Kalifornien-Kolumne Warten auf Godzilla-Niño

Erst kommt die Hitze, dann der Regen. Und Sturm. Im Jahr von El Niño ist alles möglich.

(Foto: Illustration: SZ.de/Jessy Asmus, Yinfinity)

Eigentlich ist es in San Francisco nie so heiß wie gedacht, dank "Karl the Fog". Doch in diesem Sommer war sogar das Meer warm - kein Grund zur Freude.

Von Beate Wild, San Francisco

Wenn Kalifornien so weiter macht, kann Hawaii bald einpacken. Nicht wegen der durchtrainierten Surfer mit ihren Sixpacks - davon haben wir hier schon seit längerem mindestens genauso viele wie auf den Inseln. Nein, wegen der außergewöhnlich hohen Sommertemperaturen in diesem Jahr: Sogar im sonst angenehm frischen San Francisco haben die Menschen geschwitzt wie in einer finnischen Sauna. Die alten viktorianischen Häuser, wie etwa mein 119 Jahre altes Haus aus Holz, speichern die Hitze in ihren vier Wänden. Moderne Klimaanlagen gibt es in diesen Gebäuden nicht. Wozu auch?

Normalerweise sorgt "Karl the Fog", wie der Nebel in San Francisco genannt wird, für die nötige Abkühlung. Doch auf Karl war in diesem Sommer kein Verlass, er glänzte durch Abwesenheit. Sollte das mit dem Klimawandel so weitergehen, muss man sich um Karl ernsthaft Sorgen machen.

Auch der Pazifik war wärmer als sonst. Normalerweise kommt selbst das Beach-Paradies Santa Monica nie über 20 Grad Celsius Wassertemperatur. In San Francisco trauen sich ohne Neopren-Anzug bei maximal 16 Grad sonst nur die ganz Harten in die Wellen. Touristen, vor allem aus Europa, sind oft herb enttäuscht, wenn sie merken, dass der Ozean doch kälter ist als die heimische Badewanne respektive die Badewanne Mittelmeer. Doch dieses Jahr war alles anders. Bis zu vier Grad mehr als üblich wurden gemessen. Ein Wunder? Nein, wohl eher El Niño, der sich so ankündigt. Doch er ist ein schwer einzuschätzender Gast.

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Der Höhepunkt des Wetterphänomens, das etwa alle sieben Jahre Regenmassen an die Pazifikküste bringt, wird für diesen Winter erwartet. Für die bereits vier Jahre andauernde Dürre in Kalifornien wären die Regenfälle von El Niño eine sehnsüchtig erwartete Linderung, sie würden hoffentlich auch den Waldbränden ein jähes Ende bereiten. Was allerdings eher beängstigt: Die Rede ist von einem "Godzilla El Niño" mit besonders schlimmen Stürmen - wie damals im Winter 1997/1998, als furchtbare Tornados tobten.

Als Vorboten hat El Niño "The Blob" geschickt, so werden die großen Massen warmen Wassers vor der Küste Nordamerikas genannt. Das ist gut für die Badegäste, aber schlecht für die Meeresbewohner.

Und vermutlich noch viel schlechter für die Kalifornier, die sich in den nächsten Monaten - glaubt man manchen Wetterpropheten - auf ein Szenario irgendwo zwischen Venedig und der Apokalypse einstellen müssen.

In den eineinhalb Jahren, in denen ich in Kalifornien lebe, stand ich nur ein einziges Mal im echten Regen - niedlichen Sprühnebel zähle ich hier nicht dazu. "It never rains in California" ist höchstens ein ganz klein wenig übertrieben. Nur an diesem einen Tag schüttete es, wie man so schön sagt, wie aus Kübeln.