Dortmund gegen Schalke Rettet das Bauerntheater

Nächste Woche spielt Borussia Dortmund gegen Real Madrid und der FC Schalke 04 gegen den FC Arsenal London in der Champions League - und davor spielen die Bundesligisten halt noch gegeneinander. Die berüchtigte Derby-Rivalität wirkt diesmal eher wie Folklore. Ein wenig Hoffnung auf eine besondere Partie bleibt dennoch.

Von Freddie Röckenhaus

Gäbe es nicht ein paar brauchbar dramatische Vorab-Meldungen von der Polizei, man könnte fast meinen, es sei für den Samstag ein normales Bundesliga-Spiel angesetzt. So wenig Kontroverse war selten vor einem Ruhrpott-Derby, dass das Publikum vor der 141. Auflage der Partie zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 dankbar nach den Strohhalmen der Staatsgewalt greift, um nicht ganz auf die beliebte Folklore von der Super- Rivalität der beiden Traditionsklubs verzichten zu müssen.

Mancher Schalker stört sich an der "permanent emotionalen Körpersprache" des BVB-Trainers Jürgen Klopp. Das ist zumindest mal ein Vorwurf. 

(Foto: dapd)

Also der Reihe nach: Die Polizei will mit mindestens 1000 Beamten im Einsatz sein - das sind vier Mal so viele wie sonst. 500 Schalker Fans und 450 Dortmunder werden als potenzielle "Unruhestifter" eingestuft, mehreren Schalker Wiederholungstätern ist der Zugang zum Stadion und einer Art Bannmeile drum herum untersagt. Mit Video- und Personenkontrollen soll sichergestellt werden, dass die Rädelsführer beider Lager gar nicht erst aufeinandertreffen können. Wenn die Zahlenspiele der Polizei stimmen, darf man unter den gut 80 000 Zuschauern demnach mit maximal 1000 tendenziell gewaltbereiten Fans rechnen, denen die mentale Trennlinie zwischen wütend-augenzwinkerndem Verbal-Radikalismus und realer Schlägerei abhandenkommen könnte. Könnte!

Soweit die spärlichen Neuigkeiten von der Front. Die einzige wirkliche Pointe gelang vor diesem Derby bisher, als den Schalker Fans am Mittwoch ordnungsamtlich untersagt wurde, blau-weiße Flaggen oder Transparente mit ins Stadion zu bringen. Der Grund: Im vergangenen Jahr war in großer Zahl Pyrotechnik, in blau-weißes Tuch eingewickelt, ins Dortmunder Stadion geschmuggelt worden.

Ein Angebot der Ordnungskräfte an die Schalker Ultras, den Verzicht auf Brennelemente schriftlich zu garantieren und im Gegenzug die Fahnen doch mitbringen zu dürfen, wollten die Schalker lieber nicht abgeben. Das wäre angesichts eines sehr gemischten Ultra-Blocks ja so, als sollte der Vorsitzende der Taschendiebe-Innung eine Garantie für den gesamten Berufsstand leisten.

"Man sollte das Derby nicht klein reden", sagt Michael Zorc, Dortmunds Sportdirektor, der als Spieler 27 Ruhrpott- Derbys für Dortmund bestritt, "es bedeutet für die Leute unbeschreiblich viel, der Beste hier in dieser Gegend zu sein, die den Fußball eben tagtäglich lebt." Vor allem BVB-Spieler wie Großkreutz, Reus, Götze oder Schmelzer hätten den besonderen Stellenwert des "einzig wahren" deutschen Fußball-Derbys verinnerlicht. "Die Medien machen inzwischen aus jedem Nebensatz natürlich eine Kampfansage - das ist Unsinn. Aber wer erinnert sich nicht, als wir 2008 mit einem einzigen Sieg über Schalke unsere Fans für eine schlechte Saison versöhnt haben. Schalke wurde dadurch nicht Meister."

Zorc erinnert aber auch daran, dass in den achtziger und neunziger Jahren manches Derby ausfiel, weil Schalke damals häufig in der zweiten Liga spielte. "Einige Zeit lang musste immer der eine jeweils den anderen retten", sagt Zorc selbstironisch. "Dass beide so beinahe gleichauf in der Spitze mitmischen, wie jetzt gerade, ist nicht der Regelfall gewesen."