Kolumne "USA, Land der Fettnäpfchen" Gestehe, Weißwurst-Schmuggler!

Die USA heißen Neuankömmlinge mit herzlichem Misstrauen willkommen.

(Foto: AFP)

Mit reinem Gewissen will unsere Autorin ihr neues Leben in San Francisco starten. Doch bei der Einreise merkt sie: Hier geht es um die Wurst. Sitten und Unsitten in den USA.

Von Beate Wild, San Francisco

Beim Landeanflug auf San Francisco sah ich Tage am Strand, Fahrten mit den Cable Cars und ein paar übriggebliebene Hippies vor mir, natürlich mit Blumen im Haar. Dass mein erstes kalifornisches Erlebnis mit Würsten und grimmigen Beamten zu tun haben würde, konnte ich nicht vorhersehen.

Meine gesamten Habseligkeiten waren in zwei monströse Koffer gezwängt, dazu kam ein Handgepäck-Caddy, der ebenfalls die maximal erlaubte Grenze erreichte. Schließlich hatte ich für zwei Jahre und nicht für zwei Wochen gepackt.

Noch im Flugzeug bekam jeder Einreisewillige, ob Tourist oder nicht, von der Stewardess ein Formular serviert: Wer hat was zu verzollen? Nach ausführlichem Studium des Formulars war mir klar: Ich hatte nichts, rein gar nichts vorzuweisen.

Beschwingt stieg ich aus in mein neues Leben, da versuchte schon der erste Beamte, mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen: Ob ich mir mit dieser Nichts-zu-verzollen-Angabe wirklich sicher sei, fragte er streng. Ja, ganz sicher. Klamotten, Schuhe, Laptop, ein paar Bücher - da gibt es nichts zu verzollen. Ehrlich.

Für mich war die Frage geklärt, für die Einreisebeamten nicht: Allein zwischen Gate und Gepäckband bekam ich die Zollfrei-Frage weitere drei Mal zu hören - jeweils von einem freundlichen, aber sehr bestimmten Uniformierten. Schließlich wachen sie über die Einfuhrbestimmungen in die USA, und die sind sehr streng: Pro Person darf man zwar 200 Zigaretten, einen Liter Alkohol (wenn man das Glück hat, älter als 21 Jahre alt zu sein) und Geschenke im Wert von bis zu hundert Dollar mitnehmen.

Verboten sind aber Obst, Fleisch sowie Fleischprodukte in Dosen, landwirtschaftliche Produkte und andere fragwürdige Lebensmittel wie belegte Sandwiches. Immerhin Schokolade ist erlaubt, aber wahrscheinlich auch nur in Maßen.

Endlich ruckelte das Gepäckband mit meinen Monsterkoffern heran. Mit einiger Anstrengung hievte ich die beiden Schwergewichte herunter. Ich schwitzte. Als ich Richtung Ausgang eilte, stellte sich mir ein dicker, großer Beamter in den Weg, schon wieder. Der Bulle von Tölz, schoss es mir durch den Kopf. Doch dieses Exemplar blickte entschieden grimmiger. Er taxierte die Schweißperlen auf meiner Stirn und interpretierte sie als Angstschweiß. Ob ich etwa Essen einführen würde?

Deutscher ohne Wurst? Gibt's ja gar nicht!

Neihein, beteuerte ich nun schon zum fünften Mal. Ganz sicher nicht, so habe ich es doch auch im Formular angegeben! Sie wissen schon, das Formular aus dem Flugzeug! Aber in den beiden großen Koffern, da seien doch bestimmt ein paar Mitbringsel aus Deutschland, fragte er und grinste verschwörerisch. Sicher ein paar "sausages"? Oder "ham"?

Offenbar passte ich in die Rasterfahndung nach Reisenden, die einen kleinen bayerischen Feinkostladen einschmuggeln (die Bazis, die elendigen!). Immerhin blieb er höflich, als er mich von der Masse der Ankommenden trennte und zu einem separaten Bereich mit Kofferscannern leitete. Jetzt würde der wahre Inhalt meiner Gepäckstücke ans Licht kommen.

Ich musste die tonnenschweren Koffer wieder auf ein Band zum Röntgen wuchten. Eine ältere Zollbeamtin übernahm die verdächtigen Objekte. Gespanntes Warten. Leises Schmatzen vom Grenzbeamten. Sabberte er etwa?

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Meine Knie zitterten, nicht wegen der Anstrengung. Was, wenn die Freunde in München heimlich eine Weißwurst gegen das Heimweh ins Gepäck geschmuggelt hatten? Als schöne Überraschung? Eine Sportwaffe, ja, das wäre etwas anderes, nämlich ganz legal. Diese hätte ich nun stolz den Grenzbeamten präsentieren können (auch wenn ich die Waffe besser nicht ohne Vorwarnung gezogen hätte). Aber hier ging es um die Wurst.

Nach fünf sehr langen Minuten knurrte die Frau: "No food!" Sie machte eine knappe Armbewegung, die in etwa heißen sollte: "Mist, nichts gefunden. Jetzt geh' mir schleunigst aus den Augen." Der "Bulle von Tölz" wirkte nicht minder enttäuscht. Bestimmt hätte er sich gerne die Beweise gesichert.

In der Kolumne "USA, Land der Fettnäpfchen" schreibt unsere Autorin Beate Wild nun wöchentlich aus San Francisco über alltägliche Sitten und Unsitten in den Vereinigten Staaten.