Champions-League-Finale der Frauen Wolfsburg will die Unschlagbaren schlagen

Titelverteidiger Olympique Lyonnais ist im Frauenfinale der Champions League der klare Favorit. Doch der VfL Wolfsburg ähnelt dem französischen Klub in seiner Art, sich konzeptionell zu entwickeln - und ist nicht völlig chancenlos.

Von Kathrin Steinbichler

Silvia Neid ist ziemlich unverdächtig, falsches Lob auszusprechen. Die deutsche Bundestrainerin sagt meist, was sie denkt, und zu diesen beiden Mannschaften, die sich an diesem Donnerstag (20.30 Uhr/Eurosport) in London im Champions-League-Finale der Frauen gegenüberstehen, hat sie sich schon einige Gedanken gemacht.

Der VfL Wolfsburg, der erstmalige deutsche Meister und Pokalsieger, trifft im Stadion des FC Chelsea an der Stamford Bridge auf Olympique Lyonnais, den mehrfachen französischen Meister, Pokalsieger und europäischen Titelverteidiger. Beide haben eine jeweils beeindruckende Saison hinter sich, doch Neids Fazit ist eindeutig. "Wolfsburg hat eine Chance", sagt Neid, die das Spiel im Stadion verfolgen wird. Na, immerhin.

Wer die Ausgangslage dieses hochklassigen Frauenfinales verstehen will, sollte nicht nur einen Blick auf die beiderseits mit internationalen Topspielerinnen bestückten Kader werfen, sondern auch Megan Rapinoe zuhören. Die Mittelfeldspielerin, die 2012 mit den USA Olympia-Gold gewann, spielt seit Januar für das französischen Vorzeigeteam, das in London sein drittes Champions-League-Finale in Serie gewinnen kann.

Rapinoe hatte nach dem olympischen Turnier viele gut dotierte Angebote vorliegen, die technisch beschlagene und zweikampfstarke 27-Jährige ist eine der begehrtesten Spielerinnen weltweit. Dass Rapinoe sich schließlich für Lyon entschied, hat einen einfachen Grund: "Was hier passiert, gehört zum Besten und Spannendsten, was es im Frauenfußball gibt. Ich wäre schön doof, wenn ich da nicht dabei sein wollte. Und bislang kann ich nur sagen: Es hat sich gelohnt. Die Stadt lebt für diesen Klub, und wir Fußballerinnen sind ein anerkannter Teil davon. Das habe ich woanders noch nicht erlebt."

Erst 2004 hatte sich Olympique die Frauenfußball-Abteilung des FC Lyon einverleibt, das Ziel war von Anfang, dem großen Paris auch mit den Frauen die Stirn zu bieten, was schnell gelang. Lyons Fußballerinnen erhielten eine hervorragende Infrastruktur und Organisation, hochklassige Personalien folgten. Seit der frühere Fußballprofi Patrice Lair 2010 den Trainerposten übernahm, ist Olympique von einer guten zu einer dominanten Mannschaft geworden. Seit 95 Pflichtspielen haben Lyons Frauen nicht mehr verloren, in der nationalen Liga stehen sie drei Spieltage vor dem Saisonende nach 19 Siegen in 19 Partien und einem Torverhältnis von 114:5 erneut vor dem Titelgewinn. "Patrice, unser Trainer, macht einen sehr guten Job", sagt Rapinoe, "er lässt nie zu, dass wir denken: ,Oh, wir sind einfach so gut.' Er will immer das Beste aus uns herausholen."