18. Februar 2013 15:04 Transfergerüchte um Robert Lewandowski Poker mit verschärften Regeln

Dem FC Bayern geht es beim Wechselspiel um Robert Lewandowski nicht nur darum, eventuell einen guten Spieler zu bekommen. Sondern auch, den gefährlichsten Gegner in der Bundesliga zu schwächen. Borussia Dortmund kann der möglichen Abwerbung des Stürmers aber gelassen entgegensehen.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Einen erhellenden Satz zu dem im Dunkeln laufenden Poker hat am Wochenende Klaus Allofs beigetragen: Es gehe ja in einem solchen Pokerspiel, das der Manager des VfL Wolfsburg aus der Ferne verfolgt, nicht allein darum, einen Spieler zu bekommen, sondern zugleich darum, einen Gegner mit diesem Transfer gezielt zu schwächen.

Wechselt Lewandowski nun schon im Sommer, ein Jahr vor Vertragsende, aus Dortmund zum FC Bayern? Vom Meister 2012 zum Fast-schon-Meister 2013? Im Sommer 2014 kann er hingehen, wohin er will, und es ist zu vermuten, dass die Berater des Polen mit den Münchnern eine richtungsweisende Verabredung getroffen haben. Aber entscheidend ist das in diesem Poker, der das Liga-Geschehen überschattet, nicht. Entscheidend ist nur: Was passiert im Sommer 2013?

Keiner der beiden Spieler ließ sich bislang ins Blatt blicken. Die Dortmunder haben nur erkennen lassen, dass sie am Tisch bleiben. Sie hätten es ja auch konsequent so handhaben können wie Bayer Leverkusen, als der Chilene Arturo Vidal darauf drängte, mit Trainer Heynckes nach München umzuziehen: Freigabe ja, aber nur fürs Ausland! Vidal grätscht seit 2011 für Juventus Turin.

Das ausländische Interesse an Robert Lewandowski, 24, etwa von Manchester United, scheint nachgelassen zu haben, kann aber jederzeit wieder aufflackern. Nicht nur deshalb vermuten die Dortmunder, dass sie mit besten Karten am Tisch sitzen, dass sie sich gar in einer dieser Win-win-Situationen befinden. Bleibt Lewandowski: Eh gut, auch wenn seine Kollegen beim 3:0 gegen Frankfurt vorführten, wie man ohne den in der Liga derzeit Gesperrten (und damit ohne zentrale Spitze) auskommen kann.

Geht er, so soll der Erlös bei 25 bis 30 Millionen liegen, also so irre hoch sein, dass die Dinge im BVB-Angriff langfristig weiter sortiert werden können. Noch ehe die WM 2014 in Brasilien die Preise auf dem Stürmermarkt ins Inflationäre treibt.

Allerdings wirkt auch das Kalkül des FC Bayern nur auf jene irreal, die es nicht in den großen Zusammenhang einordnen. Ohnehin unfassbar reich, werden die Werbemillionen für den Klub noch stärker sprudeln, nachdem Pep Guardiola sich für die Säbener Straße entschied und nicht den Offerten von Scheichs und Oligarchen ergab. Doch selbst ein Trainer, der vom FC Barcelona nur beste Zeugnisse mitbringt, braucht einen guten Start. Schon deshalb werden die Münchner alles dransetzen, dass Guardiola in seiner Premieren-Saison das Ziel nicht hinter Jürgen Klopp erreicht.

Käme nun Dortmunds Lewandowski, resigniert in München vielleicht Mario Gomez - beide Transfersummen könnten miteinander verrechnet werden. Es sind Optionen wie diese, die die Situation am Pokertisch noch verschärfen.