11. Februar 2013 13:34 Streit zwischen Hoeneß und Matthäus Ich weiß was, was du nicht weißt

Von Saskia Aleythe

Lothar Matthäus glaubt, Insiderwissen zu haben und posaunt einen angeblichen Lewandowski-Wechsel in die Welt. Uli Hoeneß kontert mit einer Anspielung auf Matthäus' Liebesleben. Hier geht es nicht um Sport - hier wird um Aufmerksamkeit gerangelt. Das Spiel verliert einer, der gar nicht mitgespielt hat.

Lothar Matthäus hat den Hals tief in den Mantel gezogen, die Hände in den Taschen vergraben. Dick eingepackt sitzt er in den Wintermonaten Woche für Woche neben den Fußballplätzen der Nation und kommentiert für den Bezahlsender Sky alles Mögliche und Unmögliche - was nicht jeden begeistert. Robert Lewandowski sei sich mit Bayern München einig, verkündete Matthäus am Samstag. Eine Behauptung, die Vereinspräsident Uli Hoeneß weder bestätigt noch dementiert - stattdessen greift er Matthäus an.

"Er hat sich in den letzten Monaten immer mit Frauen beschäftigt. Jetzt diskutiert er plötzlich über neue Spieler beim FC Bayern", sagt Hoeneß über Matthäus bei Sport 1 in recht unspontaner Manier, "scheinbar hat er sein Jagdfeld etwas verändert."

Auf die Nachfrage, warum er als Präsident den Wechsel des Dortmunders weder bestätige noch dementiere, ergänzt er: "Warum sollen wir Sachen dementieren, die uns derzeit nichts angehen? Wir haben keine Lust, jeden Tag Gerüchte zu dementieren. Dann würden wir gar nicht mehr zum Arbeiten kommen." Und die große Diskussion - gebündelt am Spiel-Wochenende - würde natürlich ebenso entfallen.

Dieses Casino der Eitelkeiten, in dem sich so manche Experten, Verantwortliche und Vereinsköpfe tummeln, lässt den sportlichen Wettbewerb manchmal zur Randnotiz verkommen. Erst brüstet sich der ehemalige Bayern-Profi Matthäus mit geheimen Informationen über den meistdiskutierten Wechsel der Liga, dann übertrumpft Hoeneß das durch eine geschmacklose Attacke, die er als vermeintlichen Gag tarnt. Die Spielregeln sind klar: Es muss schon hoch gepokert werden, um überhaupt noch aufzufallen. Meistens ist das Spiel beeindruckender als der Ertrag, übertüncht das affektierte Kokettieren mit Gerüchten deren Gehalt.

Matthäus ist derweil fest von seinen Quellen überzeugt und spricht in einer anschließenden Diskussionsrunde bei Sky über einen geheimen Insider. "Aus sicherer Quelle - von einem, der es wissen muss - habe ich mitbekommen, dass Lewandowski mit Bayern einig ist", wiederholt er seinen Kenntnisstand. Matthäus wirkt dabei hoch zufrieden mit sich selbst und seinen guten Kontakten.

Und er sieht sich - selbstverständlich - in journalistische Pflichten genommen: "Wenn man solche Informationen hat - und in dem Fall bin ich kein Trainer, sondern Sky Experte -, bin ich in der Verpflichtung, diese Information nach außen weiterzutragen."

Vom Zeitpunkt des Wechsels habe er nichts erfahren, sagt der 51-Jährige weiter. Eine Prognose lässt sich Matthäus aber nicht nehmen: "Ich gehe davon aus, dass, wenn man Lewandowski haben kann, auch für einen Batzen Geld, der FC Bayern interessiert ist, so einen Spieler so schnell wie möglich nach München zu locken." Bereits am Samstag hatte er verkündet, Lewandowski passe seiner Ansicht nach besser ins System Pep Guardiola als Mario Gomez.

Natürlich kontert Matthäus auch Hoeneß' Attacke auf sein Privatleben. "Ich finde es überflüssig, dass man hier persönlich wird", sagt er gelassen, "wenn Uli Hoeneß sich auf den Schlips getreten fühlt, dann attackiert er. So kennen wir ihn. Und das gehört auch zu Uli Hoeneß." Touché.

Groteske Formen nehmen die Debatten des Wochenendes in Gestalt von Olaf Thon an. Der ehemalige Schalker sitzt ebenfalls in der illustren Diskussionsrunde um Lothar Matthäus und steigt übermütig ins Roulette der Aufmerksamkeit ein - und setzt völlig überraschend alles auf Kritik an Bastian Schweinsteiger. Damit konnte niemand rechnen.

"Schweinsteiger ist ein Spieler, der immer weiter zurückgehen wird, weil er die Schnelligkeit einfach nicht mehr hat. Auf der Position braucht man Schnelligkeit, Aggressivität", sagt Thon und mutmaßt, dass sich Schweinsteiger in Konkurrenz zu Ilkay Gündogan vielleicht noch zur nächsten Weltmeisterschaft retten kann. "Aber dann wird es ähnlich geschehen wie bei Ballack, dass dann andere nachrücken."

Aus all der Eigenwerbung für Matthäus, Thon und die beteiligten TV-Sender geht nur einer als Verlierer hervor: Borussia Dortmund. Im ganzen Lewandowski-Trubel gab es für den BVB eine schmerzliche Niederlage gegen den HSV, noch dazu Rot für den gefragten Stürmer. Perfekt übrigens auch für den FC Bayern. Ein wenig Unruhe beim stärksten Konkurrenten gefällt den Münchnern gewiss besonders gut.