Mythos Wembley-Stadion:Kathedrale des Fußballs

Hier fiel das umstrittenste Tor der Fußballhistorie, die Löwen hatten ihren Auftritt - und einmal war ein Schimmel Protagonist: Oft wurde im Londoner Wembley-Stadion Geschichte geschrieben - am Samstag ist es wieder so weit.

Von Christopher Köster

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Mythos Wembley-Stadion:Das Nationalstadion

Erstes Spiel im neuen Wembley-Stadion

Quelle: dpa

Hier fiel das wohl umstrittenste Tor der Fußballgeschichte, zahlreiche wichtige Spiele wurden in seinem Bauch ausgetragen - und einmal war auch ein weißes Pferd Protagonist: Schon oft wurde im Londoner Wembley-Stadion Geschichte geschrieben - auch an diesem Samstag ist es wieder so weit.

Das Nationalstadion: Das Wembley-Stadion in London ist eine der berühmtesten Fußball-Arenen der Welt. Es ist Heimstätte der englischen Nationalmannschaft und richtet Jahr für Jahr die Finals des prestigeträchtigen FA-Cups sowie des englischen Ligapokals aus. Zudem wurde in dem Stadion im Londoner Westen das Fußballturnier der Olympischen Sommerspiele 2012 ausgetragen. Darüber hinaus war Wembley jedoch auch Schauplatz vieler weiterer Fußballspiele, die in die Geschichte eingegangen sind.

Der von vielen als "bester Fußballspieler aller Zeiten" bezeichnete Brasilianer Pelé sagte einst über das Wembley: "Wembley ist die Kirche des Fußballs. Es ist die Hauptstadt des Fußballs und es ist das Herz des Fußballs."

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Mythos Wembley-Stadion:Das alte Wembley

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Quelle: AP

Das alte Wembley: Die Geschichte des Wembley-Stadions geht zurück bis in das Jahr 1923. Britische Arbeiter errichteten das neue Nationalstadion in nur 300 Tagen. Charakteristisch war der Haupteingang mit den berühmten Twin Towers. Das Stadion hatte ein Fassungsvermögen von 82.000 Zuschauern, jedoch waren in früheren Jahren oft deutlich mehr Besucher in dem weiten Rund. Beim ersten FA-Cup-Finale 1923 waren offiziell 127.000 Zuschauer im Wembley - da jedoch viele weitere Menschen über die Mauern in das Stadion kletterten und bis zum Spielfeld standen, geht man von mehr als 200.000 Anwesenden aus. Ein britischer Polizist musste die Zuschauermassen mit seinem weißen Pferd Billy vom Spielfeld drängen, damit das Spiel überhaupt angepfiffen werden konnte. Daher spricht man heute vom White Horse Finale.

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Mythos Wembley-Stadion:Olympische Sommerspiele 1948

Eröffnung der Olympischen Spiele 1948 im Wembley-Stadion

Quelle: AP

Olympische Sommerspiele 1948: Bereits 1944 sollten in London die Olympischen Sommerspiele stattfinden, doch wegen des Zweiten Weltkriegs wurde das Ereignis abgesagt. Drei Jahre nach Kriegsende gingen schließlich die XIV. Sommerspiele der Neuzeit in der britischen Hauptstadt über die Bühne. Nach 1908 waren es die zweiten Spiele in London. Die niederländische Läuferin Fanny Blankers-Koen war mit vier Goldmedaillen die erfolgreichste Athletin. Der tschechoslowakische Langstreckenläufer Emil Zátopek machte mit seinem Sieg über die 10.000 Meter auf sich aufmerksam. Erstmals wurden die Olympischen Spiele einem breiterem Publikum durch das Fernsehen nahegebracht - 1936 in Berlin gab es erst sehr wenige Fernsehempfänger.

