TippsReiseziele für 2016

Wohin soll es in diesem Jahr in den Urlaub gehen - und warum ausgerechnet in dieses Land, in diese Stadt?

Marokko

Wo kann man denn eigentlich noch hin, wenn man sich für islamische Kultur, für deren überwältigende Gastfreundschaft, für islamische Architektur und Kunst interessiert? Syrien liegt in Trümmern, Ägypten hat nur noch Bade-, aber keine Kulturtouristen mehr, zu groß sind die Ängste. Das hoffnungsvolle Tunesien wurde 2015 von Terroristen in Geiselhaft genommen, Libyen und Algerien sind No-go-Zonen.

In ganz Nordafrika gibt es zurzeit nur ein Land, das man normal bereisen kann: Marokko. König Mohammed VI. fährt hier einen klugen Kurs zwischen politischen Reformen und sozialen Verbesserungen. Der Regierungschef gehört dem gemäßigten politischen Islam an, Frauen wurden gesetzlich gleichberechtigt. Natürlich gibt es auch hier ein allgemeines Anschlagsrisiko, aber es ist wohl nicht höher als in Berlin oder London. Das Auswärtige Amt attestiert dem Land eine "gute touristische und sicherheitspolitische Infrastruktur".

Marokko bietet enorme landschaftliche Vielfalt. Von den Viertausendern des Hohen Atlas über die Sahara bis hin zu den Stränden von Agadir, an denen auch immer mehr Deutsche Badeurlaub machen. 20 Prozent mehr Übernachtungen deutscher Gäste gab es hier 2015 im Vergleich zu 2014. Nur am Strand zu liegen wäre in diesem Land allerdings eine Schande. Nicht nur im bekannten und viel besuchten Marrakesch, sondern auch in Meknès oder der alten Königsstadt Fes kann man eintauchen in den Orient: ein Gespinst aus Gassen, die nach Zünften geordnet sind - hier die Tischler, da die Metzger, dort die Pantoffelschuster. Im Gerberviertel schuften Männer wie vor Hunderten Jahren mit Tierhäuten über Steinbecken, die wie eine riesige Farbpalette aussehen. "Als wäre sie ein monströses Tier", schrieb der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes, "steckt Fes die Zeit in einen Käfig und mästet sie, statt sich von ihr verschlingen zu lassen."

Hans Gasser

Im Bild: Eine Frau in den Altstadtgassen von Rabat

Bild: Reuters 7. Januar 2016, 09:152016-01-07 09:15:38 © SZ.de/ihe/kaeb/sks