WM: Willi Lemke im Gespräch "Ratten gab es auch im Stadion von Werder"

Willi Lemke ist begeistert von der WM in Südafrika. Ein Gespräch mit dem UN-Sonderbeauftragten für Sport über Afrika, das Turnier und Löws Multikultitruppe.

Interview: Lars Langenau

Willi Lemke, 63, war langjähriger Manager von Werder Bremen und Senator für Bildung und später auch noch für kurze Zeit Innensenator in der Hansestadt. Seit 2008 ist er für UN-Generalsekretär Ban Ki Moon Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden. Den Job macht er für den symbolischen Beitrag von einem Euro. Seine weltweite Tätigkeit wird von der Bundesregierung mit einem Etat von 450.000 Euro unterstützt. Der "rote Willi" galt Willy Brandt als "lebender Beweis, dass Sozialdemokraten auch mit Geld umgehen können". Zu den Intimfeinden des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden von Werder Bremen gehört seit Jahrzehnten Bayerns Ex-Manager Uli Hoeneß. Wir sprachen mit Willi Lemke am Telefon in Kapstadt.

sueddeutsche.de: Eine freudig strahlende Angela Merkel saß beim Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien neben Südafrikas Präsident Jacob Zuma. Braucht die deutsche Öffentlichkeit solche Bilder? Oder wird da Fußball von der Politik instrumentalisiert?

Willi Lemke: Ich habe das nicht als aufgesetzt - oder als Missbrauch - empfunden und so wurde das ja auch nicht von der deutschen Nationalmannschaft gesehen. Sie ist die Kanzlerin und deshalb hat sie ein Recht, dort zu sein. Deutschland ist ja gerade auch fußballverrückt, warum darf das dann nicht Frau Merkel sein? Ich kann da an diesem Besuch nichts Despektierliches finden.

sueddeutsche.de: Neigt so eine WM dazu, dass sie grundsätzlich von der Politik okkupiert wird? In der Geschichte gibt es dazu viele Beispiele. Wie empfinden Sie das diesmal in Südafrika?

Lemke: Aus afrikanischer Sicht kann ich das überhaupt nicht bestätigen. Bei meinen Besuchen in mehreren südafrikanischen Townships habe ich den Stolz der Menschen spüren können, so ein großes Fest auszurichten. Es herrscht selbst dort eine unglaubliche Freude und ein tolles Selbstbewusstsein. Und das nicht bei der Elite, sondern bei den Bewohnern der Townships. Es kann nicht schlecht sein, wenn die Menschen lernen, dass Solidarität, wenn man etwas gemeinsam schafft, engagiert ist, zum Erfolg führen kann. Die ganze Welt schaut auf Südafrika und das ist von einer politischen Relevanz, die wir heute noch gar nicht begreifen können.

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