Kuriose StadtführungWien kann so hässlich sein

Ein Engländer, der bei der "Vienna Ugly Tour" die scheußlichsten Gebäude Wiens zeigt? Das gefällt sogar Österreichern.

Eine Touristengruppe steht vor dem Johann-Strauss-Denkmal im Wiener Stadtpark: Nicht obwohl es ausgesucht kitschig ist, sondern gerade deswegen. Die goldglänzende Statue des "Walzerkönigs" erinnert eher an Schlager-Geiger André Rieu mit aufgeklebtem Schnurrbart - die halb entblößten Marmorfiguren, die wohl Musen sein sollen, machen den Anblick auch nicht besser. Dieses viel fotografierte Denkmal versinnbildlicht alles, was Tourguide Eugene Quinn an Wien hasst. Der Engländer veranstaltet einmal monatlich die "Vienna Ugly Tour", bei der er den Besuchern eine ganz besondere Seite von Wien zeigt: die hässlichste.

Nun ist Wien nicht unbedingt eine hässliche Stadt. Sie mag zuweilen morbide und abweisend wirken, aber selbst an einem grauen Januartag mit Nieselregen ist der erste Bezirk mit seinen Prachtbauten gut besucht: Zahlreiche Touristenbusse parken auf dem Heldenplatz. Es ist schwierig, nicht in eines der vielen Fotos zu laufen, die Urlauber vom nostalgische Wien knipsen. Genau diesem makellosen Stadtbild will Eugene Quinn etwas entgegensetzen. Und das kommt an, sogar und vor allem bei den Wienern: Viele Teilnehmer seiner Tour zu den skurrilsten Bauten und Bausünden leben in der Stadt.

Bild: Cosima Weiske 28. Januar 2016, 09:092016-01-28 09:09:42 © SZ.de/kaeb/dd