Bundesliga Bayern ist immer einen Trick schneller

Robert Lewandowski freute sich mit einem Grinsen - der Regen war ihm an diesem Abend egal.

(Foto: REUTERS)
  • Der FC Bayern reagiert auf den Mangel an Innenverteidigern, indem er seinen Überfluss an Offensivkünstlern präsentiert.
  • Beim 2:0 gegen Hoffenheim trifft ein Stürmer doppelt.
Aus dem Stadion von Benedikt Warmbrunn

Manchmal machen schon die kleinen Dingen den Unterschied zwischen etwas allein Schönem und etwas Wirkungsvollem aus, und so wusste Douglas Costa am frühen Sonntagabend, dass er etwas verändern musste. So vieles hatte er in den Minuten zuvor probiert, er war gesprintet, gedribbelt, hatte geflankt, und einmal hatte er den Ball sogar mit einem schicken Hackentrick im Spiel gehalten. Ausgesprochen schön war das alles gewesen. Aber es war letztlich nutzlos. Also riskierte Douglas Costa alles an diesem nasskalten Abend, 26 Minuten waren gespielt. Er warf seine Stoffhandschuhe weg. Und schon veränderte sich alles.

So viel zusätzliche Leichtigkeit verspürte Costa, dass er eine Minute später in diesem Spiel des FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim in seinen Gegenspieler Sebastian Rudy hineinrutschte. Gelbe Karte, Costas erste in seiner Bundesliga-Karriere.

So viel zusätzliche Leichtigkeit verspürte Costa, dass er sich davon nicht bremsen ließ, und so bekam er vier Minuten später den Ball an der linken Strafraumecke, machte einen Übersteiger, legte sich den Ball vor, flankte ihn zwischen den Hoffenheimern Pavel Kaderabek und Jonathan Schmid hindurch, Robert Lewandowski musste nur den Ball ins Tor grätschen. Costas 13. Vorlage in seiner Bundesligakarriere, die Führung für den FC Bayern, in der 32. Minute. Was so lange nur schön gewesen war, jetzt war es endlich auch wirkungsvoll.

2:0 (1:0) besiegte der FC Bayern am Sonntagabend die TSG Hoffenheim, die Mannschaft bleibt mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer vor Dortmund, doch dieses Spiel zementierte nicht nur die bestehenden Verhältnisse. Das Spiel war eine Richtigstellung. Die Innenverteidiger Jérôme Boateng, Javier Martínez und Medhi Benatia verletzt - macht nichts, das war die Botschaft des Sieges, zumindest nicht in der Bundesliga. Nicht bei dieser Offensive.

Ein Schritt nach vorne sei dieses Spiel gewesen, sagte dann auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge bei Sky. Und was die Unruhen unter der Woche anging, der angebliche Maulwurf in der Mannschaft: "Vielleicht gibt es diesen Spieler gar nicht." Und die Häufung Muskelverletzungen? "Die Spieler", sagte Rummenigge, "sind heute fitter als letzten Sommer."

Kimmich glänzt als gelehriger Liebling

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Auf dem Rasen hatte der FC Bayern dieses Spiel erst gar nicht zu einem werden lassen, in dem die neue Abwehr geprüft werden konnte; dort hatte Joshua Kimmich als Innenverteidiger neben Holger Badstuber meist einen ruhigen Abend; Alaba links und Lahm als Hybrid aus Rechtsverteidiger und zentraler Mittelfeldspieler komplettierten die Abwehrreihe. Stattdessen hat der FC Bayern das Spiel sofort zu einem gemacht, in dem es allein darum ging, wie schön und wirkungsvoll die eigenen Angreifer miteinander harmonieren würden.

Trainer Pep Guardiola hatte auf den Innenverteidiger-Mangel reagiert, indem er sich in seinem Überfluss an Offensivspielern bediente. Die Flügelspieler Douglas Costa, Kingsley Coman, Thomas Müller, Arjen Robben, dazu Sturmspitze Robert Lewandowski - statt sich für drei zu entscheiden, entschied sich Guardiola: für alle.

Von der ersten Minute an bestimmte der Gastgeber das Spiel, die Angreifer attackierten die Gäste spätestens an deren Strafraumgrenze, oft auch schon TSG-Keeper Oliver Baumann am Fünfmeterraum. Hoffenheim konnte sich so lange nicht aus der eigenen Spielfeldhälfte befreien, und der FC Bayern erspielte sich mehrere gute Chancen. Robben schlenzte den Ball auf das Tornetz (15.). Müller schoss nach einer Flanke von Costa direkt auf Baumann (17.). Robben schoss nach einem Doppelpass mit Müller über das Tor (23.). Schön sah das aus. Aber es blieb wirkungslos.