Überhöhte Taxi-Rechnungen in Berlin "Lassen Sie sich nie von einem Fahrer ansprechen"

In Berlin steigt die Zahl der Taxifahrer, die ihre Gäste abzocken. Zuletzt zahlten Touristen fast 200 Euro für eine Fahrt, die ein Zehntel hätte kosten sollen. Jetzt fürchtet die Branche um ihren Ruf. Wie sich Gäste gegen Wucher wehren können, erklärt Uwe Gawehn, Geschäftsführer der Berliner Taxi-Innung.

Interview: Dorothea Grass

Taxis am Berliner Flughafen Tegel. "Schwarze Schafe" unter den Taxifahrern haben in diesem Jahr in etwa 120 Fällen ihre Fahrgäste geprellt - die Dunkelziffer nicht mitgerechnet. 

(Foto: dpa)

Im vergangenen Jahr wurden mehr als hundert Fälle von überhöhten Taxirechnungen in Berlin bekannt. Uwe Gawehn, selbst Taxiunternehmer und Geschäftsführer der Taxi-Innung Berlin, fordert ein härteres Vorgehen gehen die "schwarzen Schafe in den eigenen Reihen". Seine Innung arbeitet nun mit dem Landeskriminalamt, dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, dem Flughafen Tegel und anderen Taxiverbänden zusammen, um Fahrgäste aufzuklären und Betrügern das Leben schwerer zu machen. Im Interview mit Süddeutsche.de erklärt Gawehn, wie sich Taxigäste schützen können.

Süddeutsche.de: Herr Gawehn, immer wieder hört man von Fahrgästen in Berlin, die von Taxifahrern um Geld betrogen wurden. Was ist bei Ihnen los?

Uwe Gawehn: Wir haben nun schon einige Monate lang das Problem, dass Touristen abgezockt werden. Schuld sind ein paar wenige Taxifahrer in Berlin, aber das bringt natürlich negative Schlagzeilen und wir müssen uns dagegen wehren.

Wie viel zahlten die Touristen denn drauf?

Bei einem Fall ging es um eine Strecke, die normalerweise etwa 25 Euro kostet. Es wurden aber 180 bis 200 Euro verlangt. Das war eine Tour vom Flughafen Tegel in die Stadtmitte von Berlin. So etwas können wir uns nicht bieten lassen.

Aber die Touristen haben den Wucherpreis bezahlt?

Ja, da wundere ich mich selbst. Bei so einem Preis, der so offensichtlich unverschämt ist! Ich würde in der Taxe sitzenbleiben und die Polizei rufen.

Was kann ein Gast noch tun, wenn er den geforderten Preis für zu hoch hält?

Falls er sich nicht traut, das direkt mit dem Taxifahrer auszumachen, sollte er sich auf jeden Fall eine Quittung geben lassen. Dann vergleicht er die Konzessionsnummer, die deutschlandweit in Taxis hinten in der Heckscheibe steht, mit der Konzessionsnummer auf der Quittung. Der Fahrgast sollte sich den Preis und die Fahrtstrecke, das heißt Abfahrtsort und Zielort, schriftlich bestätigen lassen. Diese Quittung legt er der zuständigen Aufsichtsbehörde vor. In Berlin ist das die Labo (Anm. d. Red: Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten). Wenn die Beamten dort feststellen, dass der Preis für diese Strecke nicht gerechtfertigt war, bekommt der Fahrgast Geld zurück.

Wie schütze ich mich schon vor dem Einsteigen vor Betrug?

Gehen Sie bei den Flughäfen oder Bahnhöfen immer zu den offiziellen Taxihalteplätzen und lassen Sie sich nie von einem Fahrer ansprechen. Sollte mich einer von sich aus anwerben wollen, würde ich stutzig werden - auch im Ausland.

Wie viele Leute haben sich gemeldet, die in letzter Zeit geprellt wurden?

Wir haben uns mit dem Landeskriminalamt unterhalten und wissen jetzt, dass etwa 120 Anzeigen für das Jahr 2012 vorliegen. Es wird noch eine Dunkelziffer dazukommen. Wenn man das insgesamt sieht: Wir machen 50.000 Taxifahrten allein an einem Tag, diese Vorfälle befinden sich also im Promillebereich. Trotzdem ärgert es uns sehr.

Sie haben von "schwarzen Schafen in den eigenen Reihen" gesprochen. Was passiert mit Taxifahrern, die von ihren Fahrgästen zu hohe Preise verlangen?

Das Problem ist, sie überhaupt dingfest zu machen. Meistens wird in dem Augenblick, in dem der Fahrgast aussteigt, nicht die Polizei dazugerufen. Man muss die Taxifahrer also im Nachhinein ermitteln, das bereitet große Probleme.