Bundesliga Ungustl Stranzl geht unter Tränen

Martin Stranzl hatte Gladbachs Defensive jahrelang zusammengehalten - jetzt macht sein Körper nicht mehr mit.

(Foto: dpa)
  • Gladbachs ewiger Verteidiger Martin Stranzl muss aufhören, weil sein Körper nicht mehr mitspielt.
  • Sein Abschied bewegt den Österreicher - und die Gladbacher.
Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Der Fußballer Martin Stranzl war in letzter Zeit häufig nicht mehr er selbst. Zuvor war er in der Abwehr von Borussia Mönchengladbach fünf Jahre lang einer der besten Innenverteidiger der Bundesliga. Dann brach er sich im vergangenen Herbst den Augenhöhlenboden, und nachdem er sich mühsam zurück in Form gekämpft hatte, war sein Stammplatz unter dem neuen Borussen-Trainer André Schubert anderweitig vergeben. Stranzl ist 35 Jahre alt, sein Nachfolger Andreas Christensen ist 19. Momentan kuriert Stranzl einen Muskelfaserriss aus.

Unter all diesen Sorgen und Unwägbarkeiten, sagt der Österreicher, sei er bisweilen grantig geworden - "ein Ungustl, wie man in Österreich sagt". Das klingt lustig, aber als er es erzählte, brach ihm am Dienstag die Stimme. Stranzl hatte Tränen in den Augen, als er ankündigte, im Mai seine Karriere nach fast 20 Jahren zu beschließen. Darüber ist auch der Mönchengladbacher Sportdirektor traurig: "Schade, dass er schon aufhört", sagt Max Eberl. Und das ist mehr als Höflichkeit, denn Eberl weiß: "Wir könnten ihn noch gut gebrauchen."

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Die Renaissance des Traditionsvereins Borussia Mönchengladbach ist eng mit Stranzl verbunden. Alle denken bei den Erfolgen der vergangenen fünf Jahre an den Schweizer Trainer Lucien Favre. Aber der Österreicher Stranzl spielte in Favres Konzept die vielleicht wichtigste Rolle. Er war Innenverteidiger und Kapitän. Wenn Favre das Gehirn der Borussia war, dann war Stranzl das Rückgrat.

Wie sehr die beiden die Stabilität der Mannschaft geprägt haben, wird eigentlich erst deutlich, seit sie nicht mehr dabei sind. Unter Trainer Schubert kassierten die Gladbacher in 20 Ligaspielen seit September im Schnitt 1,5 Gegentreffer pro Partie - unter Favre waren es nur 1,06. Wenn Stranzl mitspielte (116 Mal), waren es sogar bloß 1,04.

Um zu verdeutlichen, wie lange Stranzl schon Fußballprofi ist, lohnt sich ein Blick auf seine Teamkollegen des TSV 1860 München am 1. Mai 1999: Als er in der 90. Minute für Ned Zelic eingewechselt wurde, spielten für die Löwen Leute wie Marco Kurz, Bernd Hobsch oder Gerald Vanenburg. Trainer war Werner Lorant. So lange ist Stranzls Bundesliga-Debüt schon her. Es ist, als blickte man in ein altes Fotoalbum. Der junge Stranzl sah mit seinen zurückgegelten Haaren ein bisschen aus wie der Wiener Sänger Falco.