Arlberg in Österreich Mit Ski in den Klettersteig

Ein schöner, kalter Grat: Auf dem Arlberger Winterklettersteig in einer Höhe von bis zu 2800 Meter sichert das Stahlkabel vor dem Absturz.

(Foto: imago)

Zweieinhalb Stunden über einen verschneiten Grat, die Ski am Rucksack verschnallt: Ein Winter-Klettersteig ist die letzte große Herausforderung für Freerider am Arlberg.

Von Hans Gasser

Ob das eine gute Idee war? Beim ersten Griff an das Drahtseil, eigentlich der Freund jedes Klettersteig-Gehers, kleben die Finger am Stahlkabel. Kein Wunder, es hat elf Grad minus. Und Wind. Gut, man könnte natürlich die Handschuhe anziehen. Aber damit hat man wenig Gefühl beim Klettern, beim Festhalten am Fels.

Und der Fels ist nur halb so kalt wie das Drahtseil. Was immer noch kalt ist, sich aber im Vergleich geradezu angenehm anfühlt. Der Fels ist mein Freund.

Luft nach oben

Freeride ist Trend, immer mehr Menschen bewegen sich abseits der gesicherten Pisten. Wo soll die Sehnsucht nach Tiefschnee noch hinführen? Von Dominik Prantl mehr ...

Seltsame Gedanken gehen mir durch den Kopf, während ich Frank Widmann hinterherklettere, auf dem Arlberger Winterklettersteig. Die geschäftstüchtigen Manager der Arlberger Bergbahnen dachten wohl, es reiche nicht, wenn sie ihrer jungen Klientel drei Dutzend Lifte, Hunderte Pistenkilometer und unzählige Freeride-Abfahrten im freien Gelände anbieten. Der ultimative Kick musste her. Klettersteig im Winter.

Frank Widmann führt solcherart Besessene diesen Grat entlang. Und er sagt: "Es gibt Schlimmeres, was man an einem kalten, sonnigen Wintertag machen kann." Er meint damit nicht nur den Klettersteig, sondern vor allem die 1500 Höhenmeter hinunterführende Abfahrt durch den Pulverschnee, die als Belohnung am Ende des Klettersteigs, auf der Rossfallscharte, auf uns wartet.

Widmann, dunkler Bart, helle Augen und Bergbauern-Zähigkeit, ist Skiführer und Chef der Skischule St. Anton. 70 Prozent seiner Arbeitszeit verbringt er mit Gästen im Tiefschnee. "Das Freeriden hat in den letzten Jahren massiv zugenommen", sagt er, "die meisten Leute wollen nicht mehr nur auf der Piste fahren."

SZ-Karte

Bis wir zum Skifahren kommen, ist es aber noch ein weiter Weg, zweieinhalb Stunden über einen Grat, hinauf, hinunter, wieder hinauf, immer auf einer Höhe zwischen 2600 und 2800 Metern. Rechts geht der Blick bis ins Rätikon, links über den Hohen Riffler hinweg bis zu den Ötztaler und Pitztaler Dreitausendern. Das ist landschaftlich außergewöhnlich schön, hat etwas von den Westalpen, als wäre man in noch höherem, wilderem Terrain.