Fußball-WM Auf nach Russland!

Basilius-Kathedrale am Roten Platz in Moskau

(Foto: AFP)

Auch wenn man das Regime unsympathisch findet: Die Menschen in Russland sind es nicht. Wer das Land bereist, erlebt große Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft.

Kommentar von Hans Gasser

Natürlich können einem Putin und sein Regime unsympathisch sein. Krimkrieg und staatliches Doping, der Abschuss des Flugzeugs MH17, für den russische Streitkräfte verantwortlich gemacht werden und bei dem fast 300 Menschen getötet wurden. Aber soll man deshalb nicht nach Russland reisen? Nein, natürlich soll man reisen, und zwar aus mehreren Gründen: Zum einen darf man das Regime niemals gleichsetzen mit den Menschen, die in diesem Land leben. Wer sich einmal nach Russland wagt, wird schon bei der Einreise am Flughafen feststellen, dass es dort deutlich angenehmer zugeht als etwa in den USA. Niemand nimmt einen ins Kreuzverhör, kurze Visumkontrolle, und schönen Tag noch!

Gerade jetzt, anlässlich der Fußball-WM, bietet sich die Chance, das im Westen oft sehr negative, medial geprägte Russlandbild mal vor Ort abzugleichen. Viele Russinnen und Russen freuen sich auf das Fußballfest, sie werden sich von ihrer besten Seite zeigen. Wer unvoreingenommen durch das Land reist, wird überall auf Interesse, Hilfsbereitschaft und große Gastfreundschaft stoßen. Dabei lohnt es sich, aus den Zentren hinauszufahren, etwa mit einem der hochmodernen Schnellzüge, die für registrierte Fußballfans auch noch kostenlos oder sehr günstig sind.

In und zwischen Städten wie Nischni Nowgorod, Kasan oder Jekaterinburg gibt es viel zu entdecken, ganz einfach, weil so vieles anders ist als im recht uniformen Westeuropa. Und ist das nicht der Hauptanreiz des Reisenden, zu sehen und zu hören, wie es da ist, wo es nicht so ist wie zu Hause?

Wo die Leute anders arbeiten und anders essen und vor allem: anders denken? Im Westen diskutiert man gerade über Overtourism, tritt sich auf Mallorca, in Amsterdam und Südtirol gegenseitig auf die Füße. So gesehen, also aus der Sicht des Reisenden, ist Russland ein ungehobener Schatz. Das größte und wohl vielfältigste Land der Erde - bis auf Moskau und St. Petersburg weitgehend touristisches Niemandsland! Noch hat die Regierung das ökonomische Potenzial des weltweit wachsenden Tourismus nicht erkannt. Doch über kurz oder lang wird Russland sich ihm öffnen. Zurzeit ist es noch etwas für Pioniere, die später einmal sagen können: Was, Kasan? Da war ich schon 2018. Aber jetzt ist es mir da zu voll.

Russland, vom Zug aus gesehen

Impressionen aus Holger Fritzsches Buch "Wodka. Weite. Abenteuer" über Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn. mehr...