Europa League Augsburg-Fans räumen Sparkasse leer

Vorfreude: Augsburg vor dem Liverpool-Spiel

(Foto: imago/foto2press)
  • Vor dem Rückspiel in Liverpool gehen der Sparkasse Augsburg die englischen Pfund aus, 10 000 Fans haben sich um Karten an der Anfield Road beworben.
  • Die Augsburger zelebrieren ihren Außenseiter-Status und erinnern daran, dass der Verein vor zehn Jahren noch in der Regionalliga Süd gespielt hat.
  • Das Ergebnis ist für die meisten Anhänger zweitrangig.
Von Stefan Mayr

Ausnahmezustand? Das ist gnadenlos untertrieben. Um zu erahnen, was derzeit in Augsburg los ist, sei an dieser Stelle der Pressesprecher des Augsburger Amtsgerichts zitiert. Richter Michael Nißl mailt jede Woche den Medien eine Vorschau auf die wichtigsten Gerichtstermine. Sein Anschreiben vor dem ersten Spiel des FC Augsburg gegen den FC Liverpool formulierte er so: "In der Anlage finden Sie nicht die Aufstellungen für heute Abend, auch nicht den vollständigen Text für You'll never walk alone, wohl aber die knappe Vorschau für die kommende Woche."

Ja, in Augsburg ist das Europa League-Duell mit dem englischen Traditionsklub Thema auf der Straße, im Büro und wo man sich sonst noch so unterhalten kann. Zum Beispiel an der Wursttheke beim Tengelmann. Dort wurde man am Spieltag nicht mit dem üblichen "Wos derfs sei?" begrüßt. Sondern mit der Frage: "Und wer gwinnt hoit?"

Der rote Teppich wird ordentlich gestaubsaugt

Überhaupt, das Hinspiel. "Klopp is coming home" schrieb die Augsburger Allgemeine ganz oben auf ihre Titelseite. Mitsamt einem dreispaltigen Foto. Ein Staatsbesuch? Ja, der ehemalige Dortmunder Meistermacher und jetzige Liverpool-Coach Jürgen Klopp wurde wahrlich begrüßt wie ein Staatsgast: Das Hotel "Drei Mohren" rollte extra einen roten Teppich bis zur Straßenkante aus und saugte diesen bis kurz vor Ankunft des Mannschaftsbusses. Als Klopp in Anzug und Krawatte dem Fahrzeug entstieg, war der Trubel groß: Hunderte Neugierige, viel Security, viel Geschrei und viele Smartphones. Eine ansonsten nicht zu vorschneller Euphorie neigende Stadt huldigt dem hohen Besuch. Dabei ging es allerdings nicht - sorry, das muss jetzt auch mal gesagt werden - nur um Jürgen Klopp. Nein, das ganze Trallala wäre auch so gewesen, wenn der Trainer Berti Vogts geheißen hätte. Oder auch Lothar Matthäus.

Denn hier feiert sich eine Stadt mehr oder weniger indirekt auch selbst. Frei nach dem alten Motto: Wir sind wieder wer! Endlich wird die ehemalige Freie Reichsstadt, die einst zu den reichsten und mächtigsten Metropolen Europas gehörte, als München auf vielen Landkarten noch gar nicht eingezeichnet war, endlich wird diese Stadt international wieder wahrgenommen. Und das als allseits respektierte Größe. Früher fuhren die Fugger und Welser per Schiff um die Welt und scheffelten Geld. Jetzt jetten die Fußballer über den Kontinent und sammeln Sympathien ein.

Klopp reagiert gereizt

Sein FC Liverpool kann beim 0:0 in Augsburg kaum überzeugen. Dafür legt sich der deutsche Trainer nach dem Spiel mit dem Übersetzer an. Von Saskia Aleythe mehr ...

Amateurtrainer werden alleine auf dem Trainingsplatz stehen

Am Mittwoch flog das Team zum Rückspiel nach Liverpool ab. Am Donnerstag fliegen gleich zwei Fanflieger hinterher. Morgens hin, abends nach dem Spiel wieder zurück. 2400 Augsburger haben im Gästeblock Platz, an die 10 000 hatten sich für die Tickets beworben. Der FCA musste die Karten verlosen. Es werden aber viel mehr Schwaben in Liverpool sein. Viele haben Flüge und Hotels gebucht, bevor die Lotterie zu Ende war. Sie hoffen auf den Schwarzmarkt - oder haben sich bereits über englische Freunde und Internetseiten eingedeckt. Der Sportinformationsdienst schreibt von 3000 Reisenden. Es müssen aber mehr sein. Es sind jedenfalls so viele, dass die Sparkasse am Rathausplatz am Mittwoch keine englischen Pfund mehr hatte.

Der Stadtrat hat seine Sitzung extra verschoben, und alle Amateurtrainer der Stadt werden am Donnerstagabend alleine auf dem Trainingslatz stehen - wenn sie nicht von Haus zur Live-Übertragung vor dem Pay-TV geladen haben.