DFB-Präsident Niersbach im Interview "Wir sind gegen Berti noch ungeschlagen"

"Es wird ganz sicher keine Absprache geben": DFB-Präsident Wolfgang Niersbach glaubt nicht an ein zweites Gijón.

(Foto: dpa)

Klinsmann und Vogts gegen Löw: Wolfgang Niersbach glaubt nicht, dass die USA beim großen Familientreffen der Fußball-WM einen Vorteil haben. Im SZ-Interview spricht der DFB-Präsident über introvertierte Bundestrainer und erklärt, warum es kein zweites Gijón geben wird.

Von Christof Kneer und Philipp Selldorf, Santo André

Er wohnte mit den deutschen Nationalspielern 1982 in einem Hotel, er hörte, wie Franz Beckenauer seine Mannschaft 1990 anwies, Jürgen Klinsmann keinen Ball mehr zuzuspielen und gerade jetzt bekommt er mit, wer im Campo Bahia mit wem Tischtennis spielt.

Wolfgang Niersbach ist schon sehr lange beim DFB dabei, erst als Journalist, dann als Pressesprecher und Leiter des WM-Organisationskomitees, später als Generalsekretär und jetzt als DFB-Präsident. Vor dem Gruppenspiel gegen die USA erzählt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagsausgabe) wie er deren Trainer Klinsmann bei den bisherigen Turnieren erlebt hat.

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Bei der Weltmeisterschaft 1990 habe er Jürgen Klinsmann als hochmotiviert, aber auch als Einzelgänger wahrgenommen. "Er war einer der wenigen, die ein Einzelzimmer hatten in unserem Quartier in Erba am Comer See. Ansonsten hatte nur Augenthaler ein Einzelzimmer - weil er Raucher war. Und Thon - weil er schnarchte."

Die Beziehung zwischen Teamchef Franz Beckenbauer und Klinsmann sei ebenfalls nicht unproblematisch gewesen. Nach dem Spiel gegen Tschechien habe Beckenbauer Klinsmann in der Kabine zusammengestaucht, "aber noch auf der Rückfahrt nach Erba hat Jürgen zu mir gesagt: Morgen hat Franz das längst vergessen, und die Sache ist auch für mich erledigt. Eine Woche später waren sie dann gemeinsam Weltmeister", erzählt Niersbach.

"Es wird ganz sicher keine Absprache geben"

Ursprünglich war Klinsmann auch überhaupt nicht als Trainer für die Weltmeisterschaft vorgesehen. Der Rücktritt von Rudi Völler nach dem Vorrundenaus bei der Europameisterschaft 2004 traf den DFB völlig überraschend.

"Ich war nachmittags noch bei Rudi Völler auf dem Zimmer und hab gesagt: Rudi, egal, was heute passiert: Du bist doch klar, oder? Ich hatte bei dieser Frage natürlich seinen bis 2006 laufenden Vertrag im Kopf. Darauf sagte er: Ja, ich bin klar. Aber er meinte das anders als ich", beschreibt der 63-Jährige die Situation nach dem Ausscheiden. Den Tipp, Klinsmann als Nachfolger zu nehmen, gab damals Berti Vogts, der am Donnerstag im Team von Jürgen Klinsmann die USA gegen Deutschland betreut.

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Vogts und Klinsmann würden gut zusammenpassen. "Sie gehen unterschiedliche Wege, aber die Grundlage ist bei beiden immer eine präzise und seriöse Einstellung zu ihrem Job." Angst habe er jedoch nicht. Bei keiner von Vogts verschiedenen Trainerstationen (Schottland, Aserbaidschan) hat Vogts gewonnen. "Wir sind gegen Berti noch ungeschlagen", sagt Niersbach.

Die Angst vor einem neuen Skandalspiel wie in Gijón 1982 hält Niersbach für unbegründet. "Ach, das können Sie vergessen. Es wird ganz sicher keine Absprache geben. Und die Spieler sagen bis heute, dass es auch damals keine Absprachen gab, dass sich dieser sogenannte Nichtangriffspakt im Spielverlauf einfach ergeben hat." Damals schoben sich Deutschland und Österreich beim Stande von 1:0 nur noch den Ball zu, weil das Ergebnis beiden zum Weiterkommen reichte, am Donnerstag würde ein Unentschieden Deutschland und USA den Einzug ins Achtelfinale sichern.

Die Sperre Franz Beckenbauers durch die Fifa kann Niersbach nach wie vor nicht nachvollziehen: "Er mag einen formalen Fehler gemacht haben, aber dafür eine Sperre zu diesem Zeitpunkt auszusprechen - nein, dafür fehlt mir jedes Verständnis."

Das komplette Interview lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung und auf dem iPad.

Quelle: Opta Sportdaten

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