Britische Grenzbeamte streiken Olympische Spiele? Uns doch egal!

Die Welt schaut nicht nur auf London, sondern will auch noch hin. Diese Gelegenheit lassen sich britische Grenzbeamte im Arbeitskampf - darunter Kontrolleure am Flughafen Heathrow - nicht entgehen. Und nicht nur sie.

Von Katja Schnitzler

Stellen Sie sich vor, es sind Olympische Spiele, aber keiner kommt hin. Dieses Szenario malen sich britische Grenzbeamte aus. Nur belassen sie es nicht bei der Phantasie, sondern sie machen Ernst: Die Kontrolleure streiten gerade um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Da kommen ihnen die Wettkämpfe in London gerade recht.

So kündigte die britische Gewerkschaft für Staatsangestellte (PCS) an, dass Tausende Grenzbeamte am 26. Juli für 24 Stunden ihre Arbeit niederlegen werden. Das ist der Tag vor dem Start der Olympischen Sommerspiele. Damit werfen auch Kontrolleure am Londoner Flughafen Heathrow die Handschuhe hin und lassen den Körperscanner links liegen.

Dabei ist Heathrow schon jetzt ein Nadelöhr, das Zeit und Nerven kostet. Da sind viele Passagiere weit davon entfernt, die Lage sportlich zu nehmen: Sie mussten teilweise schon in den vergangenen Tagen mehrere Stunden warten, bis ihre Pässe geprüft wurden, woraufhin der Flughafen eilig weitere Mitarbeiter eingestellt hatte.

Die reichen wohl nicht aus, denn die Grenzbeamten haben schon angekündigt: Sie werden während der gesamten Sommerspielen keine Überstunden leisten. Wo kämen wir denn da hin, nur wegen so einem Massenauflauf im Arbeitskampf nachzugeben? Wenigstens die USA sorgen mal wieder für Sicherheit, zumindest für Passagiere in amerikanischen Maschinen, und entsenden eigene Beamte nach Heathrow.

Generell hakt es beim Thema Sicherheit bei den Sommerspielen: Schon vor einer Woche hatte die private Sicherheitsfirma GS4 einräumen müssen, dass ihre Sicherheitskräfte allein die Spiele nicht bewältigen können. Also muss die Armee einspringen, die 3500 zusätzliche Soldaten dafür abkommandiert.

Wer aber denkt, wunderbar, ich bin schon im Land, der kann trotzdem auf der Strecke bleiben: Auch die Lokführer erkannten die Gunst der Stunde und kündigten einen Streik zwischen dem 6. und 8. August an. Das trifft vor allem Reisende, die aus der Nähe nach London anreisen, zum Beispiel aus Sheffield, Nottingham oder Derby. Diese Fans müssen die Anfahrt dann vielleicht wirklich sportlich nehmen. Und eine Radtour einplanen.