Südtirol Genussfaktor Italien

Gutes Wetter, gutes Essen, guter Schnee: In den Dolomiten ist nicht nur Skifahren wichtig.

Von Viola Schenz

Jeden Winter dieselbe Frage: "Wie, ihr fahrt wieder nach Südtirol? In dieses Kaff?" Ja, genau, ins Kaff. 93 Einwohner, eine Handvoll Hotels und Pensionen, keine Läden, nicht mal einer für Lebensmittel, null Nachtleben: Obereggen, Autobahnabfahrt Bozen, das Ende des Eggentals, für manche das Ende der Welt. Deswegen will keiner der Kollegen verstehen, warum es einen immer wieder hierher nach Südtirol zieht. Und zugegeben, man ging zwischendurch auch mal fremd, Samnaun, Lenzerheide, Hochsölden, einfach so aus Neugier, nur um im Jahr darauf reumütig ins langweilige Obereggen zurückzukehren.

Ski Wintersport Italien, visitfiemme.it

Neben den sicheren Pisten genießt man in Obereggen auch die italienische Lebensart.

(Foto: Foto: visitfiemme.it)

Es gibt nämlich Faktoren, die Skifahren in den Dolomiten unschlagbar machen. Das Wetter zum Beispiel. Alpensüdseite, hier scheint fast immer die Sonne. Sonne und eisblauer Himmel sind wichtig, weil dann die Zacken des Latemarmassivs noch zackiger wirken. Außerdem wecken sie wunderbare Kindheitserinnerungen, ans Dolomiti-Steckerl-Eis, dessen Spitzen das Bergmassiv so naturgetreu nachbildeten.

Südtirol = Italien = gutes Essen

Überhaupt, Eis. Wo Südtirol ist, ist Italien, wo Italien ist, ist gutes Essen. Im Hotel sowieso (ja, selbst Spitzenköche lassen sich ins Kaff locken) und auf den Pisten auch. Selbst in der abgelegensten Hütte schmecken die Spaghetti wie beim Münchner Lieblingsitaliener. Keine Ahnung, wie die das in ihren minimalistischen Blockhausküchen mitten im Schnee immer wieder so gut hinkriegen. Es muss an der italienischen Unkompliziertheit liegen, am "Va bene", das bis hinauf in die Alpen dringt und auch in dünner Luft das Lebensgefühl bestimmt.

Und dann die Pisten. Auf einen Einwohner kommt mindestens eine Schneekanone. Manche finden Kunstschnee degoutant, viele lieben ihn mittlerweile, weil er feines Pulver bildet und kaum versulzt oder vereist. Den Kunstschnee braucht es, weil hier die Sonne zu viel scheint. Sonnengarantie und Schneesicherheit, eigentlich natürliche Feinde, koexistieren hier harmonisch.

Für Harmonie sorgen auch die eleganten Wedler. "Carabinieri" steht hinten groß auf ihrem Anorak. Die Skipolizisten haben es auf Pistensäue abgesehen. Sie fahren in der Masse mit, beobachten die Kreuzungen oder tauchen mal eben aus dem Nichts auf.

Ganz unitalienisch sorgen sie für Ordnung, stellen Raser zur Rede, rügen Pistenregelbrecher, erteilen zur Not Fahrverbote. Das garantiert zwar keine Sicherheit, aber es schreckt die Rüpel ab, die in den vergangenen Jahren in den Alpen so viele - tödliche - Unfälle provoziert haben.

Wenn sich noch die Hotels so schnell wie möglich aus dem albernen, antiquierten Bettenwechsel-am-Wochende-Rhythmus ausklinken würden und es ihren Gästen freistellten, an welchem Tag der Woche sie anreisen und wie lange sie bleiben, dann, ja dann wäre das hier fast ein kleines Wintersportparadies.