Fußballklub baut in Arabien Real Madrid spielt oben ohne

Was man nicht alles für gute Geschäfte tut: Real Madrid verzichtet bei einem irren Investorenprojekt in Arabien auf das königliche Kreuz im Wappen. In Ras al-Chaima soll eine Luxus-Phantasiewelt namens "Real Madrid Resort Island" in Form des Vereinsemblems entstehen - leider ist das Einzugsgebiet dieses Themenparks islamisch geprägt.

Von Javier Cáceres, Madrid

Das Wappen von Real Madrid hat, wie Freunde der Fußballheraldik wissen, im Lauf der Geschichte so manche Wandlung erfahren, nicht immer aus Gründen der Kosmetik oder des Merchandising. Die Krone wurde ihm erst 1920 aufgesetzt, als König Alfonso XIII. meinte, dass man eine bessere Beziehung zum Plebs aufbauen könne, wenn man eine Reihe von Klubs "Real" nennt, also: königlich, und diesen erlaubt, eine Krone im Vereinsemblem zu führen.

So soll sie aussehen, die Themenwelt von Real Madrid. 

(Foto: AFP)

Als 1931 die Monarchie abgeschafft wurde, verschwand auch die Symbolik, doch zehn Jahre später durfte der Klub wieder Real heißen und die Krone ins Wappen aufnehmen. Nun soll das Emblem erneut gekappt werden, wobei diesmal etwas anderes zur Debatte steht: das kleine Kreuz, das auf der Krone thront.

Geopfert wird es nicht grundsätzlich, sondern nur in einem bestimmten Kulturkreis, in Arabien. Der Grund: In Ras al-Chaima, einem Ort in den Vereinigten Arabischen Emiraten, legte Vereinsboss Florentino Pérez am Donnerstag den Grundstein für eine Luxus-Phantasiewelt namens "Real Madrid Resort Island". Das Einzugsgebiet dieses Themenparks ist fraglos islamisch geprägt, Mekka nicht weit.

Etwaige Kunden sollen daher nicht mit christlicher Symbolik belastet werden. Denn es geht um sehr viel Geld. Auf eine Milliarde Dollar belaufen sich angeblich die Gesamtinvestitionen des Projekts, das bis 2015 abgeschlossen sein soll. Es umfasst unter anderem den Bau eines zum Meer hin offenen Stadions für 10 000 Zuschauer, ein Vereinsmuseum sowie ein Fünf-Sterne-Hotel und Luxus-Bungalows.

Das Kreuz ist möglicherweise nicht das einzige Opfer, das Real den Scheichs bringen muss. Offen ist weiterhin, ob auch einer der religiösesten Angestellten geht. Wie der Sender ABC Punto Radio versichert, habe Madrids portugiesischer Trainer José Mourinho seinem Klubchef Pérez vor zwei Wochen mitgeteilt, er wolle das Angebot von Manchester City wahrnehmen. Dort zieht der Scheich Mansour bin Zayed bin Al Nahyan aus Abu Dhabi die Fäden. Mourinho bestritt die Kontaktaufnahme am Freitag allerdings.