DFB-Team Sorgen um Timo Werner

Pause: Timo Werner leidet an einer "Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur und des Kiefergelenks".

(Foto: dpa)
  • Timo Werner, Stürmer von RB Leipzig, leide an einer "Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur und des Kiefergelenks".
  • Die mentale Überbelastung zwingt den 21-Jährigen zu einer Pause. Er steht auch dem DFB-Team nicht zur Verfügung.
  • Die Liste der Ausfälle für Bundestrainer Joachim Löw ist lang. Deutschland reicht in Nordirland ein Unentschieden für die WM-Qualifikation.
Von Moritz Kielbassa

Als sich RB Leipzig am Montag offiziell zum Gesundheitszustand von Timo Werner äußerte, hörte sich das an wie eine normale Diagnose vom Orthopäden: Der Nationalstürmer leide an einer "Blockade der Halswirbelsäulen-Muskulatur und des Kiefergelenks", teilte sein Verein mit. Doch die Aussagen der Leipziger Verantwortlichen ließen vermuten, dass die Probleme tiefer liegen.

Trainer Ralph Hasenhüttl sprach von einer "mentalen Extrembelastung" des 21-Jährigen, Werner spielte ja ohne Pause in der Bundesliga, neuerdings auch in der Champions League - und bei der DFB-Elf. Selbst das Wohlgefühl, viele Tore zu schießen, wie es Werner zuletzt verlässlich tat, könne bei einem jungen Profi "positiven Stress erzeugen", sagte Hasenhüttl. Werner zolle "dem Ganzen jetzt ein bisschen Tribut", an Fußball sei "momentan nicht zu denken". Das klang nicht wie ein Attest vom Orthopäden.

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"Natürlich sorgen wir uns um Timo"

Bereits am Sonntag pausierte Werner beim Leipziger 2:1 in Köln. Zuvor musste er in der Champions-League-Partie bei Besiktas Istanbul, die von ohrenbetäubendem Krach der türkischen Fans überlagert war, wegen Kreislaufproblemen ausgewechselt werden. In Leipzig nahm man deshalb die Untersuchungsergebnisse vom Arzt am Montag erleichtert zur Kenntnis. Denn dass muskuläre Blockaden in Istanbul zu Atemnot und Schwindel führten, schließt zumindest organische Ursachen aus.

Offen bleibt aber die Frage, inwieweit Werner mental überstrapaziert ist. Für RB-Sportchef Ralf Rangnick stand jedenfalls fest, dass eine Teilnahme an den bevorstehenden Länderspielen "keinen Sinn" ergebe: "Natürlich sorgen wir uns um Timo."

Die Liste der Abwesenden ist lang

Bundestrainer Joachim Löw muss also beim Abschluss der WM-Qualifikations-Tournee - am Donnerstag in Belfast gegen den Gruppenzweiten Nordirland und am Sonntag in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan - auf Werner, den formstärksten deutschen Stürmer der vergangenen Monate, verzichten. Löws Liste der Abwesenden ist lang, wegen aktueller oder soeben erst überwundener Verletzungen fehlen außerdem: Manuel Neuer, Sami Khedira, Mesut Özil, Mario Gomez, Marco Reus, Benedikt Höwedes, Mario Götze, Ilkay Gündogan, Julian Weigl und André Schürrle.

Als Segen für Löw erweist sich daher im Nachhinein der mit einem spannenden bunten Kader gewonnene Confed-Cup im Sommer. Beim Turnier in Russland hatten sich mehrere neue Probanden für weitere Verwendung empfohlen: Neben Timo Werner spielte sich der Mönchengladbacher Lars Stindl fest hinein in die Hierarchie des A-Nationalteams, als Option für den Angriff (ohne Werner) gehört auch der spätberufene Hoffenheimer Sandro Wagner wieder zum aktuellen Aufgebot; Dribbler Amin Younes (Ajax Amsterdam) ist im Quali-Kader ebenfalls mit dabei. Und der Berliner Linksverteidiger Marvin Plattenhardt kann den Ersatzdienst für den verletzten Kölner Jonas Hector antreten.

Ein Unentschieden reicht zur Qualifikation

Löws Alarmreserve für personelle Notfälle steht. Auf eine Nachnominierung für Timo Werner hat der zuletzt selber von einer Grippe geschwächte Coach jedoch verzichtet, die Reise nach Belfast treten die verbliebenen 22 Spieler an. Gegen die wehrhaften Nordiren (nur zwei Gegentore in acht Spielen) erwartet Teammanager Oliver Bierhoff einen "harten Kampf". Allerdings genügt den Deutschen bereits ein Unentschieden für den letzten rechnerisch noch nötigen Schritt zur WM 2018. Und selbst bei einer außerplanmäßigen Niederlage hätte der Weltmeister gegen Aserbaidschan einen zweiten Matchball.

Bei der Zusammenkunft am Dienstag, in der Frankfurter "Villa Kennedy", interpretierte auch Bierhoff die Personalsituation gelassen. Wegen der Terminhatz im Herbst seien "die Monate Oktober und November immer schwer für uns", betonte er: "Aber wir haben genug Spieler zur Auswahl, die Qualität haben."

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