, sowohl die eigene, als auch die "Fußball"-Familie.
Eine ernsthafte Diskussion wird - dank der Sportschau und deren Werbeagentur - ad absurdum geführt.
http://www.kopane.de/wp-content/2011/08/P1280859.jpg
Auf diesem Bild sehen wir Lukas Podolski, der sich vor einer Wand aus Bengalos augenscheinlich freut.
Es ist anscheinend völlig ok, Spiele, bei denen Pyrotechnik von "Chaoten" zum Einsatz kommt sofort als "Skandalspiele" zu bezeichnen oder es mit einer "Randale" gleichzusetzen.
Auch die Sportschau greift auf diese Wortwahl zurück.
Und eben diese Sportschau, wirbt vor der Saison mit bengalischen Fackeln im Hintergrund von - hier exemplarisch aufgeführt - Lukas Podolski.
Fazit: Pyrotechnik ist ja so böse. Aber wenn man damit werben kann ist Pyrotechnik natürlich völlig ok.
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