Wikileaks und die FDP Maulwurf mit Fliege

Ausgerechnet der Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle hat die Amerikaner über Interna informiert. Helmut Metzner galt schon länger als "kleiner Agentenführer". Nun ist der ambitionierte Liberale seinen Job los - zu seinem eigenen Wohl, argumentiert die FDP.

In der FDP-Zentrale gehört Helmut Metzner zu den Leuten, die Wert auf Humor legen. Fast immer ist der Büroleiter von Parteichef Guido Westerwelle für einen Witz zu haben, und gern trägt er Fliege in Blau-Gelb.

Als Lebensmotto gibt der 41-Jährige an: "Wer gackert, muss auch Eier legen." Jetzt hat Metzner sich selbst, seinem Vorsitzenden und seiner Partei ein eben solches ins Nest gelegt - und zwar ein ziemlich großes.

Maulwurf aus der engsten Umgebung

Nach tagelangen Spekulationen outete sich der FDP-Mann als derjenige, der während der schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen die US-Botschaft mit Informationen versorgte. Besonders peinlich ist das für Westerwelle. Der Außenminister hatte nach den ersten Wikileaks-Enthüllungen noch heftig bezweifelt, dass jemand aus seiner Partei die Amerikaner über Interna informiert haben könnte.

Jetzt kommt der "Maulwurf" auch noch aus seiner engsten Umgebung. Metzner war schon seit Jahren an der Seite des FDP-Vorsitzenden unterwegs, immer freundlich und stets umtriebig.

Von 1995 bis 1997 war er stellvertretender Landesvorsitzender der FDP Bayern. Und im Wahljahr 2009 hatte es der gebürtige Bamberger im Thomas-Dehler-Haus sogar bis zum Chef der Abteilung "Strategie und Kampagne" geschafft. Darüber hinaus war der Franke für die internationalen Beziehungen zuständig, auch für die FDP-Kontakte zu den wichtigsten Botschaften in Berlin. Die taz hatte schon schon im vergangenen Jahr über ihn geschrieben: "Vermutlich wäre er in der Welt der Nachrichtendienste ein kleiner Agentenführer."

Aus der Zeit, als er für die internationalen Beziehungen zuständig war, stammen auch die Kontakte zum US-Botschafter Philip D. Murphy, der im Herbst 2009 noch ganz neu im Amt war. In seinen Kabelberichten ans Außenministerium in Washington beschrieb der Diplomat seinen Auskunftgeber als "jungen, aufstrebenden Parteigänger". Einen Namen nannte er nicht. Den Wikileaks-Dokumenten zufolge aber brachte der Mann zu seinen Treffs mit Murphy noch während der Koalitionsverhandlungen haufenweise interne Papiere mit. Über den Wert der Informationen gibt es unterschiedliche Ansichten.

Seit der Veröffentlichung im Spiegel am Montag suchte die FDP-Spitze mit Hochdruck nach dem Kollegen, der den Amerikanern angebliche Geheiminformationen steckte. Allzu schwierig war es nicht, der "gut platzierten Quelle" (O-Ton Murphy) auf die Spur zu kommen - zu klein war der Kreis der Verdächtigen.

Klar war, dass es bis zur Enttarnung nur eine Frage von Tagen war. Das merkte auch Metzner - und offenbarte sich schließlich selbst.