DFB-Pokalfinale Die Fans haben nicht Helene Fischer ausgepfiffen, ...

Pfeifkonzert in der Pause: Helene Fischer singt im Berliner Olympiastadion.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

... sondern das Symbol Helene Fischer. Das klingt paradox, steht aber für alles Schlechte, was Fans im modernen Fußball sehen.

Kommentar von Martin Schneider

War das purer Sarkasmus, ausgerechnet von Helene Fischer? Am Ende ihrer Show rief sie in die Pfiffe des Publikums hinein: "Dankeschön Berlin! Viel Spaß bei der zweiten Halbzeit." Es war wirklich nicht herauszuhören, ob sie sich aus Professionalität bedankte, weil man das eben so macht, oder aus Hilflosigkeit, weil sie sonst nichts sagen konnte, oder ob es am Ende wirklich Galgenhumor war. Sie ging von der Bühne, und dann ging es mit Fußball weiter.

Helene Fischer hat sich am Samstagabend während ihres Auftritts in der Pause des DFB-Pokalfinales ein Pfeifkonzert anhören müssen, für dessen Beschreibung sich die Adjektive "infernalisch" und "gnadenlos" anbieten. Als sie angekündigt wurde, ging das Stadion in einem Meer aus schrillen Tönen unter. Während ihres Auftritts ging den Pfeifern mal ein bisschen die Luft aus, am Ende war es nochmal eine ohrenbetäubende Kakophonie der Ablehnung. Im Fernsehen wurden bei der Übertragung die Außenmikrofone heruntergepegelt - und trotzdem bekam man es noch mit.

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Warum diese heftige Reaktion? Hat Helene Fischer irgendwem etwas getan? Sich unsportlich verhalten, etwas provozierendes gesagt? Nein, hat sie natürlich nicht. Die Fans im Berliner Olympiastadion haben auch nicht Helene Fischer ausgepfiffen. Auch wenn sie natürlich Helene Fischer ausgepfiffen haben. Die Fans haben das Symbol Helene Fischer ausgepfiffen. Das klingt paradox, ist aber ein Riesenunterschied.

Die Person und die Künstlerin Helene Fischer hatte absolut keine Chance. Wahrscheinlich haben in diesem Moment sogar viele gepfiffen, die in einem anderen Rahmen "Atemlos" oder andere ihrer Lieder gerne mitsingen. Aber als sie zwischen den Backgroundtänzern auf der Bühne des Olympiastadions sang, stand die 32-Jährige für alles Schlechte, was Fans im modernen Fußball sehen. Kommerzialisierung, Eventisierung, künstliche Stimmung, Show statt Sport. Manche nannten das vor dem Spiel Helenefischerisierung des Fußballs.

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Fischer trat in Berlin zum Beispiel in der Pause auf, und auch wenn im Fußball durchaus schonmal Musik-Bands aufgetreten sind, während die Teams in die Kabine gingen, war das in diesem Rahmen der Versuch, das Rad ein bisschen weiter zu drehen. Eine Woche zuvor war das bereits schiefgegangen. Am letzten Bundesligaspieltag trat in München die Sängerin Anastacia zwischen erster und zweiter Hälfte auf, sie überzog ihren Auftritt um mehrere Minuten, es gab Probleme beim Abbau der Bühne. Die Freiburger, für die es noch um den Einzug in die Europa League ging, fühlten sich verschaukelt. Selbst den Bayern-Spielern war das peinlich. Arjen Robben entschuldigte sich noch auf dem Spielfeld bei Freiburgs Trainer Christian Streich.