Dopingfall bei WM 1994 Maradonas flinker Kaffee

Diego Maradona in seinem letzten Spiel für Argentinien bei der WM 1994 gegen Nigeria. Er wurde im Anschluss positiv getestet.

(Foto: imago sportfotodienst)

Vor 20 Jahren endete Diego Maradonas Karriere in der argentinischen Nationalmannschaft. Bei der WM 1994 in den USA flog er aus dem Team, weil er positiv auf Doping getestet wurde. Nun erscheint zum Jubiläum ein Buch über die Affäre.

Von Peter Burghardt, São Paulo

Argentinier lieben Jahrestage, sie sind eine nationale Leidenschaft. Ständig ist da irgendein Jubiläum, das gerne mit einem Feiertag gewürdigt wird. Es gibt zum Beispiel zwei verschiedene Unabhängigkeitstage, die meisten Länder begnügen sich mit einem, es gibt den Fahnentag und den Malvinentag, letzterer in Gedenken an einen unsinnigen Krieg um Inseln, die von den Briten Falklands genannt werden.

Für die Niederlage nahm Diego Maradona Rache, als er den Ball im WM-Viertelfinale 1986 erst "mit der Hand Gottes" ins Tor beförderte und beim 2:0 dann halb England ausspielte. Das Ereignis jährte sich am 22. Juni zum 28. Mal. Und nun wird es an diesem Mittwoch 20 Jahre lang her sein, dass Maradona aus einer WM flog. Gedopt.

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Lionel Messi ist die einzige spielerische Waffe Argentiniens. Seine Laufwege machen das 4-3-3-System belanglos, von seinen Schüssen geht große Gefahr aus. Ohne Messi gleichen die Erben Maradonas tatsächlich "Gauchos" - Vieh-Hirten. Die Taktik der Argentinier in der Videokolumne.

(Video: Süddeutsche.de, Foto: Süddeutsche.de/afp)

Es gibt rechtzeitig zum zweiten Jahrzehnt der Affäre natürlich ein Buch darüber. Der Tatsachenkrimi heißt "El último Maradona" (Der letzte Maradona), die beiden Journalisten Andrés Burgo und Alejandro Wall erzählen darin einen der spannendsten Dopingfälle der Sportgeschichte.

Maradona war vor dem Turnier von Trainer Alfio Basile im Alter von 33 Jahren wieder aktiviert worden und half mit, nach katastrophaler Qualifikationsrunde die Entscheidungsspiele gegen Australien zu gewinnen. "Café veloz" habe es vorher gegeben, erläuterte er später, "flinken Kaffee".

"Wer?" - "Wer schon, Idiot."

Beim Turnier in den USA hatte der gealterte Genius und Freund der Nächte dann neben seinem Amigo Claudio Caniggia einen erstaunlich guten Einstand; er half auch am 25. Juni 1994 im Stadion von Boston mit, die Nigerianer 2:1 zu besiegen. Doch es wurde sein 91. und letztes Länderspiel. Denn danach kam die Dopingkontrolle, im Urin des Heroen fand sich unter anderem Ephedrin, Kokain war gerade nicht im Spiel.

"Er ist positiv getestet worden", berichtete Basile seinem Assistenten Panadero Díaz. - "Wer?" - "Wer schon, Idiot."

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Nach einem chaotischen Testverfahren samt Verwirrungen zwischen Fifa und Argentiniens Verband mit dem bis heute aktiven Präsidenten Julio Grondona wurde Maradona von der WM ausgeschlossen, blieb aber kurzerhand als fürstlich bezahlter TV-Kommentator. "Me cortaron las piernas", schluchzte er. "Sie haben mir die Beine abgeschnitten." Der Reporter Ezequiel Fernández Moores machte daraus für seine Kolumne in der Zeitung La Nación kürzlich den Titel: "Wir haben uns die Beine abgeschnitten."

Am 25. Juni 2014 spielt Argentinien jetzt wieder gegen Nigeria, in Porto Alegre. Maradona wird nur vielleicht auf der Tribüne sitzen. Er wurde nach dem 1:0-Erfolg gegen Iran vom Paten Grondona als Unglücksbringer veralbert, weil Messi erst traf, als Maradona schon gegangen war. Maradona bezeichnete Grondona daraufhin zurecht als Trottel und zeigte ihm den Mittelfinger.

Außerdem schimpfte er auf die Tester der Fifa, die kürzlich gleich sieben Costa Ricaner kontrollierten. Bei seinem Ende als WM-Spieler versank Argentinien damals in Trauer. Das Blatt Página 12 schrieb nur ein Wort über den Text: "Dolor." Schmerz. Wie beim Tod von General Juan Domingo Perón, der übrigens am 1. Juli vor 40 Jahren starb.

Finale: Deutschland Argentinien Fußball-WM 2014 Spielplan

Täglicher Spielplan zur Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien mit Gruppeneinteilung und allen WM-Spiel-Terminen.