Bundesliga Im Wissen um die eigene Grausamkeit

Und dann jubeln doch wieder sie: Bayerns Spieler beim 2:1 in Wolfsburg, das erst spät zustande kam.

(Foto: REUTERS)
  • Beim 2:1 des FC Bayern in Wolfsburg bemüht sich Trainer Heynckes mit vielen Umstellungen um den Frieden in seinem großen Kader.
  • Dass dies fast schiefgegangen wäre, hat Heynckes laut eigener Aussage "einkalkuliert".
  • Franck Ribéry leistet sich erneut eine grenzwertige Aktion im Zweikampf.
Von Javier Cáceres, Wolfsburg

Wenn man Siege definieren wollte, die ganz nach dem Geschmack der Anhänger der Mächtigen des europäischen Fußballs sind, dann sehen sie so aus wie jener, den der FC Bayern am Samstag in Wolfsburg erzielte. 90 Minuten waren gespielt; der Abstiegskandidat VfL Wolfsburg hatte nach eigener Führung ein 1:1 über die Zeit gerettet, als Arjen Robben nach einer zärtlichen, aber eindeutigen Berührung durch Gian-Luca Itter zu Boden sank - und der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigte. Robert Lewandowski trat an, verwandelte zum 2:1 und sorgte damit für den 13. Bayern-Sieg in Serie und für das hundertste Bayern-Tor gegen den VfL Wolfsburg.

Auf acht Positionen hatte Trainer Jupp Heynckes die Mannschaft im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 aus der Vorwoche verändert. Das lag einerseits daran, dass am Dienstag das Hinspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Besiktas Istanbul ansteht. Andererseits ging es Heynckes auch um den innerbetrieblichen Frieden: Jeder soll sich zugehörig fühlen. Solch eine Massen-Rotation sei zwar "zum jetzigen Zeitpunkt ein Risiko", sagte Heynckes hinterher, doch das war "einkalkuliert." Denn: Wann sollte er dieses Risiko gehen, wenn nicht in Wolfsburg? Der VfL bietet sich für Experimente von Gegnern förmlich an, dort liegt zurzeit so ziemlich alles im Argen, was im Argen liegen kann.

In Wolfsburg knirscht es ja massiv. Längst sprießen Spekulationen über eine mögliche Ablösung des erst im September installierten Trainers Martin Schmidt, die Bild-Zeitung berichtete über ein Rücktrittsangebot des umstrittenen Managers Olaf Rebbe, der den Kader umgebaut, aber nicht besser gemacht hat. Rebbe dementierte, allerdings erst nach einem Spiel.

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Mitten in die Stille, die sich aufgrund eines Fanprotests über die Wolfsburger Arena gelegt hatte, platzte in der 8. Minute eine in jeder Hinsicht überraschende Führung. Javi Martínez, einer der acht Neuen bei den Bayern, hatte den ersten - und lange auch einzigen - nach vorn gedroschenen Ball der Wolfsburger zur Ecke geklärt, der VfL führte sie kurz aus, Yunus Malli flankte den Ball in den Strafraum - und fand dort in David Didavi (1,79 Meter) einen Abnehmer, der seinen sieben Zentimeter kleineren Bewacher Juan Bernat ohne Mühe übersprang und das 1:0 köpfelte.

Thiago und Sebastian Rudy verströmen keine Fantasie

Nur: Jenseits des Tores war von den Wolfsburgern nicht mehr zu sehen als ein Vortrag am Rande des Antifußballs. Trainer Schmidt ließ sein Team nah und statisch am eigenen Strafraum verteidigen, ohne jede erkennbare Ambition, die Bayern zu behelligen. Der FC Bayern monopolisierte den Ball, erspielte sich aber nur eine sterile Überlegenheit. Mittelfeldspieler Sebastian Rudy und der erstmals nach dreimonatiger Verletzungspause aufgebotene Thiago verströmten keine Fantasie. Die Außenstürmer Arjen Robben und Franck Ribéry fanden keine Pfade durch das Gestrüpp der weißgrünen Verteidigung.