WM 2006 DFB-Affäre: Niersbach unterschrieb brisante Steuererklärung

Seine Rolle in der Affäre um die Überweisung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa ist dubios: Wolfgang Niersbach.

(Foto: dpa)
  • Warum die Staatsanwaltschaft in der DFB-Affäre gegen Wolfgang Niersbach ermittelt, wird immer klarer: Er unterzeichnete 2007 die angeblich falsche Steuererklärung.
  • Niersbach war erst wenige Tage zuvor zum Generalsekretär berufen worden. Die Steuererklärung war aber wohl schon lange fertig.
  • Für seine Nachfolge als DFB-Boss ist eine Doppellösung möglich.
Von Johannes Aumüller, Thomas Kistner und Klaus Ott

Sportlich endete das deutsche Sommermärchen am 9. Juli 2006, aber aus finanzieller Sicht war die Weltmeisterschaft im eigenen Lande noch lange nicht vorbei. Es folgte der Kassensturz, und erst knapp eineinhalb Jahre später, im Herbst 2007, gab der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auch seine Steuererklärung dazu ab. Unterzeichnet war sie von dem Funktionär, der kurz zuvor zum Generalsekretär des Verbandes aufgerückt war: Wolfgang Niersbach.

Dass Niersbachs Name unter diesem Dokument steht, erklärt offenkundig, warum die Staatsanwaltschaft Frankfurt auch gegen ihn wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem schweren Fall ermittelt. Denn in dieser Steuererklärung wurden die berühmten 6,7 Millionen Euro beim Fiskus als Betriebsausgaben geltend gemacht, obwohl sie falsch deklariert waren.

Wie einst bei Al Capone

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Offiziell überwies das Organisationskomitee für die WM im April 2005 diesen Betrag dem Weltverband Fifa als Zuschuss für die damals noch geplante und später abgesagte Auftaktgala des Turniers. Unterzeichner waren Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt, beide Vizepräsidenten des OK. Doch dieser Betreff war objektiv unrichtig, wie man heute weiß. Tatsächlich sollte via Fifa eine alte Schuld beim früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus elegant beglichen werden.

Niersbach war am 26. Oktober 2007 vom Bundestag des DFB in Mainz zum neuen Generalsekretär bestimmt worden, als Nachfolger von Schmidt. Wenige Tage später unterzeichnete er in diesem Amt nach Angaben aus Verbandskreisen die Steuererklärung für 2006, die zu diesem Zeitpunkt aber schon lange fertig gewesen sein soll. Damals machte sich offenbar niemand im Verband Gedanken darüber, aber heute hat dieser zeitliche Ablauf böse Folgen für den inzwischen zum Verbandschef aufgestiegenen Niersbach.