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Mythos Wembley-Stadion:Die Löwen in Wembley

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Quelle: imago sportfotodienst

Die Löwen in Wembley: Das bisher letzte Pflichtspiel einer deutschen Vereinsmannschaft im Wembley-Stadion liegt fast genau 48 Jahre zurück. Im Finale des Europapokals der Pokalsieger trafen 1965 der Londoner Klub West Ham United und der TSV 1860 München aufeinander. Nach Siegen gegen den FC Porto, Legia Warschau und den AC Turin riss vor 98.000 Zuschauern die Münchner Siegesserie. Binnen zwei Minuten konnte Alan Sealey den Löwen-Torwart Petar Radenković zweimal überwinden. Damit verpasste es die Mannschaft von Trainer Max Merkel, als erster deutscher Verein einen Europapokal zu gewinnen.

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Mythos Wembley-Stadion:Das Wembley-Tor

Umstrittene Tor-Entscheidungen in der Fußball-Geschichte

Quelle: dpa

Das Wembley-Tor: Das wohl berühmsteste Fußballspiel im Wembley-Stadion war am 30. Juni 1966 das Endspiel der Weltmeisterschaft zwischen Gastgeber England und der deutschen Nationalmannschaft. Helmut Haller erzielte zunächst die Führung für Deutschland, doch Geoff Hurst und Martin Peters drehten die Partie zugunsten des Gastgebers. Deutschland schien geschlagen, doch in der Nachspielzeit glich Wolfgang Weber aus und erzwang die Verlängerung. In der 101. Spielminute erzielte Hurst dann das umstrittene Wembley-Tor: Aus kurzer Distanz überwand er den deutschen Torhüter Hans Tillkowski, doch der Ball prallte von der Unterkante der Latte auf den Boden, ehe er von Weber ins Toraus geköpft wurde. Drin oder nicht drin? Schiedsrichter Gottfried Dienst aus der Schweiz entschied nach Rücksprache mit dem sowjetischen Linienrichter Tofiq Bahramov auf Tor und England lag wieder in Führung. In der Folgezeit öffnete Deutschland seine Abwehr und Hurst erzielte in der Schlussminute noch das 4:2. England war damit zum ersten und bislang einzigen Mal Weltmeister. Verschiedene Studien haben mittlerweile bewiesen, dass sich der Ball zu keinem Zeitpunkt vollständig hinter der Linie befand.

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Mythos Wembley-Stadion:Europameisterschaft 1996

Juergen Klinsmann

Quelle: AP

Europameisterschaft 1996: Der letzte Titel für eine deutsche Nationalmannschaft datiert vom 30. Juni 1996. Ausgerechnet im Londoner Wembley-Stadion gewann die Mannschaft von Bundestrainer Berti Vogts gegen Tschechien mit 2:1 (n.V.) und wurde zum dritten Mal Europameister. Dieses Spiel ging in die Geschichtsbücher ein, da Oliver Bierhoffs Siegtreffer das erste Golden Goal der Fußballgeschichte war. Nachdem die Mannschaft die 39 Stufen bis zur Royal Box erklommen hatte, durfte Kapitän Jürgen Klinsmann den begehrten Pokal aus den Händen von Queen Elizabeth II. empfangen. Zuvor hatte die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale Gastgeber England nach Elfmeterschießen besiegt und damit an gleicher Stätte Revanche für das Wembley-Tor 1966 genommen.

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Mythos Wembley-Stadion:Das letzte Spiel

WM-QUALIFIKATIONSSPIEL ENGLAND - DEUTSCHLAND

Quelle: DPA

Das letzte Spiel: Das Duell zwischen England und Deutschland bildete das letzte Spiel im altehrwürdigen Wembley-Stadion vor dem Abriss. Am 7. Oktober 2000 trafen beide Mannschaften im Rahmen der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2002 aufeinander. Deutschland gewann mit 1:0 durch ein Freistoßtor von Dietmar Hamann, der pikanterweise beim damaligen englischen Rekordmeister FC Liverpool spielte. Die deutschen Fans stimmten nach dem Spiel an: "We won the last game in Wembley!" Englands Nationaltrainer Kevin Keegan wurde nach der Schmach entlassen. Für Verteidiger Tony Adams hingegen war es der 60. Auftritt in Wembley - Rekord. Etwa ein Jahr später fand das Rückspiel der beiden Mannschaften im Münchner Olympiastadion statt. England revanchierte sich mit einem satten 5:1-Sieg und wurde Erster in der Qualifikationsgruppe.

