"Am Ende entscheidet ein deutscher Nationalspieler, das war der Unterschied", meinte Torwart Luthe, allerdings hatte er dabei den belgischen Nationalspieler Igor de Camargo vergessen, der kurz vor dem 1:1 eingewechselt wurde und sich sofort bemerkbar machte - durch seine brillante Vorlage für Reus.
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Es gehörte zur Dramaturgie dieser fabelhaften Rettung eines Totgeglaubten, dass Reus das Tor schoss und ihm die Heldenrolle übertragen wurde. Tagelang hatte er die Nerven der Fans strapaziert, weil es wegen seiner Muskelverletzung unklar blieb, ob er würde spielen können.
Natürlich spielte er, wenngleich etwas eingeschränkt und obendrein von Bochumern unerbittlich verfolgt und mehrmals böse gefoult. Reus sagte, durch sein Tor sei "eine unglaubliche Last abgefallen", und nun sollten wohl auch die letzten Spekulanten im Land einsehen, dass es keinen Sinn hat, ihn zu einem Klubwechsel zu animieren.
Reus hatte im vorigen November mit der Borussia einen Vertrag bis 2015 geschlossen; zu einer Zeit, als der Abstieg eine ziemlich konkrete Perspektive war, erklärte er, er fühle sich "super wohl" am Niederrhein. Die Branche hat das in ihrer zynischen Art als kommerziellen Winkelzug des Vereins aufgefasst.
Aber Reus hat es ernst gemeint mit seinem Bekenntnis, er wollte sogar mitgehen in die zweite Liga, falls es schief gegangen wäre, und die Klubführung darf sich nun gleich noch mal gratulieren: Im vergangenen Sommer hatte sie ein Angebot des VfL Wolfsburg über 15 Millionen Euro für Reus abgelehnt.
Mit Schmerzen war Reus ins Spiel gegangen, humpelnd verließ er das Stadion, aber die Einladung zur bevorstehenden Reise mit der Nationalelf wird er nicht ein drittes Mal ausschlagen, nachdem er schon zweimal hatte absagen müssen. "Ich fahre auf jeden Fall", versprach er. Was bedeuten Schmerzen, wenn das Glück so groß ist? So eine Relegationsrunde ist zwar ein hartes Verfahren, aber für Fußballer ist sie ein einmaliges Erlebnis.
Spiele wie in Bochum, bei denen das gesamte Publikum 90 Minuten klatscht, singt, brüllt und niemals an die Lachshäppchen in der Pause denkt, wird ein Spieler von Bayern München vermutlich niemals erleben. Trotzdem möchte Martin Stranzl, Gladbachs österreichischer Verteidiger, nie wieder so einen Abend erleben: "Den Nervenkitzel brauchst du kein zweites Mal."
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(SZ vom 27.05.2011/jüsc)
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