Guantanamo-Protokolle Al-Qaida soll "atomaren Höllensturm" geplant haben

Die Guantanamo-Protokolle enthüllen Details über die US-Verhöre von Khalid Scheich Mohammed. Der Al-Qaida-Chefplaner soll noch mehr Attentate nach Art des 9/11 geplant zu haben.

Das Terrornetzwerk al-Qaida wollte womöglich weitere Ziele nach dem Muster der Anschläge des 11. September 2001 angreifen - und drohte angeblich mit der Zündung einer radioaktiven Bombe, falls Osama bin Laden gefasst wird. Das berichten mehrere Medien mit Verweis auf die durch Wikileaks bekannt gewordenen Guantanamo-Verhörberichte. Khalid Scheich Mohammed, Chefplaner von al-Qaida, habe die Pläne in US-Verhören enthüllt.

Der Terrorist saß in dem Militärlager auf Kuba in Haft, nachdem die USA ihn lange an einem ungenannten Ort festgehalten hatten. In den Verhören durch den Geheimdienst CIA, in dem die Zitate gefallen sein sollen, wurden auch umstrittene Methoden wie die Wasserfolter (Waterboarding) angewendet, was Khalid Scheich Mohammeds Aussagen entwerten könnte.

Unter anderem der Daily Telegraph zitierte aus den Dokumenten, der Terrorist habe die Zündung eines radioaktiven Sprengsatzes angedroht, falls Al-Qaida-Anführer bin Laden gefangen genommen werde. Ein in Europa versteckter Sprengsatz werde dann einen "atomaren Höllensturm" verursachen, wird Khalid Scheich Mohammed zitiert. Ob es sich um eine sogenannte schmutzige Bombe mit eingestreuten radioaktiven Materialien handeln sollte oder um eine echte Atombombe, bei der eine fatale Kettenreaktion ausgelöst wird, geht aus den Berichten nicht hervor.

Den Protokollen zufolge bereiteten die Terroristen außerdem Attentate nach Art von 9/11 vor. Die Pläne dafür seien wesentlich weiter gediehen als bislang bekannt, schreibt der Spiegel. Der Londoner Flughafen Heathrow sei Khalid Scheich Mohammed zufolge als Ziel ausgewählt worden. Er habe in den Verhören angegeben, 2002 schon zwei Zellen gebildet zu haben, die den Anschlag vorbereiten sollten. In Großbritannien lebende Terroristen sollten demnach in Kenia lernen, ein Flugzeug zu steuern. Eine Gruppe sollte dann ein Flugzeug in Heathrow entführen, es nach dem Start wenden und auf das Flughafenterminal stürzen lassen.

Anschläge auf weitere Gebäude und Flughäfen in den USA seien erwogen worden. Das Magazin zitiert den Terrorplaner mit der Aussage in den Protokollen, Ende 2001 die Anweisung gegeben zu haben, außerdem das "höchste Gebäude Kaliforniens" mittels entführter Flugzeuge anzugreifen. Auch die Brooklyn Bridge, eines der Wahrzeichen New Yorks, habe zerstört werden sollen.

Bei den Anschlägen mit entführten Flugzeugen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington waren am 11. September 2001 mehr als 3000 Menschen getötet worden.