Homestays in Thailand Hinter der "Stadt der drei Nebel"

Die Bäuerin Nakor (links) und ihr Mann Jaha zeigen ihre sieben Musikinstrumente - einige davon gibt es nur im Norden Thailands.

(Foto: Jutta Pilgram)

Urlaub bei Einheimischen: Das Volk der Schwarzen Lahu im Norden Thailands will den Tourismus ankurbeln - und setzt dabei auch auf eine ungewöhnliche Musik.

Von Jutta Pilgram

Nakor Phaiphetcharathip hatte in ihrem Leben nicht viel Gelegenheit, lesen und schreiben zu lernen. "Seit ich jung bin, arbeite ich auf dem Feld", sagt die 46-jährige Bäuerin. "Ich kenne nichts anderes." Doch dann holt sie ihr Handy hervor und tippt flink darauf herum. Sie sucht ein bestimmtes Foto auf ihrer Facebook-Seite. "Hier", ruft sie und zeigt ein Bild von einem langen Kerl in Trekkingsandalen, der mit einem Stock auf einem abschüssigen Acker herumstochert. "Dieser Gast wollte unbedingt die Feldarbeit kennenlernen."

Nakor und ihr Mann bieten sogenannte Homestays an. Das heißt, dass sie Touristen in ihr Haus aufnehmen und an ihrem Alltag teilhaben lassen. Die Kinder sind erwachsen, ein Raum der Hütte ist jetzt das Gästezimmer: zwei große Matratzen, darauf vier Kissen, ein paar ordentlich aufgerollte Decken, darüber zwei Moskitonetze. Von der Veranda schaut man ins Tal, Nebelschwaden gleiten zwischen urwaldgrünen Gipfeln dahin. Der Blick würde es rechtfertigen, dass hier täglich ganze Busladungen Touristen einen Fotostopp einlegen.

Doch der Tourismus in Ban Jabo ist erst am Anfang. In dem Dorf nahe der Grenze zu Myanmar leben 240 Menschen. Sie gehören zum Volk der Lahu, genau genommen der Schwarzen Lahu, da sie traditionell eine schwarze Tracht tragen. Eigentlich findet Nakor T-Shirts und Jeans praktischer, doch wenn Fremde die Dorfstraße entlanggehen, wirft sie schnell das schwarze Gewand über. Sie weiß, dass die Gäste in Ban Jabo das Ursprüngliche suchen.

Dazu gehört auch die Musik. Die Lahus sind berühmt für ihre originellen Blasinstrumente aus Bambus. Nakors Mann Jaha ist der beste Musiker im Ort. Er beherrscht sieben Instrumente, die bei Zeremonien in einer bestimmten Reihenfolge gespielt werden müssen, damit kein Unglück geschieht. Lässig trägt er ein paar Takte vor, die Enkel dürfen es auch probieren. Nakor zeigt ihre handgenähten Jacken, die geflochtenen Körbe und aus Bambus gefalteten Sterne, die Geister abhalten sollen.

15 Familien im Dorf bieten Homestays an. An drei Stellen des kleinen Ortes entstehen gerade Bambushütten, die an Touristen vermietet werden sollen. Doch nur ein Mann spricht Englisch. "Notfalls geht es auch mit Händen und Füßen", sagt Nakor. Sie lernt jetzt auch Buchhaltung.

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Der nächste größere Ort ist Mae Hong Son. Die "Stadt der drei Nebel" liegt eine gute Stunde südlich und war bis in die Fünfzigerjahre nur mit Elefanten zu erreichen. Heute gibt es eine gut ausgebaute Straße und einen kleinen Flugplatz. Doch noch immer ist der Ort so abgeschieden hinter den Bergen, dass Reisende bei ihrer Ankunft ein Zertifikat über 1864 bewältigte Kurven erhalten. Unter Motorradfahrern ist der Mae-Hong-Son-Loop, der von Chiang Mai über Pai und weiter südlich zurückführt, eine berühmt-berüchtigte Route.

Tawatchai Natipakorn sitzt auf der Terrasse seines Hotels und schaut auf ein Reisfeld, hinter dem gerade die Sonne versinkt. Der Rechtsanwalt aus Chiang Mai kam 1985 zum ersten Mal nach Mae Hong Son, damals selbst als Backpacker. "Ich verliebte mich sofort in diese friedliche Gegend", sagt er. "Und ich wollte dafür sorgen, dass alles so ursprünglich bleibt." Zunächst ließ er sich als Anwalt im Ort nieder. Doch es gab nichts zu tun. "Die Menschen hier streiten einfach nicht." Schließlich eröffnete er ein Öko-Hotel, das Fern Resort.

Natipakorn schwärmt von der Schönheit der Gegend und von Ban Jabo. Er begrüßt den "Community based tourism", zu dem auch Formen wie Homestay-Aufenthalte gehören. "Aber man muss es richtig machen", sagt er. Es dürften nicht nur einige Dorfbauern vom Homestay-Boom profitieren, die Einnahmen müssten gerecht verteilt werden. Pai, der Backpacker-Treffpunkt auf halbem Weg nach Chiang Mai, dürfte jedenfalls kein Vorbild sein. "Pai ist schon völlig verdorben", sagt Natipakorn.

Der Sohn der Bäuerin aus Ban Jabo hat in Chiang Mai studiert, Informatik und Fotografie. Eigentlich hatte sie gehofft, dass er einen gut bezahlten Job in der Stadt annehmen würde. Doch der Sohn will zurück nach Ban Jabo, zu der Veranda mit dem weitem Blick auf Berge und Nebelschwaden. Bald wird er in Ban Jabo ein Backpacker-Café eröffnen, erzählt die Bäuerin. Und es wirkt nicht so, als sei sie darüber sehr unglücklich.

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