Kolumne "USA, Land der Fettnäpfchen" You can call me beer

Wie heißen Sie noch mal? Reisende mit schwierigen Vornamen benennen sich am besten um.

(Foto: AFP)

Wer Michael, Sandra oder Fred heißt, ist auf USA-Reisen klar im Vorteil: Sein Vorname wird verstanden. Unsere Autorin hingegen kommt bei jeder Vorstellungsrunde dem Wahnsinn ein Stück näher.

Von Beate Wild, San Francisco

Seit ich in San Francisco bin, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben über eine Namensänderung nachgedacht. Und zwar des Vornamens. Meine Eltern haben mich Beate getauft, weil sie das in den Siebzigern schick fanden und es auf Lateinisch "die Glückliche" heißt.

Wie das so ist mit der elterlichen Namenswahl: Heute nennt mich jeder "Bea". Kein spektakulärer Name, aber ich konnte gut damit leben, was ja auch eine Art von Glück ist. Das war vor den USA.

Hier treibt mich mein Vorname in den Wahnsinn. Sage ich, wie ich heiße, blicke ich in fragende Gesichter. Weder Beate noch Bea sind geläufig. Auch buchstabieren bringt mich nicht weiter. "B - E - A ... B! E! A!", wiederhole ich gebetsmühlenartig vor dem Herrn im Mobilfunk-Laden, der mich auf die zwingend notwendige Warteliste setzen soll. Irgendwann nickt er, offenbar hat er endlich verstanden. Oder will mich loswerden.

Nach einer Viertelstunde erscheint ein neuer Name auf der Anzeigetafel: Als Nächster ist "Pierre" an der Reihe. Ich kenne keinen Pierre und reagiere nicht. "Pierre, Pierre - who is this?", ruft eine Beraterin durch den Laden. Kein Kunde rührt sich. Sie baut sich vor mir auf: "You are Pierre!", sagt sie resolut. "My name is Bea", widerspreche ich. "Pierre, there you go!" meint sie leicht genervt. Meinen Protest lässt sie starr lächelnd verhallen. Dass Pierre ein Männername ist, nun, den Europäern ist doch alles zuzutrauen. Erst recht so renitenten wie diesem Exemplar vor ihr.

Bei anderen Gelegenheiten werde ich mit Pia, Reha oder Bear angesprochen. Einmal freute sich ein Kerl tierisch, dass ich B.A. heiße. Sie erinnern sich? B.A. Baracus aus der 80er-Jahre-Action-Serie "Das A-Team"? Das von Schauspieler Mr. T. verkörperte Muskelpaket mit Irokesen-Haarschnitt und geschätzt tausend Goldketten um den Hals? Stets schlecht gelaunt und allzeit bereit, seine Fäuste auch zu gebrauchen.

Mr. T als "B.A. Baracus" (hinten) zürnt: Co-Star George Peppard nennt ihn heute wieder nicht "Bear".

(Foto: Reuters)

B.A. soll für "bad attitude" stehen, aber vielleicht hieß Mr. Baracus ja auch ganz anders? Und hatte es nur aufgegeben, ständig zu wiederholen: "Ich heiße Bear, nicht B.A., B!E!A!R!" Das würde auch die schlechte Laune erklären.

Ich begann ebenfalls, eine negative Haltung zu entwickeln. Auch dem Gebrauch der Fäuste war ich nicht mehr völlig abgeneigt.

Immerhin stehe ich mit dem Namensproblem nicht allein da. Viele deutsche Namen bringen die Amerikaner nicht über die Lippen: Johannes, Ludwig, Günther, Helmut, Astrid, Sabine, Mareike, Annette - auch sie haben Pech. Wer will schon "Tschohänsel", "Helmet" oder "Enniti" gerufen werden? Eben. Viele Asiaten hier haben sich in ihr Schicksal ergeben und sich einen neuen amerikanischen Namen zugelegt: Aus Phuong wird Fanny, aus Minh wird Mike.

Neulich war ich es ebenfalls leid. "What's your name?" "Bea" "Ah, beer!?" "No, Bea." "Beer" "Bea!" "Beer!" Dann gab ich auf: "Okay, you can call me beer." Eigentlich hätte ich mir meinen neuen Namen anders vorgestellt.

Leser-Umfrage "Beer" statt Bea: Und was wurde auf Reisen aus Ihrem Namen?
” Die Aussprache der englischsprechenden Menschen die meinen Namen mit Börnt verhuntzten habe ich immer gekontert: I may be tanned, but not burnt. Das Gelächter war immer zu meinen Gunsten und in Zukunft bemühte man sich den Namen richtig aus zu sprechen.

In der Kolumne "USA, Land der Fettnäpfchen" schreibt unsere Autorin Beate Wild wöchentlich aus San Francisco über alltägliche Sitten und Unsitten in den Vereinigten Staaten.