Bundesliga Tore schießen kommt zuerst!

Trotz dieser Probleme seiner beiden prominentesten Spieler hat Tuchel in seinen ersten sechs Monaten eine Wende hinbekommen, wie man sie selten in der Liga erlebt hat. Während sein verdienstreicher Vorgänger Jürgen Klopp bis zuletzt seine Parole durchsetzte, dass "Gegenpressing der beste Spielmacher" sei, hat Tuchel offenbar eine Bestandsanalyse im Kader vorgenommen.

Nach der Hinrunde muss man konstatieren, dass der in Dortmund weiterhin heiß geliebte Klopp die Talente seiner vielen Spielmacher-Typen möglicherweise mit der Überbetonung des Pressing-Credos ein wenig vergeudet hat. Bei Tuchel heißt die Parole: Den Ball besitzen möglichst wir, weil wir damit besser umgehen können als die meisten Gegner. Diese Hinwendung zur Risikobereitschaft auf allen Positionen, auf denen strenges Verteidigen keine Pflicht ist, hat Typen wie Mkhitaryan, Kagawa, Gündoğan, Reus oder Aubameyang sichtlich befreit. Das gilt paradoxerweise auch für Hummels, der zwar mit sich nicht immer zufrieden war, aber besser dasteht als im vorigen Jahr.

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In Taktik-Debatten gilt seit langem als bester Indikator für die Klasse einer Mannschaft die Zahl der Torchancen, die sie kreiert. Das widerspricht der alten Weisheit, dass eine gute Offensive Spiel gewinne, aber eine gute Defensive Meisterschaften. Tuchel hat Dortmund mit einer wichtigen Devise ausgestattet: Tore schießen kommt zuerst! Seine Mannschaft hat bisher sogar ein Tor mehr als der FC Bayern erzielt - dafür in der Defensive mehr Tore kassiert als Köln oder Ingolstadt. In Pierre-Emerick Aubameyang, der unter Klopp viel gelernt hat, aber erst bei der liberaleren Spielweise unter Tuchel durchgestartet ist, stellt der BVB kaum überraschend den besten Torjäger (18 Treffer) und Scorer (22 Punkte).

Selbst Hardcore-Fans von Klopp räumen inzwischen ein, dass der Philosophie-Wechsel auf dem Trainerposten spät, aber nicht zu spät kam. Für Tuchel ist das Ganze auch ein Experiment gewesen: In Mainz war er eher auf einen Stil angewiesen, der der Pressing-Maschine Klopp'scher Art ähnelte. In Dortmund hat er die Möglichkeiten eines Luxus-Kaders schnell adaptiert und in einen neuen Stil verwandelt. Der ähnelt den Bayern mehr als der eigenen BVB-Vergangenheit.