Wulff und die Maschmeyer-Zahlung Verlage halten Buch-Deal für fragwürdig

Der Verlag Hoffmann und Campe springt Bundespräsident Wulff zur Seite und bestätigt die Darstellung des Unternehmers Maschmeyer zu den Werbeanzeigen für das Wulff-Buch "Besser die Wahrheit". Das sei "ein absolut normaler Vorgang". Nachfragen von sueddeutsche.de in der Verlagsbranche ergeben ein anderes Bild: Dort heißt es, das Vorgehen sei "verrückt".

Von Michael König und Oliver Das Gupta

Einen gebrauchten Christian Wulff gibt es schon für 2,49 Euro. 224 Seiten lang, gebunden, erschienen 2007 im Verlag Hoffmann und Campe. Der Titel des Buches: Besser die Wahrheit. Der Inhalt: Ein Gespräch zwischen Wulff, dem damaligen Landesvorsitzenden der CDU in Niedersachsen, und dem Journalisten Hugo Müller-Vogg. Ein Dauerbrenner ist das Werk nicht gerade: Beim Online-Buchhändler Amazon rangiert es auf Platz 23.896 der Bestseller-Liste.

2008 sollte es dem "mitfühlenden Konservativen", so die Selbstbeschreibung im Klappentext, helfen als Ministerpräsident von Niedersachsen wiedergewählt zu werden. Drei Jahre später verschärft es die politische Krise des Bundespräsidenten Christian Wulff.

Wie sich erst jetzt herausstellt, hatte Wulffs Freund Carsten Maschmeyer, Gründer des umstrittenen Finanzdienstleisters AWD, im Landtagswahlkampf 2007/08 Werbeanzeigen für das Buch geschaltet. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte einen Bericht der Bild-Zeitung, wonach der Unternehmer knapp 43.000 Euro aus seiner Privatschatulle für die Kampagne ausgegeben hat. Der Medienberater Michael Spreng, ehemals Wahlkampfmanager des CSU-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber, nennt das im Gespräch mit sueddeutsche.de ein "dubioses Verfahren".

Maschmeyer betont, er habe mit Wulff "über das ganze Thema" nicht gesprochen. Das ist verwunderlich, denn die beiden verstehen sich hervorragend. Überhaupt scheint Wulff innige Freundschaften zu niedersächsischen Unternehmern zu pflegen.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass Wulff sich über Umwege 500.000 Euro von dem Osnabrücker Schmuck- und Schrotthändler Egon Geerkens geliehen hatte. Im Landtag hatte er 2007 eine "geschäftliche Beziehung" verneint. Wulff gestand den Fehler inzwischen ein und schaffte etwas Transparenz, in dem er Urlaubsreisen in die Villen befreundeter Unternehmer öffentlich machte. Das Boulevardblatt Hamburger Morgenpost betitelte daraufhin ein Foto Wulffs im Strandkorb mit der Zeile: "Der Ober-Schnorrer".

Auch Maschmeyer kommt in der Liste vor. Der Unternehmer hat ein Faible für niedersächsische Politiker, unabhängig von deren politischer Couleur. 1998 hatte er anonyme Anzeigen für den SPD-Ministerpräsidenten Gerhard Schröder geschaltet. Text der Anzeigen: "Der nächste Kanzler muss ein Niedersachse sein." Auch mit Büchern von Politikern kennt sich Maschmeyer aus: Der Unternehmer zahlte Schröder einst eine Million Euro für dessen Memoiren.

Schröder kann es rückblickend egal sein, der Altkanzler ist politisch nicht mehr aktiv. Wulff hingegen bekleidet ein Amt, das für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit steht. "Besser die Wahrheit" könnte eine Art Leitmotiv für den Bundespräsidenten sein. Für Wulff wird der Buchtitel zum Bumerang.

Die Maschmeyer-Kampagne wirft unangenehme Fragen auf. Der Verlag Hoffmann und Campe könnte sie zum Teil aufklären - hat auf mehrfache Anfrage von sueddeutsche.de jedoch nicht reagiert. Zu Spiegel Online sagte Manfred Bissinger, Leiter Corporate Publishing bei Hoffmann und Campe: "Das ist in der Verlagsbranche üblich und ein absolut normaler Vorgang." Maschmeyer sagt, er sei von jenem Bissinger um die Finanzierung gebeten worden.

Bissinger, ehemals stellvertretender Chefredakteur beim Stern, hat das Vorwort des Buches geschrieben, in dem er Wulff "zum Mann nach Angela Merkel hochschreibt", wie die Frankfurter Rundschau 2007 bemerkte. Andere Medienhäuser halten diese Praxis allerdings keineswegs für absolut normal, wie mehrere Verlage auf Nachfrage von sueddeutsche.de bestätigt haben.

[] Ist diese Art der Werbe-Finanzierung üblich? Bei anderen Verlagen offenbar nicht. "Wir würden uns nicht darauf einlassen", sagt etwa Andreas Schäfler vom Münchner Verlag Antje Kunstmann. Dass ein Unternehmer eine Anzeigenkampagne für ein Buch finanziert, ohne das Wissen des Autoren, ist für Schäfler undenkbar: "Das riecht nach Stress." In der Pressestelle eines großen deutschen Verlags, der Bücher namhafter Politiker herausgibt, heißt es hinter vorgehaltener Hand: "Das ist bei uns faktisch noch nicht vorgekommen. Wir würden es nur in Absprache mit den Autoren machen, und auch dann wäre es ziemlich verrückt."

Der Medienberater und Blogger Michael Spreng sagt, Politiker-Bücher seien meist "kein großes Geschäft". Oft kauften Landesregierungen und Parteien große Teile der Auflagen. Üblicherweise zahle ein Verlag die Werbung für ein Buch - "und wenn kein Geld da ist, dann gibt es eben keine Werbung".

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