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Mythos Wembley-Stadion:Multifunktionsarena

General Aerial Views Across London

Quelle: Oli Scarff/Getty Images

Multifunktionsarena: Nach vierjähriger Bauzeit wurde 2007 das neue Wembley-Stadion eröffnet. Während der Bauzeit wurde das Finale des FA-Cups im Millenium Stadion in Cardiff ausgespielt. Die Nationalmannschaft bestritt ihre Spiele in verschiedenen englischen Stadien, am meisten im Old Trafford in Manchester. Charakteristisch für das neue Stadion ist der 133 Meter hohe Bogen, Wembley Arch, der nachts beleuchtet wird. Entworfen wurde das New Wembley von Norman Foster. Neben Fußball können Zuschauer hier auch Konzerte erleben. 2007 fand hier das "Concert for Diana" sowie das weltweite "Live Earth" statt. 90.000 Zuschauer passen in das neue Wembley, das im Vergleich zum alten Bauwerk viermal so hoch und von der Fläche zweimal so groß ist. 

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Mythos Wembley-Stadion:Das neue Wembley

England v Germany - International Friendly

Quelle: Getty Images

Das neue Wembley: Das erste offizielle Länderspiel bestritt England im Juni 2007 gegen Brasilien. Der heutige Wolfsburger Diego erzielte beim 1:1-Unentschieden das erste Tor. Vorher standen sich im FA-Cup-Finale jedoch schon Manchester United und der FC Chelsea gegenüber. Didier Drogba entschied das Spiel durch sein Tor für die Londoner. Im zweiten Länderspiel gab es für England dann die erste Niederlage. Gegner war damals (natürlich) Deutschland. Für Joachim Löws "B-Elf" trafen Kevin Kuranyi und Christian Pander zum 2:1-Sieg im neuen Wembley. Und ähnlich wie 2000 skandierten die deutschen Fans: "We won the first game in Wembley!"

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Mythos Wembley-Stadion:Champions-League-Finale Nr. 1

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Quelle: AP

Champions-League-Finale Nr. 1: Das erste Spiel von großer internationaler Bedeutung im neuen Wembley fand am 28. Mai 2011 statt. Im Finale der Champions League standen sich der FC Barcelona und Manchester United gegenüber. Wie zwei Jahre zuvor siegte Barcelona, diesmal mit 3:1. Pedro, Messi und Villa trafen für die Katalanen, den zwischenzeitlichen Ausgleich für Manchester erzielte Wayne Rooney. Für den FC Barcelona war es der dritten Champions-League-Titel binnen fünf Jahren.

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Mythos Wembley-Stadion:Champions-League-Finale Nr. 2

Borussia Dortmund vs Bayern Munich

Quelle: dpa

Champions-League-Finale Nr. 2: Nur zwei Jahre später geht hier nun erneut ein Endspiel der Champions League in Wembley über de Bühne. Grund hierfür ist das 150-jährige Bestehen des englischen Fußballverbandes FA, Wembley in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Etwa 25.000 Tickets haben die deutschen Finalisten Borussia Dortmund und FC Bayern jeweils für ihre Fans bekommen. Dazu kommen noch einige Anhänger mehr, die sich über die Uefa Karten besorgt haben. Beide Mannschaften werden bis Samstag im Training noch eine Extraschichten einlegen - auch weil der Weg bis zum Pokal nun deutlich länger ist als im alten Stadion: Statt 39 müssen die Spieler nun 107 Stufen vom Spielfeld aus zurücklegen, um in die Royal Box zu gelangen.

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